Cliffs of HILFEISTDASHOCH!!

_MG_8614In unserem Luxushotel schien die Sonne durchs Fenster. Ohne den gestellten Wecker zu brauchen, erwachten wir gut erholt. Doch bevor wir uns frisch machen konnten, mussten wir uns unbedingt um die am Vortag gewaschene Wäsche kümmern – einige Teile waren dummerweise noch recht klamm und so versuchten wir einfach, das restliche Wasser herauszubügeln (ja, wir hatten sogar ein Bügeleisen inklusive Brett!).Das Vorhaben gelang einigermaßen und wir konnten endlich unserer Lieblingsbeschäftigung im Urlaub nachgehen: Rucksäcke packen. Nach dem Check-Out _MG_8597liefen wir die wenigen Meter zum Bahnhof. Auf einer Bank verspeisten wir unser reichhaltiges Frühstück (Muffins und Weintrauben) und machten unsere Tickets abfahrtbereit. Der Zug rollte pünktlich auf Gleis 2 ein und wir sicherten uns einen wunderschönen Viererplatz für die kurze Fahrt.

Nach einer halben Stunde erreichten wir Ennis, ein kleines Städtchen zwischen Limerick und Galway. Von hier aus fahren Busse zu den Cliffs of Moher und den umliegenden Dörfern. Und genau das war unser Plan. Die richtige Bushaltestelle gefunden, warteten wir auf den Bus 350 und sahen uns unser Ticket bei der Gelegenheit noch einmal genauer an. Wir wollten von Ennis nach Doolin und am nächsten Tag zurück – brauchten also das entsprechende Return-Ticket. Auf dem Zettel stand allerdings etwas von Doolin nach Ennis und Rückweg. Verwirrt lief Paul zum Bus-Office, um das Problem zu klären, während ich bei den Rücksäcken Wache hielt und zur Not den Busfahrer davon abbringen konnte, ohne uns loszufahren. Das Gespräch zwischen Paul und den Angestellten bekam ich nicht wirklich mit, ich sah nur alle wild gestikulieren und machte mir langsam wirklich Sorgen, dass wir zwei neue Tickets für insgesamt 40€ kaufen müssen. Menschen liefen hin und her, Paul sprach mit allen irgendwie ein bisschen:

Ich lief mit dem Ticket zum Infoschalter und erklärte durch ein Mikrofon mein Problem: Die Stationen stehen verkehrtherum auf Ticket. Die Antwort: Das geht so nicht. Noch 20 Minuten bis zum Bus. Ich möchte nachhaken, doch einer der Männer erhebt sich und geht zur Tür. Er sieht sich das Ticket noch einmal in Ruhe an und stellt fest: Das geht so nicht. Noch 18 Minuten bis zum Bus. Mein Argument ob ich nun von A nach B und zurück fahre oder von B nach A und zurück sei doch egal, lässt er nicht gelten. Es ist eben etwas anderes. Und ich habe es ja scheinbar so gebucht. “Lets see what I can do for you…” murmelt er und verabschiedet sich. Er sei gleich zurück. Noch 15 Minuten bis zum Bus. Er steigt in einen Bus und kontrolliert Tickets. Noch 10 Minuten. Er spricht mit einem Kollege, der kurz darauf zu mir kommt und sagt “Ok. I’ll print a new one for you.” Noch 2 Minuten bis zum Bus. Endlich bekomme ich ein neue Ticket (mit handschriftlichem Vermerk), bedanke mich und bekomme ein “Yeah… no problem.” zurück. Puh!

