Београд

P1040426.JPG Der Zug war toll. Er hatte zwar über 2 Stunden Verspätung, aber so richtig zu stören schien das keinen hier. Langsam rollten wir in den Bahnhof von Belgrad ein und stellten dort zu unserer Ernüchterung fest, dass unser Plan als nächstes Griechenland zu bereisen, zum Scheitern verdammt war. Ein netter Mann an der Info (kleine Anmerkung hierzu: Männer in solchen Positionen sind meist sehr nett, Frauen an Info- und Ticketschaltern haben tendenziell Haare auf den Zähnen – ist nicht sexistisch und oder frauenfeindlich gemeint. Ist einfach eine Beobachtung) erklärte das der Zug nach Thessaloniki nur bis Skopje fährt, weil Griechenland streikt.
Und was macht man in dem Fall als gut erzogener, westlich-geprägter, junger Mensch? Richtig: Man hebt 5000 Dinar ab und geht zu McDonalds – Krisensitzung. Im Gegensatz zu Deutschland war es richtig billig und das kostenlose Internet nicht auf eine Stunde begrenzt – etwa 3 Stunden Krisensitzung begannen. Karten wälzen, Verbindungen googlen, Bilder und Beiträge hochladen.
Als der Masterplan gefunden, Handy und iPod geladen und wir umgezogen und gesättigt waren, ging es zurück zum Bahnhof. Auf dem Weg sahen wir noch einmal ein zerbombtes Büro- und Verwaltungsgebäude – ein seltsames Bild mitten in einer auf den ersten Blick intakten Stadt. Die riesigen Löcher im Stahlbeton in einem Haus das aussieht als wäre es gerade erst verlassen worden.
Ein Besuch am Schalter brachte uns keinen Schritt weiter (Frau am Schalter ignorierte uns nach 2 Fragen), wir ließen also an der „Gaderoba“ unsere Rucksäcke einschließen und liefen los in Richtung Innenstadt. Wie so oft war die ein krasser Kontrast zum bisher gesehenen. Eine belebte, wirklich schöne Einkaufs- und Flaniermeile an deren Ende ein Park und die Festung stehen. Wir wanderten durch die Gegend und standen plötzlich zwischen einer größeren Anzahl von Panzern, Haubitzen, Torpedos, MGs und ähnlichem Kriegsgerät. Ohne es zu wollen, standen wir im Garten des serbisch Kriegsmuseums und waren ziemlich verblüfft von der Vielzahl an Waffen, die hier zwischen blühenden Büschen stand.
P1040412.JPG Wir ließen uns nicht irritieren und fanden dann noch einen Weg zum unmilitärischen Teil der Festung. Für 30ct durften wir sogar einen Aussichtsturm mit Ministernwarte betreten und genossen dort die Aussicht.
In der Stadt kaufen wir von den restlichen Dinars einigen Kleinkram und Fressalien, mit denen wir zurück zum
Bahnhof liefen. Der Gepäckaufbewahrungsmensch zockte uns dann zwar einigermaßen fies ab – der (Pardon) dumme Sack zählte unsere Taschen wegen der daran befestigten Packsäcke doppelt und so mussten wir 440, statt 220 Dinar zahlen. Nächstes Mal lassen wir ihn vorher zählen und uns den Endpreis schriftlich geben…
Belgrad war bisher die Stadt, die dem klassischen Ostblock-Klischee am nächsten kommt. Der Rest war eigentlich gar nicht so – Prag, Bratislava, Budapest und allen voran Zagreb waren einfach toll. Belgrad ist dagegen nur „ok“. Viel ist einfach sehr pragmatisch gelöst: Ein Haus hängt an 700 Kabeln, die mehr oder weniger dort in die Fassade gehen, bzw selbige verlassen wo sich innen wahrscheinlich die Steckdosen befinden. Es ist vielerorts dreckig und heruntergekommen (Große Ausnahme Innenstadt) und es wirkt chaotischer als in den Städten bisher. Der Geruch nach Urin, der schon oft auftauchte tut das hier viel regelmäßiger und auch an den schönsten Fassaden hängt neben jedem Fenster eine Klimaanlage. Auf die Optik achtet man hier scheinbar etwas zu wenig, so lang es funktioniert ist man glücklich, auch wenn es aussieht wie … Naja. Lassen wir das.

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Im Prinzip hört die Erzählung für heute schon wieder auf, denn wir sitzen im
Moment im Nachtzug nach Sofia, von wo aus es ans Schwarze Meer gehen soll.

