Grüß Gott, wir sind in Österreich.

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Wir erwachten – welch Überraschung, denn hier waren wir ja eingeschlafen – in den Doppelstockbetten des Youth Hostels in Ljubljana und freuten uns schon auf das angekündigte und bereits bezahlte ausgiebige Morgenmahl. Im Frühstücksraum wartete ein wunderbares Buffet auf uns (die Ironie klingt hier schlimmer, als es gedacht war). Es bestand aus einer Kiste voller Brötchen, einem Teller mit Leberwurst und Einem mit Käse, ein paar Cornflakes und einer kleinen Getränkeabteilung mit Kaffee, Tee und Saft. Als wir dann nach nicht allzu langer Zeit aufgegessen hatten, konnten wir stolz von uns behaupten, das komplette Angebot ausprobiert zu haben (bis auf dem Kaffee).
Wieder auf unserem Zimmer, packten wir die restlichen Sachen zusammen, checkten aus und liefen Richtung Bahnhof. Um 11:28 Uhr startete unser Zug nach Villach (Diesen Stopp legten wir übrigens nur ein, weil Erik von hier aus gut nach Deutschland kommen kann und Paul und ich nicht weit von der italienischen Grenze entfernt sind)._MG_2410.JPG
Bereits vor der Ankunft sorgten wir uns, keine Unterkunft zu finden, als wir dann vor Ort waren, sorgten wir uns weiter. Überall Hotels, aber die waren so unbezahlbar, dass wir unbedingt auf etwas anderes zurückgreifen mussten. In der Stadt hatten wir freies Internet und nutzten die Chance, um nach nahegelegenen Hostels zu googlen. Wie heißt es so schön? Wer sucht, der findet. Es gab eine Jugendherberge, die gar nicht so weit entfernt war. Die Rucksäcke wieder aufgehuckelt, ging es, der Wegbeschreibung folgend, los. Ohne große Probleme fanden wir auch besagtes Gästehaus und wurden sogleich freundlich empfangen. Die österreichische Rezeptionistin fragte neugierig, woher wir kommen und warum wir in Villach sind – wir erzählten ihr von unserer Reise und dass wir (also Erik) gerade auf dem Heimweg sind. Die Begeisterung war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben und ihr Interesse offensichtlich. Nach kurzer Auswertung und Berichterstattung trug sie Erik und mich als Pauls Kinder in die Kartei ein und wies uns ein Viererzimmer zu – Nummer 107 im ersten Stock. Wir teilten die Betten auf und machten eine kurze Pause. Als wir dann vollständig regeneriert waren, machten wir uns auf zum Stadtrundgang. Leider gab es außer ein paar sehr hübschen Kirchen nicht viel zu sehen. Dazu kam unglücklicherweise die Tatsache, dass Sonntag war und kaum ein Laden geöffnet hatte. Trotzdem schlenderten wir mit viel Spaß und Freude durch die Straßen und setzten uns auf komische Plastikgegenstände am Ufer der Drau._MG_2386.JPG
Der Hunger packte uns und wir beschlossen einstimmig unser Abschluss-Essen richtig groß zu veranstalten. Wir suchten uns ein Plätzchen im Biergarten des Brauhofs, dessen Speisekarte uns schon in der Unterkunft empfohlen wurde. Wir bestellten als erstes eine kleine Vorsuppe: Lisa Nudelsuppe, Paul Leberknödelsuppe und Erik eine Fritattensuppe. Es folgte der Hauptgang: Lisa einen bunten Salatteller mit Truthahnbruststreifen, Paul einen Schweinebraten mit Klößen, Sauerkraut und Kartoffeln und Erik bestellte sich ein Schweineschnitzel mit Salatteller. Nebenbei wurden 6  Biergläser und ein Apfelsaft geleert. Wir sagten uns: Wenn, dann richtig! Als unser Magen nach den großen Portionen langsam wieder aufnahmefähig wurde, musste natürlich noch ein Dessert her. Kaiserschmarrn bot sich dafür hervorragend an (wenn man schon einmal in Österreich ist, muss das einfach sein).
Erwähnenswert wäre noch, dass uns an diesem Abend eine ältere Frau belustigte, die allein an dem Tisch gegenüber saß. Sie trank in der Zeit mehr Bier, als wir gemeinsam je geschafft hätten und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Jedes Mal, wenn sie an ihrer Zigarette zog, begann sie unglaublich zu lachen – über alles und jeden. Ihr Lachen war so ansteckend, dass sich sogar die Kellner amüsierten, die beim Vorbeigehen immer eine neue Bestellung an Bier aufnehmen durften – schade, dass wir das Eintreffen ihrer Rechnung nicht mehr mitbekamen. ;-)
Vollkommen fertig und satt verließen wir den Biergarten und wanderten dann auf ziemlich direktem Wege zurück zur Jugendherberge. Dort quatschen wir noch ein bisschen und erfreuten uns an lauten Kinderstimmen auf dem Gang, als wir einschlafen wollten. P1060396.JPG_MG_2402.JPG_MG_2394.JPG

