Der Zug war toll. Er hatte zwar über 2 Stunden Verspätung, aber so richtig zu stören schien das keinen hier. Langsam rollten wir in den Bahnhof von Belgrad ein und stellten dort zu unserer Ernüchterung fest, dass unser Plan als nächstes Griechenland zu bereisen, zum Scheitern verdammt war. Ein netter Mann an der Info (kleine Anmerkung hierzu: Männer in solchen Positionen sind meist sehr nett, Frauen an Info- und Ticketschaltern haben tendenziell Haare auf den Zähnen – ist nicht sexistisch und oder frauenfeindlich gemeint. Ist einfach eine Beobachtung) erklärte das der Zug nach Thessaloniki nur bis Skopje fährt, weil Griechenland streikt.
Und was macht man in dem Fall als gut erzogener, westlich-geprägter, junger Mensch? Richtig: Man hebt 5000 Dinar ab und geht zu McDonalds – Krisensitzung. Im Gegensatz zu Deutschland war es richtig billig und das kostenlose Internet nicht auf eine Stunde begrenzt – etwa 3 Stunden Krisensitzung begannen. Karten wälzen, Verbindungen googlen, Bilder und Beiträge hochladen.
Als der Masterplan gefunden, Handy und iPod geladen und wir umgezogen und gesättigt waren, ging es zurück zum Bahnhof. Auf dem Weg sahen wir noch einmal ein zerbombtes Büro- und Verwaltungsgebäude – ein seltsames Bild mitten in einer auf den ersten Blick intakten Stadt. Die riesigen Löcher im Stahlbeton in einem Haus das aussieht als wäre es gerade erst verlassen worden.
Ein Besuch am Schalter brachte uns keinen Schritt weiter (Frau am Schalter ignorierte uns nach 2 Fragen), wir ließen also an der „Gaderoba“ unsere Rucksäcke einschließen und liefen los in Richtung Innenstadt. Wie so oft war die ein krasser Kontrast zum bisher gesehenen. Eine belebte, wirklich schöne Einkaufs- und Flaniermeile an deren Ende ein Park und die Festung stehen. Wir wanderten durch die Gegend und standen plötzlich zwischen einer größeren Anzahl von Panzern, Haubitzen, Torpedos, MGs und ähnlichem Kriegsgerät. Ohne es zu wollen, standen wir im Garten des serbisch Kriegsmuseums und waren ziemlich verblüfft von der Vielzahl an Waffen, die hier zwischen blühenden Büschen stand.
Wir ließen uns nicht irritieren und fanden dann noch einen Weg zum unmilitärischen Teil der Festung. Für 30ct durften wir sogar einen Aussichtsturm mit Ministernwarte betreten und genossen dort die Aussicht.
In der Stadt kaufen wir von den restlichen Dinars einigen Kleinkram und Fressalien, mit denen wir zurück zum
Bahnhof liefen. Der Gepäckaufbewahrungsmensch zockte uns dann zwar einigermaßen fies ab – der (Pardon) dumme Sack zählte unsere Taschen wegen der daran befestigten Packsäcke doppelt und so mussten wir 440, statt 220 Dinar zahlen. Nächstes Mal lassen wir ihn vorher zählen und uns den Endpreis schriftlich geben…
Belgrad war bisher die Stadt, die dem klassischen Ostblock-Klischee am nächsten kommt. Der Rest war eigentlich gar nicht so – Prag, Bratislava, Budapest und allen voran Zagreb waren einfach toll. Belgrad ist dagegen nur „ok“. Viel ist einfach sehr pragmatisch gelöst: Ein Haus hängt an 700 Kabeln, die mehr oder weniger dort in die Fassade gehen, bzw selbige verlassen wo sich innen wahrscheinlich die Steckdosen befinden. Es ist vielerorts dreckig und heruntergekommen (Große Ausnahme Innenstadt) und es wirkt chaotischer als in den Städten bisher. Der Geruch nach Urin, der schon oft auftauchte tut das hier viel regelmäßiger und auch an den schönsten Fassaden hängt neben jedem Fenster eine Klimaanlage. Auf die Optik achtet man hier scheinbar etwas zu wenig, so lang es funktioniert ist man glücklich, auch wenn es aussieht wie … Naja. Lassen wir das.
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Im Prinzip hört die Erzählung für heute schon wieder auf, denn wir sitzen im
Moment im Nachtzug nach Sofia, von wo aus es ans Schwarze Meer gehen soll.
