Wiedersehen mit Split
Wir erwachten. Es war warm, wir waren müde. Der Boden auf dem Zeltplatz hat uns einige Stunden Schlaf geraubt. Doch es nützte nichts – fix unter die Dusche, Sachen packen und ab zum Hafen. Dort angekommen statteten wir uns mit Proviant aus und warteten darauf, dass die Riesen-Fähre fertig ausgeladen hatte (es ist schon ziemlich faszinierend, wenn ein großer LKW nach dem anderen aus dem Bauch des Schiffes gefahren kommt). Nach langem Warten konnten wir uns dann endlich einen Platz im Inneren suchen, unser Essen auspacken und es verspeisen. Gesättigt schauten wir noch eine Weile aus dem Fenster und kamen schließlich in Split an. Die Jungs waren hier letztes Jahr schon und kannten sich daher schon etwas aus. Wir buchten einen Zug für die kommende Nacht und schlossen unsere Rucksäcke, aus denen wir vorher jegliche Badesachen entfernt hatten, in viel zu klein aussehende Schließfächer (Zitat Erik: „Wenn die dort rein passen, fress ich einen Besen“ – darauf kommen wir nochmal zurück, mein Freund!).
Vielleicht kennt ihr schon unser Titelbild der diesjährigen Reise. Drei Comicfiguren (die ein bisschen an uns erinnern) auf dem Bahnhof in Split, im Hintergrund ein Kirchturm und strahlend blauer Himmel. Wir beschlossen, dieses Bild nachzustellen, wenn wir schon einmal hier waren. Mit Kameras und passenden T-Shirts unterm Arm ging es also noch einmal zum Gleis 2, Stativ mit Kamera aufgestellt und angepasst, einmal nett gelächelt und schon konnte es weitergehen: zum Strand. Wie fast überall hier in der Gegend war auch Dieser ein Steinstrand. Egal, hauptsache Wasser! Also hinein ins feuchte Nass. Das tat gut, auch wenn der Salzgeschmack jegliches Gefühl im Mund- und Rachenraum verdrängte. Noch eine ganze Weile lagen wir in der Sonne herum und schwammen. Als wir genug vom Wasser hatten liefen wir in Richtung eines kleinen Imbisses und die Jungs aßen Tortillas gefüllt mit Hühnerfleisch. Ich (Lisa) verzichtete, da ich mir im Laufe des Tages in der prallen Sonne und auf den heißen Steinen anscheinend einen kleinen Sonnenstich wegholte und mich den restlichen Abend mit Übelkeit rumplagen musste.
Schließlich schlenderten wir noch etwas durch die Straßen, beobachten wie immer die Leute und lauschten der Musik, die vom Markt her zu uns drang.
Um ca. 20:45 Uhr bezogen wir unsere Plätze im Nachtzug – Sitzplätze. Die Sitze konnte man zwar ein kleines bisschen nach vorn ziehen, doch das war jetzt auch nicht viel bequemer. Anfangs blieben wir noch aufrecht im Abteil sitzen, doch als nach einer Zeit noch immer niemand zustieg, legten wir uns quer. Paul legte sich auf den Fußboden, da es leider nur zwei Sitzreihen gab. Doch so nett wie ich bin, wechselte ich mich mit ihm ab. Geschlafen haben wir nicht viel, also war das schon die zweite schlaflose Nacht.
Fähre, Brüste, Nacht im Zelt
Guten Morgen Dubrovnik. Guten Morgen Frau Vermieterin. Guten Morgen Frau Vermieterins mindestens 5 Kinder, die ständig das Bad besetzen.
Gegen halb 10 erwachten wir in dem viel zu warmen Zimmerchen der hilfsbereiten Kroatin. Diese teilte uns mit, dass ein Bus stündlich zum Busbahnhof fährt, doch die Zeiten lagen ziemlich ungünstig, sodass wir dann doch auf das Laufen zurückgreifen mussten. Die wunderschöne Landschaft mit Bergen und Meer begrüßte uns, die Sonne strahlte vom Himmel – so lässt sich ein Tag beginnen. Wir fanden den Bahnhof ohne größere Probleme, besuchten den randvollen „Konzum“ (und statteten uns mit Obst, Keksen und Getränken aus), gaben unser Gepäck ab und stiegen in den angenehm kühl wirkenden Bus Richtung Drvenik. Die meisten Plätze waren bereits besetzt, also blieb nur noch die letzte Reihe für uns übrig. Auf einem Platz am Fenster saß ein Mann, der sich bald als Franzose herausstellte und sehr offenherzig begann mit uns zu kommunizieren.