Wir saßen also erleichtert im Bus und konnten die wunderschöne vorbeiziehende Landschaft betrachten. Die Küstenstraße zog sich ein ganzes Stück, wir hielten im mehreren Dörfern und am Visitorcenter der Klippen. Schließlich brachte uns der Busfahrer nach Doolin. Wir stiegen, gemeinsam mit zwei anderen Deutschen in unserem Alter (die zwei riesige Pappkartons gefüllt mit Essen dabei hatten – wir konnten uns absolut keinen Reim darauf machen, so hungrig sahen sie gar nicht aus), aus und suchten nach dem Flanagans Village Hostel. Die Suche war so schnell vorbei, wie sie angefangen hatte und wir betraten das kleine, ruhig gelegene Häuschen. Ein junge Frau fragte uns nach unseren Namen und stellte fest: “Oh, ihr seid ja Deutsche. Na dann: Hallo!”. Wie wir später erfahren sollten, kommt sie aus Würzburg und studiert Englisch. Um die Sprache zu üben, wechselt sie ihre Jobs in Irland und UK zur Zeit, wie ihre Unterwäsche und reist so ziemlich günstig durch die Länder.
_MG_8604Unser Zimmer war sehr freundlich gestaltet und ordentlich. Doch um nicht so viel Zeit zu verlieren, sortierten wir nur das Nötigste und liefen schnurstracks in Richtung Meer. Weit kamen wir nicht mit dem Schnurstracks, ein Souvenierladen warb mit tollen Postkarten für sich und so stöberten wir noch eine Weile durch die Etagen. Für den Abend hatten wir uns vorgenommen Nudeln zu kochen und wollten auf dem Weg durch das Dorf auch noch die notwendigen Zutaten kaufen, doch Doolin machte uns einen Strich durch die Rechnung: so weit das Auge reicht kein Supermarkt oder Lebensmittelhändler. Gezwungenermaßen mussten wir also vorerst auf Essbares verzichten.

Der Weg entlang der Küste war spektakulär. Die Cliffs of Moher beginnen in Doolin und ziehen sich dann 8km weit nach Süden. Wir liefen fast den ganzen Weg bis zum Visitorcenter, nur auf die letzten hundert Meter mussten wir aufgrund einer Masse an Touristen verzichten, die mit ihren Reiseführern keinen Platz für unsere schmalen Hintern ließen. Unsere Strecke reichte aber, um das atemraubende Naturphänomen in vollem Umfang bewundern zu können. Teilweise ging es steil imagebergauf, dann wieder etwas hinab, über Stock, Stein, Mauern und Zäune, sowie durch Kuh-, Schaf- und Pferdeweiden. Neben uns ging es über 200m steil bergab, die Wellen brachen an den Klippen und uns war manchmal ein kleines bisschen mulmig zumute, als ein Sturm und Regen aufkam und wir zwischen Abgrund und Weidezaun auf einem halben Meter Weg balancierten (zugegeben: es war ein Privatweg, den man eigentlich gar nicht betreten durfte [“extrem danger”], doch das merkten wir und viele andere Wanderer erst nachdem wir das Schlimmste schon geschafft hatten). Trotzdem oder gerade deshalb war es ein unglaubliches Erlebnis diese Cliffs anzuschauen.


Müde und kaputt kamen wir nach etwa 5 Stunden Wanderung wieder im Dorf an und der Hunger zerriss uns fast den Magen. Da (oh, welch Überraschung) immer noch kein Supermarkt in Sicht war, setzten wir uns in ein Lokal und bestellten Pommes (hierzulande also Chips). Gesättigt war der Körper dann trotzdem noch nicht ganz zufrieden, er schrie nach einem Bier. Im immernoch strömenden Regen liefen wir zum nächsten Pub, setzten uns an die Bar und ließen die gewonnen Eindrücke sacken.

Endlich zufrieden und bei strahlender Sonne liefen wir zurück ins Hostel, duschten und setzten uns in den Gemeinschaftsraum, um den Abend ausklingen zu lassen. Viele Deutsche (im Hostel gab es wirklich einen riesengroßen Anteil Deutscher!) gesellten sich zu uns, wir lachten viel und lauschten den Geschichten erzählfreudiger Backpacker. Kurz kam uns der Gedanke noch etwas essen zu gehen, da wir schon wieder Hunger hatten, doch wir ließen es bleiben und gingen auch relativ bald zu Bett, um die geschundenen Füße zu schonen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert