Aloha Leser. Ich glaube der Artikel hier wird nicht gut. Denn meine Laune ist an einem Tiefpunkt – der verlorene Hut macht mich rasend und ich verfluche meine eigene Doofheit. Mist Mist Mist.
Dabei war der Rest vom Tag doch so schön: gut ausgeschlafen wachten wir in unserem Hostel auf, duschten, packten unsere Sachen und organisierten uns ein kleines Frühstück, dass wir auf dem Bahnhof zu uns nahmen.
Auch mit den -unreservierten- Zügen hatten wir Glück. Der Erste fuhr mit uns durch eine sonnige Toskana-Kulisse (für Insider: auch durch Empoli) bis nach Pisa, wo wir in einem angeblich ausgebuchten, reservierungspflichtigen InterCity einen Sitzplatz fanden und diesen, trotz der an jeder Station beständig einsteigenden Menschenmassen, verteidigen.
Der Bahnhof Genua Brignole ist ein im Innenraum recht elegantes Gebäude und besitzt zu allem Überfluss sogar nettes Info-Schalter-Personal. So erfuhren wir wie wir Frankreich am besten erreichen können: Mit einem Zug nach Ventomiglia, einer Stadt nahe der Grenze, wo man nach Nizza umsteigen kann. Wenige Minuten später war ein Ticket bis Ventomiglia reserviert und das Gepäck am Schalter abgegeben.
Auf in die Stadt! Diesmal dachten wir auch daran die Sonnencreme mitzunehmen, was wir -zum Glück ohne schlimmere Folgen bisher- schon hier und da vergessen hatten. Unseren Hunger stillten wir mit der italienischen Interpretation einer typisch deutschen Spezialität: Döner. In einem ciabattaartigen Brötchen bekamen wir von einem Türke (zumindest denke ich, dass es einer war – er konnte sogar etwas Deutsch) unser Mittagessen (übrigens mit Pommes – im Döner!!! Als Teil der Beilage!!!) überreicht.
Tagesordnungspunkt 1(uno) abgehakt. Es folgt Nummer
2(due): Elektronikgeschäft. Wir wollten wegen Eriks Kamera um Rat fragen und eventuell eine einfache Digitalkamera kaufen. Das Glück und der Zufall waren hier großartige Helfer: Als wir gerade an einer Ampel standen und darüber sprachen, entdeckte ich auf der anderen Seite ein entsprechendes Geschäft und wir konnten unseren Plan nach kurzem, orientierungslosen Umherlaufen im erstaunlich großen, verwinkelten, zwei-stöckigen und vielseitigen (von Fernsehern, über DVDs, über Videokameras, über Computer bis hin zu Büchern) Geschäft in die Tat umsetzen. Leider konnte man die Kamera nicht reparieren und eine Neue war schlicht zu teuer.
Wir beschlossen also uns zunächst hemmungslos zu verlaufen um schließlich einen Spiaggio Libero zu finden, an dem die Einheimischenquote etwa 90% betrug. Wir zogen uns um, liefen über den glühend heißen Steinstrand und stiegen ins Wasser. Die Brühe war zwar einigermaßen trüb, aber je weiter man hinausschwamm, desto besser wurde die Wasserqualität.
Nach dem Baden schleppten wir uns erschöpft in die Innenstadt, aßen einen Happen, kauften uns Brötchen, Belag sowie ein 1/8 Melone und genossen das alles an Bahnsteig 1.
21:02 kam dann unser Zug nach Ventomiglia, in dem wir uns ein Abteil mit 3 kartenspielenden Italienern teilten. 23:32 Uhr fuhr dann der Zug nach Nizza los (mit uns, ohne meinen Hut) und kam etwas früher als geplant dort an – doch zu dem Fiasko kommen wir später.
Kategorie: Europa 2011
Italien (inkl. der üblichen Dosis Wahnsinn)
Wer schon in Italien war kennt das sicher: Menschen die unnötig laut und gestenreich miteinander kommunizieren, sich anschreien und wild durcheinander quaseln. Genau das passiert um uns herum ständig. Es ist fantastisch und ein Genuss es zu beobachten.
Auch sonst erkennt man das italienische Leben hier wieder, wenn auch nicht genauso wie in kleineren Orten (durch die Touristen öffnet man hier auch während der Mittagsruhe). Es läuft zwar hektisch, aber nicht zwingend schnell (siehe Supermarkt), chaotisch aber nicht ganz ohne System. Dieses Land ist eben etwas für Liebhaber. Besonders intensiv studierten wir heut den Fahr- und Parkstil der Italiener und eine Frage drängte sich auf: Wie parkt man aus, wenn man vorn 15 und hinten 20cm Spielraum hat?!
