Die Landeshauptstadt von Österreich. Wien. Wenn man sie so betrachtet muss man sagen: Kein schlechter Ort. Bukarest hat noch einiges aufzuholen, auch wenn das vielleicht ein gemeiner Vergleich ist.
Wir kamen an in WIEN WESTBAHNHOF (mit nur 5 Minuten Verspätung – was für einen 19 Stunden Zug schon beachtlich ist), stopften unser Gepäck in EIN mittelgroßes Gepäckfach (und sparten damit 1€ zum Großen und 50ct zu 2 Kleinen – wir Sparfüchse) und liefen auf der Suche nach etwas Trinkbarem die Maria Hilf Straße herunter. Man muss vielleicht dazu sagen, dass der Fakt, dass es sich dabei um eine ausgesprochene Einkaufsstraße handelt, uns keinen Schritt weiterbrachte: Sonntag lautet das Stichwort.
Neben 2-3 Cafés war die lokale McDonalds Filiale tatsächlich die einzige offene Lokalität. Ich probierte also McMüsil zu meinem halben Liter Orangensaft (ja, sowas gibt es bei McDonalds) und wir machten eine Lageberatung. Ergebnis: Nächster Halt Venedig. Soweit so gut.
Frisch gestärkt liefen wir weiter Richtung Innenstadt, am Museumsquartier sahen wir einen abgegrenzten Bereich mit einer Ausstellung zum Thema schwarzer Humor. Davor stand ein 4 Stockwerke hohes Holzgebäude. Die Ausstellung kostete 3€ und wir geizten hier – das Besteigen des Turmes dagegen war kostenlos. Also nichts wie hoch!
Die Holzbaute hat eine rechteckige Grundfläche und an den langen Seiten fehlen gewissermaßen die Wände. Stattdessen sind dort nur Geländer angebracht. Doch das Beste: Hängematten! Zwischen 2 und 8 Stück pro Stockwerk. Zum Entspannen wirklich perfekt. Fast wäre ich tatsächlich eingeschlafen.
Doch wir entschieden uns für den Rückweg zum Bahnhof um unsere Fahrt nach Venedig festzumachen. Und hier gab es ein kleines Problem (zum Glück spricht man hier Deutsch – was die Sache deutlich leichter gestaltete). Ich versuche das Gespräch zu rekonstruieren.
FAS – Frau am Schalter | EP – Erik/Paul
P: Guten Tag. Wir würden gern 2 Plätze für den Zug nach – wie heißt das Noch gleich..
E: Venedig. nach Venedig reservieren.
FAS: In Ordnung. heute?
E: Ja.
P: Wichtig wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass wir Interrail-Tickets haben.
FAS: Ah. Ok. (schaut auf Computer) tut mir leid. Ausgebucht. Wollen sie dann vielleicht morgen fahren?
P: Nein. Was gibt es denn noch für Züge die nicht nach Deutschland fahren?
FAS: ??? Nach Deutschland?
P: Nein ich meine jetzt keine nach Venedig. Generell: Züge weg von hier, die nicht durch Deutschland fahren. Schweiz, Italien, … Völlig egal.
FAS: achso. Verstehe. Wegen des Global Passes. Einen Moment bitte…
nach Mailand… ne ausgebucht…
…
Florenz. hier sind noch 3 Plätze frei. Wär das ok?
E: Wie viel kosten die?
FAS: 7€ pro Person.
E: Liegewagen?
FAS: Nein. Sind nur noch Sitze frei.
E: Ok…
P: Ich denk: die nehmen wir.
FAS: Upps. Nicht zusammen… Also. Es sind keine 2 zusammenhängenden Sitze mehr frei. Sie wären in verschiedenen Abteilen.
E: Kein Problem.
[…]
So oder so ähnlich war das. So leicht ändern sich Reiseziele.
Unbeeindruckt von der Planänderung ging es zurück in die Innenstadt. Vorher aber kauften wir jeder eine Flasche Wasser im Bahnhof – nicht unbedingt wegen des schmackhaften Zitrone-Passionsfrucht-Geschmacks, sondern eher wegen der Flasche. Die Wasserswerke haben eine Trinkwassersäule in der Stadt aufgestellt und dort füllten wir unsere Literflaschen je noch 2 Mal auf. Was den Preis von 1,90€ für die Originalbefüllung und die Flasche relativiert.
Unsere Wanderung führte uns einmal quer durch die Stadt. Von Westbahnhof, über Maria Hilf, durch eine ausgedehnte Fußgängerzone, vorbei am Stephansdom (der wie nahezu alle eindrucksvollen Türme auf unserer Reise eingerüstet ist), über den Donaukanal zum Prater. Alle die Höhenangst haben sollten jetzt ein paar Zeilen überspringen. Wir probierten den Praterturm, das weltweit höchste Kettenkarussell aus. Und was soll ich sagen: Es war toll. Und was sind schon 117m?!
Stephansdom, Prater und was fehlt jetzt noch? Das Wiener Schnitzel natürlich. Es war schon ganz lecker, aber es hätte gern größer sein können. Wie dem auch sei: Das Bier brachte dann die Sättigung.
Langsam wurde es Zeit unser Gepäck zu holen – schließlich mussten wir auch noch den Bahnhof wechseln. Damit ihr euch von unserem Laufweg ein Bild machen könnt: Es dauerte knapp über eine Stunde bis wir wieder am Bahnhof waren – und es war kein langsamer Spazierschritt.
Vollbepackt quetschten wir uns in die U6 und stiegen schon an der vierten Station (Philadelphiabrücke) wieder aus.
Und schon bin ich in der Gegenwart angekommen. Im Moment sitze ich nämlich in Wagen 410, auf Platz 113 im EuroNight 345 nach Roma Termini. Erik sitzt einen Wagon weiter (409) auf Platz 53. Er teilt seine Kabine mit einer mutmaßlich ungarischen Familie (Kind schaut Schlümpfe auf einem tragbaren DVD-Player) und 2 Österreichern, die nach Eriks Ansicht noch nicht gemerkt haben, dass er sie versteht: Sie reden recht ausführlich und umschweifend über Ex-Freundinnen und andere weibliche Personen.
[pe2-gallery class=“alignleft“ ] [/pe2-gallery]Meine Abteilkameraden sind nicht minder spektakulär: 2 englischsprechende, dunkelhäutige Frauen – ich tippe auf Mutter und Tochter. Die Mutter ist eine ziemlich strenge, misstrauische Person. Ein Beispiel: Der Mobilfunkanbieter T-Mobile hat scheinbar gerade eine Werbekampagne für ein neues Drahtlos-Internet-Angebot laufen. Auf jedem Sitz lag deshalb ein Flyer und ein Päckchen Gummibärchen mit T-Mobile-Aufdruck. Als die Tochter es öffnen wollte, rastete die Mutter aus. Sie riss ihr die Tüte aus der Hand und schrie sie an, dass sie doch nicht einfach essen könne was sie findet. Eine hitzige und lautstarke Diskussion brach los – die Mutter gewann: Sie hat den böseren Blick und die lautere Stimme.
In diesem Sinne: Gute Nacht!
