Wir mussten früh aufstehen und schnell frühstücken um unseren Zug zu erreichen. Gleich der Erste sollte es werden, denn von Fort William fahren a) nur vier Züge am Tag Richtung Glasgow und b) dauert so eine Fahrt etwa vier Stunden.Mit eilig gemachten Sandwiches für die Reise (aber ohne Lisas neuen Schal) ließen wir uns also kurz vor Sieben nach Fort William fahren (Danke, Vati!). Nach wenigen Minuten am Bahnhof kam unser Zug auch schon. Wir lasen, hörten Musik und bewunderten ein weiteres Mal die Landschaft. Nach 5,5 Stunden und
einem Mal umsteigen kamen wir an der Ostküste Schottlands in Dundee an.
Unser Hostel liegt mitten im Zentrum und befindet sich in einem der ältesten Häuser der Stadt. Der Eingang ist im wesentlichen eine Tür, die zwischen zwei Ladenfronten gequetscht ist, das Hostel selbst ist aber sehr weitläufig und verschachtelt. Verwinkelte Gänge, mehrere Treppenhäuser und unzählige Gemeinschaftsräume befinden sich in dem restaurierten Gebäude, in dem einst Dudelsäcke produziert wurden. Es gibt ein Lesezimmer mit Sesseln, Bücherregalen und einem (nicht funktionstüchtigen) Kamin, ein Spielzimmer mit Billardplatte, Kickertisch und diversen Sofas, ein Fernsehzimmer und eine gut ausgestattete Küche mit zwei angrenzenden Esszimmern. Unser Doppelzimmer ist sparsam eingerichtet und größer als so mancher Schlafsaal aus der letzten Zeit. Auch hier gibt es einen (nicht angeschlossenen/Placebo) Kamin und – wie in fast jedem Raum – ein Foto des Raumes vor der Restaurierung.
Glücklich über das schöne Zimmer zogen wir los. Die Stadt ist im Zentrum recht hübsch und belebt. Wie aßen jeder ein belegtes Baguette, erkundeten die Straßen und erreichten nach kurzem Fußmarsch die Discovery, das Schiff von Robert Scott. Das obligatorische Visitor Center erschien uns überteuert und so betrachteten wir das berühmte Entdeckerschiff nur von außen.
Einem Weg am Wasser entlang folgend gelangten wir in eine recht junge Siedlung, die auf ehemaligem Hafengebiet steht. In deren Mitte lag die Unicorn, ein etwas bizarr aussehendes, britisches Kriegsschiff aus der Übergangszeit von Segel- zu Motorantrieb. Auch sie schauten wir uns nur von Außen an und schlenderten dann zurück gen Innenstadt.
Bevor wir unser Abendessen kauften (Nudeln mit Thunfisch und Zwiebeln), gingen wir auf The Howff Cementry, einen historischen Friedhof im Zentrum der Stadt. Es ist jetzt im Grunde ein sehr gepflegter Park mit recht alten Grabsteinen, der von der Bevölkerung der Stadt als Erholungsort genutzt wird. Geradezu hübsch, möchte man sagen.
In der Küche unseres Hostels war viel los: Drei deutsche Studentinnen kochten Nudeln für eine größere Gruppe (bis auf etwa 3-4 Personen war das Hostel nur von Deutschen bewohnt) und nahmen dabei nicht nur viel Raum ein, sondern schienen auch nicht daran interessiert
zu sein besonders nett zu sein („Entschuldigung? Können wir das Messer kurz benutzen?“ – „Nein!“). Die Gruppe stellte sich dann als so groß heraus, dass sie den kompletten Speisesaal einnahmen und auch nicht besonders viel Besteck übrig ließen. Zum Glück konnten wir noch zwei Gabeln ergattern und so unsere Spaghetti im Raum vor dem Esszimmer genießen.
Wir wuschen Topf, Pfanne, Teller, Nudelsieb und Gabeln ab, gingen auf unser Zimmer, planten die nächsten drei(!) Tage (ich sage nur: Kirche und Bauernhof), lasen noch ein wenig und gingen dann ins Bett. Gute Nacht, Dundee, du bist ein hübsches Städtchen.
*ha ha ha – sicher ein Klassiker