Ohne i

_MG_2309.JPG Zagreb bescherte uns eine neue Erfahrung: Wir schliefen gut und recht lang. Nach Campingplatz und unbequemem Nachtzug war das Gold wert. Mit frischen Kräften ging es zum Bahnhof, wo wir im Konzum unsere verbliebenen Kunas ausgeben wollten.
Die erworbenen Massen an Verpflegung (Brötchen, Baguette, Käse, Dosenleberwurst, Joghurt, Dosenjagdwurst und mehr) wurden dann am Bahnsteig und auch später im weiteren Verlauf des Tages gegessen.
Der EC nach Villach kam pünktlich und wir ergatterten einen Vierersitzplatz. Kaum im Zug kam schon die Grenzkontrolle. Wie üblich geht die Abfertigung bei uns deutlich schneller, als bei den meisten anderen. Es ist schon praktisch als EU-Bürger mit Ausweis über diese ganzen Grenzen zu kommen.
Die kroatische Kontrolle ging trotzdem auch insgesamt eher schnell – wie üblich bei Ausreisen. Die Slowenen haben sich aber scheinbar vorgenommen die EU-Außengrenze mit aller Kraft zu verteidigen: Unglaublich gründlich kontrollierten sie alle Pässe auf Echtheit (teilweise sogar mit Lupen), suchten in allen denkbaren Ritzen nach eventuellem Schmuggelgut und fragten nach, ob wir etwas zu verzollen hätten._MG_2302.JPG
Danach blieb die Fahrt unspektakulär und wir kamen in Ljubljana an. Im Bahnhof stellten wir uns dann an den Infoschalter, mussten recht lange warten, wurden dann aber umso schneller bedient: Stadtplan, 3 Kringeln, viel Spaß damit. Wir liefen also los: Kringel suchen. Die entsprechenden Straßen waren auch schnell erreicht, aber ein Hostel?
Anmerkung: Den folgenden Teil schreibe ich wegen eines nervigen, demotivierenden technischen Defekts nun ein zweites Mal. Der erste Text war richtig gut, der Folgendene wird das nicht. Entschuldigung.
Weit und breit nichts zu sehen. Wir fragten zwei Passanten und bekamen zwei gegensätzliche Antworten, die beide nicht zum Ziel führten. In dieser Verzweiflung blieb nur noch ein Ausweg: das ethnologische Museum (das etwa dort lag, wo einer der Kringel die Karte zierte). Diese Auskunft brachte dann Licht ins Dunkle: ein Hostel liegt etwa 100m in diese, und Eins etwa 100m in jene Richtung. Aha.
Wir wählten diese Richtung und fanden ein Hostel, dass auch noch genau für drei Personen Platz hatte – aber 28€ pro Kopf waren uns zu viel. Freundlich lehnten wir ab und entschieden uns dann doch für jene Richtung.
Schade nur das die Antwort auf meine Frage nach einem Zimmer hier „Sorry, we’re fully booked.“ lautete. Doch man darf ja auch mal Glück haben: „but there is another hostel here. Do you see the yellow building there? You have to go around it. The entrance is on the other side. It’s called Tabor.“ ergänzte der freundliche Rezeptionist. Im Tabor war dann tatsächlich noch etwas frei und es war auch deutlich billiger. Wir schlugen zu._MG_2322.JPG
