Muuuuuuh! Kühe soweit das Auge reicht!

_MG_9379Eine Kirche. Wer hätte das gedacht. Wir haben wirklich in einer Kirche geschlafen. Und nicht einmal schlecht: Die Betten waren bequem und unsere Zimmergenossinnen leise. Was will man mehr?Auf dem Weg zum Bahnhof besorgten wir uns ein leckeres Frühstück: Weintrauben und eine Banane vom Supermärktchen und ein belegtes Baguette von Greggs (einer Bäckereikette). Wir aßen am Bahnhof und stiegen dann in den Zug Richtung Manchester Airport. Wiedermal war kein regulärer Platz frei, es gab jedoch _MG_9369einige freie, reservierte Plätze, die wir kurzerhand okkupierten.
Nach nur etwas mehr als einer Stunde waren wir schon in Carlisle (sprich: Karleil). Es dauerte etwas bis wir einen Ort fanden, an dem wir unsere Rucksäcke abgeben konnten, aber als der Left-Luggage-Mann endlich in sein Left-Luggage-Office kam und seine Fragen gestellt hatte (z.B. ob ich explosives, weaponry oder toxic chemicals bei mir habe), konnten wir endlich in Ruhe in die Stadt gehen.
Wir machten die Bus Station ausfindig, googlten bei Subway unsere Busverbindung und liefen dann zur Cathedral. In einem Seitenschiff der wunderschönen, aber etwas missionarisch ausgerichteten Kirche fand gerade ein Service statt, weshalb wir ganz leise das Hauptschiff, die Schatzkammer und den obligatorischen Gift Shop begutachteten. Zwei Randnotizen: (1) Die Verkäuferin entschuldigte sich dafür, dass sie die Kasse wegen des Gottesdienstes nicht richtig benutzen kann, da es „Bing“ machen würde. (2) Die Kirchendecke ist ein Traum: Ein gold-blauer Sternenhimmel, der einige Leute dazu verführte sich auf den Kirchenboden zu legen um ihn bewundern zu können.
Castle und Tullie House Museum machten zwar einen guten Eindruck, aber waren auch relativ teuer, weshalb wir beides nur von außen bewunderten und lieber noch etwas durch die Innenstadt schlenderten. Im Zest Café (im dritten Stock eines sehr britischen Warenhauses) tranken wir einen Tee und zogen dann weiter um einen Supermarkt zu finden. Unter dem Motto „Nimm dir Essen mit, wir fahrn nach Brandenburg“* deckten wir uns großzügig mit Nahrungsmitteln (Nudeln, Tomatensoßeimage, Croissants, Muesliriegel, Wasser und noch einigem mehr) ein und erwarben auch etwas ganz besonderes: Einen Smoking für mich. Mehr oder weniger.

Am Bahnhof holten wir unsere Rucksäcke ab, liefen zur Bus Station und schauten den Briten bei dem zu, was sie am besten können und am liebsten machen: Anstehen und Warten. Schon Minuten bevor der Bus auch nur in Sicht war, bildeten sich Schlangen an den Haltestellen und wenn der Bus da war, wurde ganz geordnet eingestiegen.
Unser Bus (Linie 93) war recht klein und fuhr aus der Stadt schnell ins Nichts. Weideland so weit das Auge reicht. Plötzlich hielt der Bus außerplanmäßig und der Fahrer raufte sich die (kurzen) Haare. Die ganze Straße voller Kühe. Ein Bauer trieb seine Herde von bestimmt 100 Tieren auf eine neue Weide und kam uns genau entgegen. Wir wartetIMG_20140815_165630en und beobachteten die vorbeischlendernden Rinder (inkl. Begattungsversuche vor der Windschutzscheibe).
Da die Haltestellen (wenn überhaupt) nur erkennbar sind, wenn der Bus daran vorbeigefahren ist, drückten wir auf gut Glück den Stopknopf und stiegen eine halbe
Meile zu früh aus. Die lange gerade Straße ist, so konnte man den Schildern entnehmen, bei Flut gelegtenlich überflutet und außerdem Teil einer Weide: Kühe überqueren nach Lust und Laune die Fahrbahn und beobachen wandernde Backpacker mit großem Interesse.

Die Hillside Farm ist –Überraschung– eine Farm auf einem Hügel. In einem ungeheizten Gebäude (laut Beschreibung eine ausgebaute Scheune) befindet sich unsere Unterkunft. Eine kleine, robuste Frau namens Sandra (mit ganz spannendem Englisch) zeigt uns die Räumlichkeiten:  Im Erdgeschoss ist eine große Küche mit Gasherd, Spüle, Mikrowelle, Wasserkocher und Co, upstairs ist ein 13-Bett-Schlafsaal. Sowohl oben als auch unten gibt es Dusche und WC („upstairs is better“) die einen sehr guten Eindruck machen. Alles sehr einfach, aber sehr schön._MG_9445
Wir drehten eine Runde in der näheren Umgebung, richteten uns ein und beschlossen etwas zu essen zu kochen. Als wir fast fertig waren, kamen unsere beiden (naja: drei) Zimmergenossen: Rosey und Jon mit ihrem Hund. Der Hund, das muss ich einfach sagen, ist super: Lieb, zutraulich und leise.
Die beiden boten uns ein Bier an und fuhren dann in einen Pub in der Nähe. Als sie später zurückkehrten unterhielten wir uns noch eine Weile und erfuhren unter Anderem, dass Jon vor etwa 30 Jahren selbst mit Interrail unterwegs war und durch Zufall sogar in Ostberlin gelandet war (wo er Geld tauschen musste und dann nichts fand, was er für seine Ostmark hätte kaufen können). Interrail war eben schon immer gut für Abenteuer und lustige Anekdoten.

Wir sahen noch eine etwas trashige Karaokeshow im Fernsehen zuende und gingen wir dann auch schon ins Bett: Der erste Farmtag liegt hinter uns.

*Quelle

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