In Drvenik angekommen, war es Zeit, eine Fähre zu finden, die uns nach Sucuraj bringen würde. Den Hafen erreicht, fuhr uns die erste direkt vor der Nase weg. Nach einer halben Stunde auf der nahegelegenen Bank, lief ein kleine Fähre in den Hafen ein. Wir schnappten unser Gepäck und sicherten uns einen Schattenplatz an Deck, in der Sonne war es ja kaum auszuhalten. Das Schiff tuckelte los und fand den Weg nach Sucuraj schneller als wir dachten. Jetzt standen wir vor einem Problem(chen) – wir mussten irgendwie einmal quer über die Insel kommen. Ein Blick auf den Busplan verriet uns, dass der Nächste in einer Dreiviertelstunde fahren würde. Wir saßen und warteten. Warteten lange. Langsam kam es uns komisch vor, die Zeit verging und es kam kein Bus. In einem kleinen Kiosk fragten wir erneut – „Viertel vor 6 kommt hier ein Bus mit der Fähre, der fährt nach Stari Grad“. Viertel vor 6 bedeutete für uns 2 Stunden erneutes Warten. Kurz entschlossen gingen wir baden, um die Zeit möglichst sinnvoll zu überbrücken. Aus Angst vor Seeigeln, dauerte der Weg ins und aus dem Wasser zwar länger, als die Zeit dazwischen, aber die Abkühlung haben wir echt gebraucht.
Nach einem Eis kam dann auch besagte Fähre mit besagtem Bus. Der Fahrer war echt entspannt, wenn man bedenkt, dass er genau wusste, was für eine Fahrt vor ihm liegt. Alles begann noch halbwegs ruhig, wir machten einige Halte in kleinen Dörfchen und anfangs waren auch die Straßen noch breit genug. Doch je länger wir fuhren, desto schmaler wurden sie – und desto mehr Autos kamen uns entgegen. Es wurde einem schon mulmig, wenn es rechts steil bergab ging und links vom Bus noch ein Transporter durch wollte. Unser Fahrer war anscheinend sehr routiniert, denn er schlängelte sich mit einer Leichtigkeit durch die S-Kurven, wie es sicher kein Anderer geschafft hätte. „Stari Grad“ sagte er – das war unser Zeichen. Wir schnappten unser Gepäck, fragten nach dem Weg zum Zeltplatz und liefen (mehr oder weniger) zielstrebig los. Die Stadt machte einen sehr guten ersten Eindruck, es war warm, das Wasser klar, die Menschen lachten und die kleinen Buden entlang der Strandpromenade luden zum Kaufen ein. Den Zeltplatz fanden wir relativ schnell, wir checkten ein (in dem Fall bedeutet das, wir mussten unsere Ausweise abgeben) und bauten in Null Komma Nichts das Zelt auf.
Einige Zeit später (es war mittlerweile schon fast dunkel) wanderten wir zurück Richtung Hafen, Restaurants und Bars. Auf der Suche nach etwas Essbaren fanden wir ein nettes mittelgroßes Lokal und bestellten Thunfisch mit Spaghetti bzw. Kartoffeln. Sehr lecker! Wie üblich schlenderten wir anschließend mit einem guten Sättigungsgefühl im Magen durch die Gassen (wirklich kleine niedliche Gassen, alles sah etwas italienisch aus) und beobachteten Touristen und Einheimische. Paul und Lisa entschieden sich noch für einen Palacinken (eine Art Eierkuchen, gefüllt mit Nutella) und während sie in der Schlange warteten bahnte sich langsam aber sicher das Highlight des Abends an. Auf einem Schiff im Hafen, direkt gegenüber von uns, spielten ein paar Amerikaner Wahrheit oder Pflicht – und zwar ohne jegliche Hemmungen. Paul und ich drehten uns um (da wir unseren Palacinken nach viel zu langer Zeit endlich bekamen) und trauten unseren Augen nicht. Vor Erik stand eine oberkörperfreie Amerikanerin und fragte mit einem breiten Lächeln im Gesicht: „Sorry, I have lost my shirt – can I have yours?“ (zu deutsch: „Entschuldigung, ich habe mein T-Shirt verloren, kann ich deins haben?). Der erste kleine Schock saß tief, doch nach einigem Zögern zeigte sich Erik wiedermal von seiner hilfsbereiten Seite und gab der leicht Angetrunkenen sein T-Shirt. Diese freute sich sehr und ging zurück zu ihren Freunden aufs Schiff. Wir schauten uns an und wussten nicht so recht, ob wir jetzt lachen sollten oder nicht. Wir entschieden uns dafür und beobachteten das Spektakel noch eine Zeit lang. Schließlich brachte das Mädchen auch Eriks T-Shirt wieder und stelle sich als Cara vor. Noch den ganzen Abend schwärmte Erik davon, dass er der Auserwählte war.