Damit machten wir unseren ersten Aufenthalt in einer echten HI Unterkunft fest. HI steht für Hostelling International, ist also so etwas wie das internationale Jugendherbergswerk. Tatsächlich hatte es auch einen gewissen Jugendherbergscharme – allerdings mit kräftigem DDR-Flair (ich schätze, dass es Anfang der Neunziger zum letzen Mal renoviert und bestenfalls in den Achtzigern ausgestattet wurde – es war sauber, aber nicht eben ’state of the art‘).
Wir kümmerten uns um die restlichen Speisen, sortierten unseren Kram und liefen ins Zentrum.
Dieses war ausgesprochen unspektakulär: nicht hässlich oder verbaut, nein, aber nichts besonderes. Sollten wir nun wirklich enttäuscht sein oder lag es einfach daran, dass wir schon so viele tolle Städte gesehen hatten und irgendwie abgestumpft sind oder war einfach nur die leichte Bewölkung Schuld? Bevor wir eine Antwort finden konnten, entdeckten wir eine Standseilbahn (siehe dazu den gesonderten Artikel mit Verlosung)._MG_2342.JPG
Für den Studentenpreis von 5€ erwarben wir ein All-Inclusive-Ticket und ab ging die Fahrt! In einem etwas betonlastigen Gebäude unterhalb der Burgmauer kamen wir an. Wir folgten der Beschilderung und kamen im Burghof an. Hier wurde gerade eine Leinwand und Stuhlreihen für eine Open-Air-Filmvorführung am Abend aufgebaut und einige, mehrheitlich italienische Reisegruppen sorgten für ein belebtes Treiben.
Nach der Ausstellung zur Geschichte Sloweniens und Ljubljanas, besuchten wir die Kapelle und erklommen den Turm. Dort nutzten wir dann auch den letzten Abreisstreifen unseres AI-Tickets und sahen uns das virtual castle an, welches sich als hübsch aufbereitete Filmpräsentation der Geschichte der Burg herausstellte.
Mit der Bahn ging es wieder bergab und dort dann direkt etwas essen. Wir wählten das beste Haus am Platz, eine Gaststube mit Namen Sokol, und orderten. Um es kurz zu halten: es dauerte ewig, es war teuer. So richtig um uns gekümmert hat sich auch niemand und am Ende bedeuten wir es, es nicht wie die Franzosen am Nachbartisch gemacht zu haben, die nach über einer Stunde warten, etwas Geld für die Getränke da ließen und einfach gingen.
Egal. Vorbei ist vorbei. Wir verließen das Restaurant und schlenderten noch etwas durch die Innenstadt, die plötzlich extrem hübsch geworden war. Die beleuchteten Gebäude, die vielen kleinen Bars am Ufer des Flusses, das lebendige Geschnatter um uns herum – wir hätten noch ewig laufen können, aber meinen zwei Begleitern wurde kalt – und das bei immer noch 20°C. Sachen gibts …