Ein Rätsel konnten wir dann doch noch klären: Einige Geschäfte waren geschlossen, obwohl sie laut Schildchen am Lunedi offen haben sollten. Grund: Heute ist Maria Himmelfahrt und im katholischen Italien ist das natürlich ein Feiertag. Steckt man nicht drin.
P.s.: Die Kamera streikt immer noch und erst morgen finden wir vielleicht einen geöffneten Fotoladen.
Firenze – Gelato, Siesta und Pizza
Morgens um 7 in Firenze. Man zweifelt an sich. Warum hat alles geschlossen? Nicht einmal die öffentlichen Toiletten haben geöffnet. Wir ignorieren das gekonnt und steuern das erste Hostel an: Voll. Doch der nette Rezeptionsmensch gibt uns einen Stadtplan und trägt die Konkurrenz für uns ein.
Dort, im Ostelo Centrale, begrüßt uns ein älterer Mann leicht sprudelnd auf Italienisch. Was wir entnehmen können: Check-In ab um 10, Gepäck gern hier lassen und ja, es ist was frei.
Wir geben uns im folgenden also einer etwas surrealen Kulisse hin: Die Touristenstadt Florenz – menschenleer. Bis auf ein paar aufbauende Straßenhändler ist niemand zu sehen: Stille auf dem Domplatz, gähnende Leere auf der Ponte Vecchio und vor den Uffizien stehen höchstens 120 Leute in der Schlange. Wir konnten alles bestaunen, ohne von irgendjemandem gestört zu werden.
Unser größtes Problem allerdings war ein ganz menschliches: Der Wunsch auf Toilette zu gehen. Da alle öffentlichen Toiletten geschlossen waren, blieb nur der Besuch einer Bar. Ein Croissant und eine ciocolata calda später waren wir beide auf den Örtlichkeiten und bereut für den Check-In.
Der war schnell absolviert und wir konnten endlich wieder duschen und in Ruhe unserer Körperhygiene nachgehen, was in Nachtzügen nur bedingt funktioniert.
Am Nachmittag zeigte sich Florenz dann so wie man es kennt: voller Touristen. Ein kleiner Rundgang führte uns vom Porto Romano zu einer süßen Gelateria, deren Bedienung zwar etwas unterkühlt, das Eis aber umso besser war.
Gestärkt davon ging es dann auf ein Hügelchen, von dem aus man einen netten Blick über die Stadt hat. Der Aufstieg war nicht anstrengungsfrei und als wir danach in einem kleinen Park saßen, beschlossen wir eine kleine Siesta.
1,5 Stunden später wachte ich auf einer Parkbank wieder auf. Es ging uns beiden deutlich besser und wir machten uns an den Abstieg.
Nach einigen kleinen Runden durch die Stadt ließen wir uns in einer Pizzeria nieder. Die Pizza Quattro Formaggi war einfach ein Gedicht und vom roten Wein des Hauses wollen wir gar nicht erst sprechen – ihr werdet sonst neidisch.
Ausklingen lassen wir den Abend im gut gefüllten Innenhof mit einem lokalen Bierchen. Prost!
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Achso: Paulchen ist jetzt behütet.
Nachtrag Bahnfahrt
Einige kleine Ergänzungen zur weiteren Zugfahrt sind vielleicht noch zu machen. Eriks Abteilkameraden blieben gleich, er hatte eine ruhige Nacht und wachte erholt auf. Ich schlief zumindest noch gut ein, konnte das aber nur kurz genießen. In Salzburg stiegen 3 österreichische Backpackerinnen zu: Eva, weiterer altmodischer Name und Dings. (Was ist denn mit meinem Gedächtnis los?!). Die drei mischten die Kabine doch gewaltig auf und ich fand im Folgenden nur schwer wieder eine Schlafposition – zumal Eva ihre etwas kräftigen Beine sehr unvorteilhaft ausstreckte. Aber irgendwie schlief ich wieder ein.
Dann kam zuerst der italienische Fahrkartenkontrolleur und als ich dann wieder schlief kam Bologna. Und die beiden dunkelhäutigen Frauen (wie ich lernte: Tante und Nichte) stiegen aus. Gentleman wie ich bin hob ich deren unnötig schwere Koffer von der Gepäckablage und obwohl 2 Sitze frei wurden, fand ich nur schleppend zurück ins Reich der Träume.