Verkabeln leicht gemacht

Ein typischer Anblick bietet sich mir: Ein frisch (hellgelb) verputztes Haus an dessen Fassade ein etwa 4cm starkes schwarzummanteltes Kabel in einer Art Wellenlinie mit Rohrschellen befestigt ist. Es läuft fast die komplette Hauslänge entlang, biegt dann im rechten Winkel nach unten ab, um anschließen in großem Bogen etwa 20cm oberhalb der Klimaanlage in der Wand zu verschwinden.

Wir sitzen fest!

Krisenzentrale McDonalds Belgrad. Wir sind gestrandet. Eigentlich sollte es heut per Nachtzug nach Thessaloniki gehen – doch Griechenland streikt.
Wir suchen fieberhaft Alternativen. Es wird spannend! Wir geben Bescheid, wenn wir eine Lösung haben!

UPDATE: Sofia, oder besser noch: Das Schwarze Meer. Versuchen wirs mal! Haben uebrigens auch Bilder hochgeladen. Viel Spass damit!

Seltsames Deutsch…

Ich habe eine Frage und ich denke ihr könnt mir vielleicht helfen: Mit uns im Zug ist eine große Gruppe (20+) Menschen aller Altersklasen, die Deutsch spricht. Aber ein Deutsch, dass ich noch nie in meinem Leben gehört habe. Das liegt zum einen an dem Akzent, hauptsächlich aber an der Art zu sprechen. Sicher scheint für mich, dass es keine in Deutschland lebenden Leute sind, dazu passt die Sprache nicht. Das von ihnen gesprochene Deutsch erinnert an das von Ausländern (bzw: Migranten) Erlernte, aber da sie nur Deutsch sprechen, gehe ich schon von der Muttersprache aus.
Meine Frage also an euch: Woher könnten sie kommen? Gibt es hier (Südosteuropa) noch deutsche Enklaven, ich dachte an Siebenbürgen oder Ähnliches, oder sind die nach dem Krieg restlos verschwunden? Oder habt ihr ganz andere Vorschläge? Danke schonmal!

P.s.: Auch das Verhalten war etwas sonderbar. Vielleicht ist es ein Zufall, dass wir das so erleben, vielleicht war es nur der Reisestress, aber mit dem „Bürgertum“ haben wir es eher nicht zu tun. Es ist schon eine „einfachere Schicht“ – einige Grundverhaltensregeln scheinen nicht voll ausgeprägt zu sein. Man gibt sich keine Mühe irgendeine Fassade aufrecht zu erhalten, man war einfach ganz unverblümt unhöflich (Beobachtung trifft nur auf die Altersgruppe 20 – 35 zu, mit der älteren Riege hatten wir keinen Kontakt. Es scheint übrigens ein familiärer Verband zu Grunde zu liegen, dessen Chefin eine „Mama“ zu sein scheint.

Guten Morgen Serbien!

Ich hab den Fahtplan gerade nicht zur Hand aber ich glaube vor einer halben Stunde hätten wir ankommen müssen. Ich schätze die Grenzkontrolle(n) haben das etwas verzögert. 2 Mal wurden wir kontrolliert – Irrsinnigerweise mit einem Abstand von über einer Stunde Zugfahrt. Da die Grenze wohl kaum so breit sein wird, gehe ih davon aus, das Montengro schon vor der Grenze eine Ausweiskontrolle durchgeführt hat – von solch einer Praxis habe ich im Vorfeld der Reise gelesen.
Trotz des zweifachen mit „Passport control“ Gewecktwerdens, schliefen wir sehr gut. Die Betten sind eigentlich ganz bequem und der Fahrtwind vertrieb Hitze und stickige Luft. 1000Mal besser als der letzte Nachtzug!

Beton

Nach den sozialistischen Bausünden aus Beton in Bratislava, Prag und Co folgt jetzt ein Kapitel aus der Kategorie: Kapitalistische Bausünden.
In Montenegro wird gebaut. Auffallend viel sogar. Und an jeder Ecke stehen Schilder von diversen Real Estate Banken, Gruppen und Fonds, die mit der Anlage von Geld in Immobilien werben. Wo auch immer Platz ist wachsen hässliche Betonbauten in die Höhe – Mehrfamilienhäuser, Hotels und Supermärkte. Alle sehen gleich aus und alle zerstören die Szenerie und den Charakter (die Umwelt leidet sicher auch – wie in Spanien, dass regelrecht im Beton versinkt) der Küstendörfer und -städte.
Und ih schätze das nicht einmal die Hälfte benötigt wird: Viele fertige Gebäude stehen leer. Reine Immobilienspekulation ohne Rücksicht auf Verluste.
Vielleicht bin ich naiv, aber dieses Zustellen der Landschaft mit diesen Klötzen ärgert mich.