[pe2-gallery class=“alignleft“ ] [/pe2-gallery]Erschöpft gingen wir zurück zu unserem Zeltplatz, machten uns bettfertig und versuchten zu schlafen – aber wir versuchten eben nur, der Waldboden war härter als wir dachten.
Busfahrt extrem und ungewollter Zwischenhalt
Budva, früh morgens. Wir haben zwar gut geschlafen, aber es ist zu zeitig. Wir machen uns fertig, packen die Rucksäcke, schreiben eine Dankesbotschaft an Serena und laufen Richtung Busbahnhof. Auf dem Weg kaufen wir Wasser und etwas Obst für die Fahrt.
Unser sensationeller Plan den Bus nach Ploce und von dort eine Fähre nach Hvar zu nehmen, ist bereits im Planungsstadium gescheitert, da Busse von Budva nur unregelmäßig nach Ploce und Fähren von Ploce nur selten nach Hvar fahren. Tadatadaa: Genialer Plan tot.
Also erstmal nach Dubrovnik und dort einen weiteren Bus nehmen. Theoretisch eine tolle Idee, praktisch wurde es anders.
Der Bus war alt und selbstverständlich unklimatisiert – bis hier her unschön, aber keine Katastrophe. Der Busfahrer hatte es nicht so mit dem Anfahren, es ruckelte regelmäßig – auch nicht toll, aber solang wir ankommen: ok. An der Grenze wurden wir regelrecht zerpflückt, mussten ewig warten, kochten im Bus und kamen schließlich mit reichlich Verspätung an. Nach dieser Tortour war klar: Heute fahren wir in keinem Bus mehr mit.
Wir hatten unsere Rucksäcke gerade aus dem Gepäckfach des Buses geholt und wollten zur Info laufen, als uns eine Frau ansprach: „You need room?“. Mittlerweile etwas geübt im Umgang mit dieser Art der Zimmervermittlung handelten wir (besonders: Lisa) sie um 10€ herunter. Mit „Come, I have car.“ überraschte sie uns gleich richtig. Wie stiegen in ihren roten VW Polo und ab ging die Fahrt (niedrige Gänge, hohe Drehzahlen).
Die Unterkunft lag recht günstig, denn man konnte sowohl Strand als auch Altstadt gut erreichen. Um in unser Zimmer zu gelangen mussten, wir ein Zimmer durchqueren, in dem ein großer Vorhang gespannt war. Dahinter war ein Fernseher zu erkennen und Kinderstimmen (sowie nachts ein lautes Schnarchen) zu hören. Als wir ankamen, waren unsere Vorgänger noch nicht ganz abgereist, was unsere Vermieterin etwas ärgerte.
Nach einiger Zeit waren wir dann endlich allein im Zimmer. Lisa wusch unsere Wäsche und wir spannten eine Leine durch das Zimmer. Aus Platz-, aber auch Luftfeuchtigkeitsgründen mussten wir die größeren Sachen dann aber ins Freie auf ein Treppengeländer hängen.
Plicht getan – jetzt werden die natürlichen Instinkte wieder wach: Baden! Wir liefen also zum Strand (und das dauerte selbstredend mehr als die „one minute“, von der die nette Vermieterin sprach). Ob das dort so üblich ist, oder nicht wussten wir nicht genau, als wir plötzlich (ohne eine Absperrung zu überwinden) an einem Hotelpool standen. Diesen ließen wir jedoch links liegen, kletterten über eine Mauer (jetzt also doch) und waren an einem hübschen Felsstrand. Mit unseren neuen Schwimmbrillen beobachteten wir dort die Fische und tauchten ab. Diese Erfrischung tat richtig gut.
Nach einer kurzen Pause in unserem Zimmer, gingen wir zur Bank, holten Geld und gingen Essen: Pizza und Spaghetti. Anschließend -es war bereits am dunkel- liefen wir in die berühmte Altstadt, beobachteten das bunte Treiben, gaben uns der experimentellen Fotografie hin und genossen ein Bier im Hafen.[pe2-gallery class=“alignleft“ ] [/pe2-gallery]
Partytown Budva
Podgorica (ehemals Titograd) lässt uns ausschlafen. Naja.. fast zumindest: Unsere Dormmitbewohner stehen sehr zeitig auf und wecken uns dadurch kurzzeitig. Trotzdem schlafen wir wieder ein und reisten dann erst nach 10 Uhr ab.
Unsere Marmelade vergaßen wir ganz sportlich im Kühlschrank, besuchten dann aber einen (wirklich) kleinen Supermarkt. Erik schloss an der Fleischtheke Freundschaft mit einem Montenegriner, der Deutschland über alle Maßen lobte und drei Jahre in Frankfurt lebte. An eben dieser Fleischtheke kaufte Erik dann auch den Schinken, von dem er in den folgenden Stunden als seinen „besten Kauf“ schwärmen würde.
Gut versorgt kauften wir also Busfahrkarten nach Budva und 10 Minuten später saßen wir in einem klimatisierten Bus und 1,5 Stunden Landschaft genießen später standen wir am Busbahnhof von Budva, der Stadt die unser Herbergsvater (sagt man das noch? also in einem „Hostel“?) von Podgorica als „Partytown“ bezeichnet hatte.
Allein waren wir jedenfalls nicht in Budva, denn kaum hatten wir den Busbahnhof verlassen, überfiel uns eine Horde Frauen (Altersklasse 50+). „Sobe? Sobe? Sobe!? Room? You need room? Sobe?“ Chaos pur. Ich erklärte der ersten Frau, dass wir zu dritt sind und eine Nacht bleiben wollen. Die meinte sie hat nur Platz für 2, aber ihre Freundin hier, die hat Platz für drei Reisende. Wie viel es kostet wollte ich wissen. Wirres Geschnatter folgte. Dann: 50€. Bester Preis der Stadt. Bei einer Übernachtung geht das nicht billiger. Keinesfalls und nirgends. Wir zögerten. Naja, gut. Vielleicht auch nur 15€ pro Person. Also 45. Aber billiger N-I-E-M-A-L-S. Eine weitere Frau kam dazu und wurde knapp über unsere Daten und die genannten Preise informiert. Auch sie wollte 15€ pro Person. Die erste Frau (die über exakt einen Zahn verfügt, aber immerhin etwas Englisch sprach) schaltete sich ein. Auf die zweite Frau zeigend sagte sie: „This lady, I can tell you, is veeeery nice. Very nice lady. And room is close to bus station. And very cheap: 45€ – veeeeery cheap.“ Frau Nummer 3 drängte sich wieder nach vorn: Ein tolle Wohnung habe sie. Gut gelegen. Und irgendwie wurde dadurch nichts klarer. Es wurde laut und wirr, die 3 Damen stritten sich fast um uns. Dann der klare Angriff von Frau Nr.3: 13€ tippte sie auf ihr Handydisplay. Frau Nummer 1 blickte böse drein und wollte und an Nummer 2 vermitteln, die jetzt auch um uns warb. Mittlerweile hatten alle Frauen Lisa schon am Arm gestreichelt und uns völlig verrückt gemacht. Ok. Frau Nummer 3 bekommt den Zuschlag.
Wir liefen mit Serena (so hieß die Gute) zu ihrer Wohnung, die nicht besonders weit weg war. Sie erzählte viel, wir verstanden fast nichts. Aber ihr Sohn kann Englisch … und Deutschland. Oder so. Sie führte uns in ihre Wohnung und zeigte uns das Wohnzimmer. Denn genau das, hatten wir eben gemietet.
Ihr Sohn kam etwas später verschlafen aus einem Nebenraum und erklärte uns alles Wichtige. Und Serena hatte an Erik gewissermaßen einen Narren gefressen: Sie redete gern mit ihm und lachte gern mit und über ihn.
Schließlich zeigte sie uns den Weg zum Strand und wir konnten uns endlich abkühlen. Immerhin 40°C waren im Schatten. Wir wählten einen Plaza direkt an der Stadtmauer der Altstadt und liefen über den heißen Sand ins Meer. Lisa hatte sich eine Schwimmbrille geleistet und so konnten wir auch mal einen Blick auf den Grund (zu den Seeigeln) werfen.
Nach einiger Zeit machten wir uns auf den Rückweg, kauften jeder ein Eis und folgten der Strandpromenade. Der Hafen war voller teurer Jachten und auch das Publikum sah streckenweise recht wohlhabend aus. Wir liefen etwas zu weit und verfransten uns auch zwischenzeitlich etwas, fanden dann aber doch unsere Nobelunterkunft.
