Bus Burg Bus Burg Kaufen Kochen Essen

_MG_6898 Der heutige Tag begann gegen 9 Uhr. Nach unserer Zeit – in der Heimat wäre es wohl erst um 8 gewesen. Wir standen auf, warteten bis das nahe gelegene Badezimmer frei wurde und machten uns schön. Wir hatten in dieser Nacht sehr gut geschlafen, aber trotzdem fühlte ich mich müde und zerknittert. Als wir die Küche zum Frühstück betraten, wurden wir direkt von einem Mädchen angesprochen, die wohl in unserem Alter zu sein schien*. Ob wir aus der Nähe von Chemnitz kommen, wollte sie wissen. Wir bejahten und setzten uns zu ihr. Sie erzählte von einer Freundin aus Sachsen, die wohl genau die gleiche Stimme wie ich haben soll. Sie berichtete davon, wie sie nun seit 2 Monaten durch Osteuropa reist und noch Einen vor sich hat und wir beratschlagten, was man sich noch so anschauen könnte. Es war sehr interessant, ihr zuzuhören – vorallem, weil wir so viele Erlebnisse teilen.

Nach dem reichhaltigen Frühstück (es gab Cornflakes in allen nur denkbaren Variationen) nahmen wir unsere sieben Sachen und liefen nach der Beschreibung der Rezeptionistin zur nächsten Bushaltestelle, kauften auf Italienisch ein Ticket und stiegen dann in den Bus Nummero 16, der uns an einen größeren Busbahnhof bringen sollte. Wir fuhren und fuhren, hatten dann kurz den Verdacht angekommen zu sein, fuhren aber noch eine Station weiter, um dann zu merken, dass die Vorherige wohl doch die Richtige war. Wir stiegen aus und liefen das Stück wieder zurück. Am Busbahnhof hatten wir Glück und konnten sofort in das (ehemals deutsche) Gefährt einsteigen, auf dem Rasnov zu lesen war. Die Fahrt war weder besonders abenteuerlich, noch besonders langweilig. Wir beobachtete aus- und einsteigende Leute und stiegen -um mal etwas anderes zu probieren- eine Station zu früh aus.
Wir spazierten der Nase nach, und entdeckten durch Zufall einen kleinen Weg, der bergauf zu gehen schien. Wir nutzten die Chance und verzichteten auf den offiziellen Wanderweg. Es dauerte nicht lang, bis wir merkten, dass wir nicht einem Weg folgten, sondern viel eher einem Bachlauf. Dieser machte den Eindruck als wäre ihm erst vor kurzem das Wasser ausgegangen. Egal, wir gaben nicht auf und hatten am Ende unglaubliches Glück. Der Bach kreuzte sich mit dem Wanderweg nach oben und wir waren wieder auf der richtigen Fährte. Von Mücken zerstochen, machten wir allerdings erst eine kurze Pause und verdrückten die erste Hälfte unseres Proviants – medium gesalzene Erdnüsse.

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Als die Mücken wieder näher kamen, machten wir einen Abflug und schafften die letzten Meter auf den Berg. Schon im Eingangsbereich gab es viele kleine Buden, die mittelalterliche Spielzeuge für Kinder oder Ketten und Armbänder für Modebewusste verkauften. Wir zahlten unseren Minieintritt und schlängelten uns mit dem Weg hoch zum Gebäude. Das Bauwerk war wunderschön, viel Altes war erhalten – so auch die Ruinen. Wir fanden es sehr schade, dass sich die Hälfte der Burg noch im Bau befand (zumindest standen Gerüste herum, es sah nicht wirklich so aus, als ob jemand dort etwas herrichtet), die andere Hälfte war jedoch sehr schön hergerichtet. Ein weiterer Schwachpunkt war, dass man nirgends hineingehen konnte. Wir liefen durch enge Gassen, vorbei an tausenden kleinen Lädchen und suchten einen Rundweg oder etwas in der Art – wir fanden nichts. Wohl oder übel mussten wir aufgeben, hatten alles gesehen und traten ein bisschen enttäuscht die Rückreise an. Kurz vor dem Ausgang fiel uns eine Treppe auf, die zur Abwechslung mal nicht abgesperrt war und wir gingen hinauf. Auch die große Holztür war nicht abgeschlossen, wir gingen weiter – viele Treppenstufen hinauf und dann standen wir auf einem kleinen Aussichtsturm. Wenigstens etwas. Wir genossen den Blick, liefen zwei Runden, machten Fotos und traten den Abstieg an. Um diese Plattform ist es wirklich schade, kaum ein Mensch wird darauf aufmerksam – es gibt weder ein Schild, noch wird durch eine offene Tür symbolisiert, dass man hinaufsteigen kann.
_MG_6873Nun machten wir uns auf die Suche nach einem weiteren Wanderweg wieder nach unten in die Stadt. Wir hatten vom Turm Leute einen Waldweg hochkrackseln sehen und wollten diesen nach unten nehmen. In diesem Zuge irrten wir etwas um die Anlage herum, bis wir dann zur Hintertür hinauskamen und einen eher nicht so offiziellen Wanderweg fanden. Über Stock und Stein ging es runter nach Rasnov. Dann standen wir vor der großen Frage: Was nun. Der Mittag war vorbei und wir hatten noch viel Zeit. Erst dachten wir darüber nach, zu der für Touristen als „Dracula-Schloss“ deklarierte Burg zu fahren. Diesen Plan verworfen wir schnell wieder, als wir die Preise nachlasen und uns darüber im Klaren waren, dass weder das Schloss, noch die Umgebung irgendetwas historisches mit dem grausamen Herrscher Dracula zu tun hat. Und nur weil es schön aussieht, muss man ja kein Vermögen ausgehen.