Ich muss nicht erwähnen, das „Firenze S.M.N.“ der nächste Halt war, oder?
Diese Nacht wird dafür traumhaft: Ein Hostel ist gebucht. Bericht folgt schon heute Abend wenn alles funktioniert.
UPDATE: Die 3 Mitfahrerinnen heißen/hießen Judith, Eva und Marlene. Hahaha. Ich hab doch ein Gedächtnis!
Wien
Die Landeshauptstadt von Österreich. Wien. Wenn man sie so betrachtet muss man sagen: Kein schlechter Ort. Bukarest hat noch einiges aufzuholen, auch wenn das vielleicht ein gemeiner Vergleich ist.
Wir kamen an in WIEN WESTBAHNHOF (mit nur 5 Minuten Verspätung – was für einen 19 Stunden Zug schon beachtlich ist), stopften unser Gepäck in EIN mittelgroßes Gepäckfach (und sparten damit 1€ zum Großen und 50ct zu 2 Kleinen – wir Sparfüchse) und liefen auf der Suche nach etwas Trinkbarem die Maria Hilf Straße herunter. Man muss vielleicht dazu sagen, dass der Fakt, dass es sich dabei um eine ausgesprochene Einkaufsstraße handelt, uns keinen Schritt weiterbrachte: Sonntag lautet das Stichwort.
Neben 2-3 Cafés war die lokale McDonalds Filiale tatsächlich die einzige offene Lokalität. Ich probierte also McMüsil zu meinem halben Liter Orangensaft (ja, sowas gibt es bei McDonalds) und wir machten eine Lageberatung. Ergebnis: Nächster Halt Venedig. Soweit so gut.
Frisch gestärkt liefen wir weiter Richtung Innenstadt, am Museumsquartier sahen wir einen abgegrenzten Bereich mit einer Ausstellung zum Thema schwarzer Humor. Davor stand ein 4 Stockwerke hohes Holzgebäude. Die Ausstellung kostete 3€ und wir geizten hier – das Besteigen des Turmes dagegen war kostenlos. Also nichts wie hoch!
Die Holzbaute hat eine rechteckige Grundfläche und an den langen Seiten fehlen gewissermaßen die Wände. Stattdessen sind dort nur Geländer angebracht. Doch das Beste: Hängematten! Zwischen 2 und 8 Stück pro Stockwerk. Zum Entspannen wirklich perfekt. Fast wäre ich tatsächlich eingeschlafen.
Doch wir entschieden uns für den Rückweg zum Bahnhof um unsere Fahrt nach Venedig festzumachen. Und hier gab es ein kleines Problem (zum Glück spricht man hier Deutsch – was die Sache deutlich leichter gestaltete). Ich versuche das Gespräch zu rekonstruieren.
FAS – Frau am Schalter | EP – Erik/Paul
P: Guten Tag. Wir würden gern 2 Plätze für den Zug nach – wie heißt das Noch gleich..
E: Venedig. nach Venedig reservieren.
FAS: In Ordnung. heute?
E: Ja.
P: Wichtig wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass wir Interrail-Tickets haben.
FAS: Ah. Ok. (schaut auf Computer) tut mir leid. Ausgebucht. Wollen sie dann vielleicht morgen fahren?
P: Nein. Was gibt es denn noch für Züge die nicht nach Deutschland fahren?
FAS: ??? Nach Deutschland?
P: Nein ich meine jetzt keine nach Venedig. Generell: Züge weg von hier, die nicht durch Deutschland fahren. Schweiz, Italien, … Völlig egal.
FAS: achso. Verstehe. Wegen des Global Passes. Einen Moment bitte…
nach Mailand… ne ausgebucht…
…
Florenz. hier sind noch 3 Plätze frei. Wär das ok?
E: Wie viel kosten die?
FAS: 7€ pro Person.
E: Liegewagen?
FAS: Nein. Sind nur noch Sitze frei.
E: Ok…
P: Ich denk: die nehmen wir.
FAS: Upps. Nicht zusammen… Also. Es sind keine 2 zusammenhängenden Sitze mehr frei. Sie wären in verschiedenen Abteilen.
E: Kein Problem.
[…]
So oder so ähnlich war das. So leicht ändern sich Reiseziele.
Unbeeindruckt von der Planänderung ging es zurück in die Innenstadt. Vorher aber kauften wir jeder eine Flasche Wasser im Bahnhof – nicht unbedingt wegen des schmackhaften Zitrone-Passionsfrucht-Geschmacks, sondern eher wegen der Flasche. Die Wasserswerke haben eine Trinkwassersäule in der Stadt aufgestellt und dort füllten wir unsere Literflaschen je noch 2 Mal auf. Was den Preis von 1,90€ für die Originalbefüllung und die Flasche relativiert.
Unsere Wanderung führte uns einmal quer durch die Stadt. Von Westbahnhof, über Maria Hilf, durch eine ausgedehnte Fußgängerzone, vorbei am Stephansdom (der wie nahezu alle eindrucksvollen Türme auf unserer Reise eingerüstet ist), über den Donaukanal zum Prater. Alle die Höhenangst haben sollten jetzt ein paar Zeilen überspringen. Wir probierten den Praterturm, das weltweit höchste Kettenkarussell aus. Und was soll ich sagen: Es war toll. Und was sind schon 117m?!
Stephansdom, Prater und was fehlt jetzt noch? Das Wiener Schnitzel natürlich. Es war schon ganz lecker, aber es hätte gern größer sein können. Wie dem auch sei: Das Bier brachte dann die Sättigung.
Langsam wurde es Zeit unser Gepäck zu holen – schließlich mussten wir auch noch den Bahnhof wechseln. Damit ihr euch von unserem Laufweg ein Bild machen könnt: Es dauerte knapp über eine Stunde bis wir wieder am Bahnhof waren – und es war kein langsamer Spazierschritt.
Vollbepackt quetschten wir uns in die U6 und stiegen schon an der vierten Station (Philadelphiabrücke) wieder aus.
Und schon bin ich in der Gegenwart angekommen. Im Moment sitze ich nämlich in Wagen 410, auf Platz 113 im EuroNight 345 nach Roma Termini. Erik sitzt einen Wagon weiter (409) auf Platz 53. Er teilt seine Kabine mit einer mutmaßlich ungarischen Familie (Kind schaut Schlümpfe auf einem tragbaren DVD-Player) und 2 Österreichern, die nach Eriks Ansicht noch nicht gemerkt haben, dass er sie versteht: Sie reden recht ausführlich und umschweifend über Ex-Freundinnen und andere weibliche Personen.
[pe2-gallery class=“alignleft“ ] [/pe2-gallery]Meine Abteilkameraden sind nicht minder spektakulär: 2 englischsprechende, dunkelhäutige Frauen – ich tippe auf Mutter und Tochter. Die Mutter ist eine ziemlich strenge, misstrauische Person. Ein Beispiel: Der Mobilfunkanbieter T-Mobile hat scheinbar gerade eine Werbekampagne für ein neues Drahtlos-Internet-Angebot laufen. Auf jedem Sitz lag deshalb ein Flyer und ein Päckchen Gummibärchen mit T-Mobile-Aufdruck. Als die Tochter es öffnen wollte, rastete die Mutter aus. Sie riss ihr die Tüte aus der Hand und schrie sie an, dass sie doch nicht einfach essen könne was sie findet. Eine hitzige und lautstarke Diskussion brach los – die Mutter gewann: Sie hat den böseren Blick und die lautere Stimme.
In diesem Sinne: Gute Nacht!
Verwirrung pur!
Zugfahren ist hier nicht leichter als in unserem bisherigen Reisefeld – eher im Gegenteil: Bis auf einen Zug alles ausgebucht. Es geht jetzt also nach Florenz und dort sehen wir weiter! Morgen dann ein Bericht von unserem Tag in Wien und der Zugfahrt nach Florenz. Bis bald!
Wie aus einer anderen Zeit…
.. wirkt das was sich uns vor dem
Zugfenster teilweise zeigt. In Bulgarien und Rumänien zum Beispiel die Lebensart der Landbevölkerung. Während bei uns die Felder eher große Flächen sind, sieht man hier teilweise Streifchen von vielleicht 15 x 50 Metern. Und was bei uns von Traktoren und Mähdreschern gemacht wird, machen die Menschen hier selbst. So sahen wir gestern Leute auf einem Feld von Hand ernten (und dreschen?!) und Pferdekutschen, die die Ernte ins Dorf fahren. Über Sand- und Schotterwege natürlich: Asphalt gab es dort nicht.
Eine komplett andere Welt für uns.