Nach dem Duschen räumten wir etwas herum und gingen dann zurück in die Stadt. Die Altstadtgassen erinnern sehr an Italien und der Blick auf das Bergpanorama, das Meer und die vorgelagerte Insel sind einmalig.
Der Hunger zeigte uns dann den Weg in „The old fisherman’s pub“ wo Erik und ich Cevapi (Fleischstäbchen mit Pommes und Salatzeugs) und Lisa -trotz der Warnung des Kellners- einen serbischen Salat bestellte. Besagter Salat war wirklich scharf und Lisa hatte zu kämpfen.
Den Rest des Abend flanierten wir zusammen mit der ganzen Stadt über die Uferpromenade, wo eine Art Rummel zusätzlich zum abendlichen Treiben für Stimmung sorgte. Es war einfach herrlich.
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Ihr vermisst einen Tag zwischen drin? Keine Sorge. Den wollte Lisa schreiben und daher wird er erst heute Abend/Nacht nachgereicht. Keine Sorge ;) Done! siehe unten!
Eine sehr lange Zugfahrt …
Da waren wir also – Belgrad. Und wir hatten keinen Plan, wohin uns die nächsten Tage führen würden. Wir haben Karten gelesen, uns im Internet informiert und an Bahnhöfen Schilder gelesen, doch alles endete meist nur mit groben und unvollständigen Ideen. Wir wollten in Richtung Montenegro, soviel stand fest, aber der einzige sinnvolle Halt – die Hauptstadt mit dem schönen Namen Podgorica – war 10,5 Zugstunden von Belgrad entfernt. Wir zweifelten. Schließlich einigten wir uns doch darauf, die lange Fahrt auf uns zu nehmen. Ein Grund, weshalb wir das taten: die Strecke gilt als eine der Schönsten Europas und man überquert die höchste Eisenbahnbrücke unseres Kontinentes.
So ging es halb früh um 9:10 Uhr an den Belgrader Bahnhof und hinein in den Zug. Da wir keine Reservierung hatten, wurden wir erstmal von unseren Sitzplätzen verscheucht, fanden aber sofort Neue.
Die nächsten Stunden waren an sich ziemlich ereignislos und warm (die Sonne prasselte durch das Fenster ohne Vorhang und wir brutzelten und schmolzen vor uns hin). Wir aßen (weiche Gummibärchen), schliefen, hörten Musik, beobachteten Leute und schauten aus dem Fenster. Letzteres lohnte sich ausgesprochen sehr, die Landschaft von Montenegro ist atemberaubend. Steile, hohe Berge begrenzen Täler, in denen kleine Dörfer und Bäche liegen. Bäume links von uns, der Abgrund rechts. Oder umgekehrt. Es gab ständig etwas Neues zu sehen. Vorausgesetzt man sah überhaupt etwas, denn die Eisenbahnstrecke führt durch 254 Tunnel (laut Wikipedia sind das allein 114,435 km des 454,8 km langen Weges). Wenn man dabei noch auf das Licht im Zug verzichten muss (wir wissen nicht genau, ob es Absicht oder einfach kaputt war), wird einem schon einmal schwarz vor Augen. Außerdem überquerten wir 435 große und kleine Brücken – unter anderem auch das Mala-Rijeka-Viadukt, das mit 198m als die höchste Eisenbahnbrücke Europas gilt. Die Aussicht von hier war super, genauso wie unser Sitznachbar, der uns Gott sei Dank rechtzeitig darauf aufmerksam machte, unsere Kameras zu „preparen“.
Mit vielen grandiosen Eindrücken und einer Stunde Verspätung (unsere Theorie: die Passkontrollen an der Grenze waren nicht in die Fahrtzeit einberechnet) erreichten wir Podgorica. Schon in Belgrad hatten wir ein Hostel gebucht, welches wir mit einigem Nachfragen dann auch fanden. Der Besitzer des Hauses war nicht viel älter als wir und begrüßte uns freundlich mit einem Händedruck. Gleich lernten wir auch unsere 3 Zimmergenossen kennen, die etwas französisch klangen, irgendwie aber auch nicht. Wir duschten, machten uns fertig und wanderten in die Stadt. In einem sympathisch aussehenden Lokal ließen wir uns nieder, bestellten Pizza und Nudeln und etwas zu trinken und ließen den Abend gemütlich ausklingen. Anschließen flanierten wir noch etwas durch die etwas italienisch wirkende Altstadt, fanden den Weg zurück zum Hostel und fielen nach einem langen Zug-Tag müde ins Bettchen.[pe2-gallery class=“alignleft“ ] [/pe2-gallery]