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Bewertungen #04

Nachtrag: Unser Hostel in Podgorica – Hostel Nice Place

In Zagreb schliefen wir im Hostel Palmers Lodge:

Die Hauptstadt mit dem Kleinstadtflair.

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Unser Nachtzug nicht gerade komfortabel und gut geschlafen hatte keiner von uns so richtig – denn als dann etwa 6:15 der Weckgong durch den Zug hallte, blickten wir in verschlafene Gesichter. Da sind wir nun also in Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens.
Wir trotteten auf den Bahnhof und suchten in der Bahnhofshalle WC und Infoschalter – beides fanden wir nur bedingt: Der Zugang zu Ersterem befindet sich gut versteckt auf dem Bahnsteig und die Information war geschlossen. Einige Zeit später waren diese Probleme dann trotzdem gelöst. Unter anderem weil wir einen Ständer mit einigen Infoflyern entdeckten und so recht zielstrebig zu einem nahegelegenen Hostel fanden._MG_2273.JPG
Das Palmers Hostel machte einen guten Eindruck: sauber, stilvoll eingerichtet und gut gelegen. Die Rezeption war unbesetzt, aber eine Klingel forderte auf, sie zu betätigen um einen Rezeptionist zu rufen. Nach etwa 10 Minuten warten und dreimaligem klingeln kam dann ein anderer Gast aus dem Aufenthaltsraum und sagte, dass der zuständige Hostelmitarbeiter eingeschlafen sei und er ihn jetzt mal wecken werde.
Tatsächlich kam wenig später ein noch recht verschlafener, aber sehr netter Mann und entschuldigte sich für die Wartezeit. Wir erkundigten uns nach einem Zimmer und buchten kurz darauf 3 Plätze in einem 6er Dorm. Beziehen könnten wir diesen aber erst ab 12-13 Uhr wurde uns gesagt. Unser Gepäck brachten wir in der Zwischenzeit in einen Raum im Keller und gingen alle der Reihe nach Duschen. Kurz vor unserer Abreise in die Stadt zum Zeitvertrödeln, kam die Rezeptionistin (es hatte ein Schichtwechsel stattgefunden) und informierte uns darüber, dass die Bewohner unseres Raumes soeben ausgecheckt hätten, sie jetzt nur schnell neue Bettwäsche hole und wir dann in das Zimmer könnten. Das waren gute Nachrichten!P1060357.JPG
Im Raum „Maksimir“ – alle Räume im Hostel waren nach einer Attraktion Zagrebs benannt und unserer eben nach dem Maksimir Park, der zu seiner Eröffnung 1794 der erste große öffentliche Park Südosteuropas war – schliefen noch 2 Gäste, als wir lautlos unser Gepäck hereintrugen und die Betten bezogen. Lisa blieb dann im Hostel, schlief ein wenig und schrieb etwas für die Gefahrenstelle, Erik und ich, gingen etwas einkaufen und machten eine Rast im Park gegenüber dem Hauptbahnhof. Gemeinsam blieben wir dann noch bis etwa um zwei im Hostel und machten uns dann auf den Weg.
Es war nicht ganz so warm wie die letzten Tage, aber trotzdem – oder gerade deshalb – genossen wir die 27 bis 30°C, als wir Richtung Kathedrale wanderten. Zagreb wirkt im Gegensatz zu Budapest oder Belgrad (ich spreche nicht vom Stadtkern – der ist überall ordentlich und gepflegt) ziemlich sauber und überraschte mit einem sonderbaren Kleinstadtflair. Viel Straßen – auch die in der unser Hostel liegt – sind typische Großstadtstraßen: So etwas gibt es in Kleinstädten nicht. Einige Teile des Zentrums hingegen, wie zum Beispiel der Bereich um die Kathedrale, wirkt ganz anders: kleinere Häuser, kleinere Straßen und kaum etwas erinnert an eine Hauptstadt. Das jedoch schadet Zagreb nicht, im Gegenteil: Es wirkt sympathischer und authentischer, wenn die Kathedrale alles deutlich überragt, als wenn sie zwischen den Häusern verschwindet.
Wir liefen durch lange Gassen, über große Plätze und verschafften uns so einen Eindruck von der Stadt. Wir entdeckten auch den Platz wieder, auf dem wir im vergangenen Jahr gegessen haben (und der jetzt gerade frisch gepflastert wird) und gingen dann für eine kurze Rast und Recherche ins Palmers zurück.
P1060360.JPG Recherchieren wollten wir folgendes: Wir hatten gehört, dass es in Zagreb eine Standseilbahn gibt, konnten aber nicht einmal ein Hinweisschild entdecken. Nach kurze Suche wurden wir fündig: Die Bahn liegt sehr zentral, aber in einer kleinen Gasse, die man schnell übersieht, ist 60m lang und überwindet einen Höhenunterschied von 30m. Achso: sie kostet natürlich auch etwas – 5kn, also etwa 80ct pro Person.
Zurück in der Stadt fanden wir sie dann auch – jedoch fanden wir sie auch dermaßen unspektakulär, dass wir direkt zum Essen gingen. Auf besagtem Platz gingen wir zu einem Imbiss und bestellten: Lisa einen „mala fitness salata“, Erik zwei „somun sendvic“ und ich recht fantasielos einen Hamburger. Lisa erhielt die kroatische Interpretation eines kleinen Fitnesssalates: einen Nudelsalat, ich bekam einen riesiges Brötchenartiges Gebäckstück mit Ketchup, Majo, Salat, Gewürzgurke, Tomate und einer Scheibe Burgerfleisch und Erik hatte sich in der Größe der Sandwiches verschätzt: Nach 1,5 Sandwich musste er kapitulieren. Sie waren einfach viel zu groß.P1060367.JPG
Wir liefen weiter durch die Straßen, schauten noch einmal an der Kathedrale vorbei und irgendwann standen wir dann wieder vor der Standseilbahn. Diesmal aber am oberen Ende. Wir kauften jeder ein Ticket und fuhren hinab. Auf einem Platz ließen wir uns nieder und beobachteten die Menschen um uns herum. So endet ein Tag hier eben: Mit Flanieren und Beobachten – Sehen und Gesehen werden.
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