Es regnet nicht mehr. Grau ist es aber geblieben. Der Frühstückssaal des Hotels ist leer als wir ihn kurz nach 7 betreten und trotz reichhaltigen Angebots nur Tee bestellen. Cornflakes und Toast müssen reichen, denn so lecker ein englisches Frühstück hin und wieder ist: Nach drei Tagen hat man genug davon. An der Exhibition Center Station erreichen wir problemlos einen Zug (eher eine S-Bahn) nach Dalmuir, wo wir über die Footbridge von Gleis zu Gleis eilten, nur um
dann am selben Gleis wieder einzusteigen, auf dem wir angekommen waren. Die Zufahrt führte uns mehr als drei Stunden durch die traumhaften, aber feuchten Highlands (Wer sich eine Vorstellung der Strecke machen möchte: Teile davon wurden für den Hogwartsexpress in den Harry Potter Filmen benutzt). Die atemberaubende Szenerie zog langsam an uns vorbei und ich träumte von einem einsamen Cottage in den Bergen. Ach ja…
In Fort William wurden wir am Bahnhof schon erwartet: Meine Eltern (und Schwester natürlich) machen gerade Urlaub hier und hatten angeboten uns zwei Nächte aufzunehmen. Wir nahmen das Angebot gern an und bezogen das Klappsofa im (Miet-)Caravan „Mull“ auf dem Invercoe Campingplatz.
Doch der Reihe nach: Zuerst schauten wir uns das verregnete Fort William an – besonderes Highlight war das örtliche Museum – und gingen dann bei Nico’s Fish&Chips essen. An dieser Stelle ein Tipp für Schottlandreisende: Geht da nicht hin. Die Pommes schmecken auch nach intensivstem Würzen sehr stark nach Nichts und auch die übrigen Speisen glänzen nicht durch übertrieben hohe Qualität. Die sehr motivierten Angestellten können dann nichts mehr rett
en: Ihre Blicke und Stimmung schien sich dem Wetter anzupassen. Und das war trostlos und verregnet.
Doch wir ließen uns nicht schocken oder gar mitreißen: Gut gelaunt kauften wir für das Abendessen (Schnitzel!) ein und fuhren (DRIVE LEFT!) auf den
Campingplatz, der malerisch an einem Loch in den Bergen liegt. Noch war Ebbe, aber Paula kündigte schon an: Wenn die Flut kommt, gehen wir Krebse angeln. Gesagt, getan: Mit einer einfachen Angelvorrichtung (im Prinzip eine Schnur an deren Spitze ein Gewicht und ein Zwiebelnetz mit Köder befestigt sind) gingen wir ans Ufer und warfen die Leinen aus. Es dauerte nicht lange und Tom* hatte den ersten Krebs am Köder und legte ihn in den mitgebrachten Eimer.
Munter fischten wir so weiter und hatten am Ende acht Krebse im Eimer, nasse Füße (die vom Wind angepeitschte Flut hat u.A. mich direkt erwischt), einen Köcher ohne Netz und diverse andere Kollateralschäden – aber nichts Ernstes. Die Krebse wurden dann natürlich wieder unverletzt in die Freiheit entlassen und wir widmeten uns dem wirklichen Essen.
Der restliche Abend war sehr entspannt: Quatschen, Karten spielen mit Paula & Tom und Aufbauen des edlen Klappbetts. Ab unter die Dusche, ab ins Bett und schon wieder ist ein schöner Urlaubstag vergangen.
*Enkel von Freunden meiner Eltern, die ebenfalls hier Urlaub machen