Vorerst machten wir uns auf die Suche zur Bushaltestelle. Da wir uns nicht auskannten und auch früher am Tag nur am äußeren Stadtrand unterwegs waren dauerte es ein Weilchen, bis wir wieder unglaubliches Glück hatten und ein Bus mit der Aufschrift „Brasov“ direkt vor uns hielt. Wieder zahlten wir unsere 70 Cent für die über 20km Strecke. In Brasov hatten wir -genauergesagt ich- ein kleines Motivationstief. Ich gebe zu: Ich konnte nicht mehr. Langsam trotteten wir durch die Straßen und auch ein Eis brachte mich nicht so richtig wieder auf die Beine. Trotzdem beschlossen wir den Besuch von gestern auf der Burg nachzuholen. Diesmal schlichen wir uns von der anderen Seite an und erreichten tatsächlich ohne Probleme das Eingangstor. Es stellte sich heraus, dass es sich bei dieser Anlage fast ausschließlich um ein Restaurant handelt. Wir drehten eine Runde und genossen die tolle Aussicht. Alle Tische im Außenbereich (und wie es aussah auch innen) waren leer. Wir taten dem armen Kellner einen Gefallen und setzen uns an einen -vom Wind noch nicht so zerstörten- Tisch und bestellten uns einen Tee für 3 Lei (70 Cent oder so). Im gesamten Gelände hielten sich vielleicht 5 Personen (uns eingeschlossen) auf. Es ist wirklich schade, denn die Location ist klasse, man hat einen tollen Blick und auch die Burg an sich ist richtig hübsch. Bisher haben wir noch keine Idee, warum das Ding nicht so läuft, wie es sollte.
Zurück in der Altstadt (wieder haben wir unseren rothemdigen Kriminellen nicht entdeckt) kaufte ich mit ein neues T-Shirt und wir schauten uns noch die „Schwarze Kirche“ an, die wohl die größte Glocke Rumäniens besitzen soll – von der sahen wir zwar nicht viel, aber dafür eine wunderschöne Orgel mit 3000 Pfeifen.

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Bei Billa versorgten wir uns mit Nudeln und Soßenzutaten, die wir dann im Hostel zu einer leckeren Mahlzeit verkochten, anschließend duschten wir und saßen noch eine ganze Weile den anderen deutschen Gästen lauschend auf der Terrasse in der Hollywoodschaukel.

* Sie könnte aber genauso gut schon 30 sein – wir wissen es nicht.

2 Gedanken zu „Bus Burg Bus Burg Kaufen Kochen Essen

  1. „Das Wandern ist des Müllers Lust“ heißt es in einem alten Liedtext – scheint aber großen Spass zu machen – wir staunen; aber nicht schlapp machen …Paul!

  2. Ja ja, das Wandern ist des Müllers Lust, aber Lisa’s eigentlich nicht. Um so schöner, daß es so ist. Ein tolles Bild, Paul auf der urigen Dorfstraße. So’n Zaun bau ich mir auch.

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