Black Taxi Tour

image_2Den Nordirlandkonflikt zu erklären ist eine unfassbar komplexe Aufgabe. Ein Taxifahrer aus Belfast hat trotzdem versucht uns dieses schwere Thema näher zu bringen: Wir waren auf einer Black Taxi Tour.Kurz vor 5 Uhr nachmittags holte uns ein kleiner Mann um die 50 am Hostel ab. Er ist Taxifahrer und zeigt Touristen hin und wieder die Spuren, die der Konflikt zwischen Protestanten (Loyalisten) und Katholiken (Republikaner) in Belfast hinterlassen hat und immer noch hinterlässt.
imageWir, damit meine ich in diesem Fall übrigens unsere Gruppe, bestehend aus einer Australierin, einem Bulgare, einem Spanier (naja: Baske) und uns. In einem klassischen schwarzen Taxi fahren wir aus unserem friedlichen (eher reichen) Viertel in Richtung der Bezirke, in denen der Konflikt nach wie vor unter der Oberfläche brodelt.

Bereits auf dem Weg erklärt er uns die Grundzüge des Auseinandersetzung und klärt uns über die Begrifflichkeiten auf: Einfach zusammengefasst heißt das also “Katholiken = pro Irisch = Republikaner” und “Protestanten = pro Britisch = Loyalisten”. Auch zeigt er uns einige Schauplätze der heißen Phase. Über 40 Mal wurde dieses Hotel Opfer von Bombenanschlägen, einige Male erwischte es jenen Pub und das Gebäude dort hinten wurde sogar geschlossen, weil es so häufig attackiert wurde.
Dann kommen wir in die “Problemviertel”. Heute Nacht begehen die Republikaner den Jahrestag eines Ereignisses der 60er Jahre. Traditionell werden dazu große Feuer angezündet. Früher war das gut organisiert und wurde gern begannen. Inzwischen, so erfahren wir, möchte kaum einer Unruhe in seinem Viertel. Die Polizei, die in gepanzerten Jeeps Patroullie fährt, hat deshalb schon gestern ein vorbereitetes Feuer abgebaut.image_3
Er zeigt uns wer die Feuer vorbereitet: Es sind junge Männer kaum einer älter als 20 Jahre: “Die sind in Zeiten des Friedensprozesses aufgewachsen. Die haben keine Ahnung.” erklärt unser Taxifahrer. Nur eine Minderheit der hier lebenden Menschen engagiert sich noch in dem Konflikt: Die Meisten wollen nur ihre Ruhe: Freundschaften mit der anderen Seite seien zwar nicht unbedingt möglich, aber man akzeptiert sich weitestgehend. Die Gruppen die noch “kämpfen”, sind jedoch sehr radikal und oft auch bewaffnet. Manche kontrollieren die Kriminalität in bestimmten Teilen der Stadt: Es ist sehr unübersichtlich.
Wir sehen viele Mauern: 44 gibt es, einige riesengroß. Viele Tore werden nachts verschlossen, um Morden und Anschlägen vorzubeugen. Murals, also bemalte Wände sind ein wichtiger Teil der Kultur und Meinungsäußerung hier: Tote werden betrauert, Helden werden gefeiert, politische Forderungen gestellt und geschichtliche Ereignisse glorifiziert. Es sind beeindruckende Werke: Künstlerisch und inhaltlich. Doch oftmals machen sie auch Angst und wirken beklemmend. An einer Mauer stoppt er und verteilt Stifte: Wir dürfen uns jetzt darauf verewigen.
Auf der Rückfahrt lockert er die Stimmung wieder mit ein bisschen Smalltalk auf. Es war intensiv und sehr interessant, ich wage aber zu behaupten, dass keiner von uns den Konflikt in vollem Ausmaß verstanden hat. Es ist verwirrend, es spielen zu viele Faktoren und Ereignisse mit hinein. Aber wir sind jetzt etwas schlauer.

Jetzt den Bo_MG_8776gen zum restlichen Tag zurück zu schlagen ist schwierig. Machen wir es kurz: Wir hatten ein full-english-breakfast (Bacon, Eggs, Baked Beans, Tomato, a delicious Sausage und Toast) und liefen dann in die Stadt. Ein großes Einkaufszentrum besitzt eine Kuppel von welcher aus man angeblich bis nach Schottland blicken kann: Seit unserem Besuch wissen wir – das ist nur ein Gerücht. Ich habe nicht einmal das Meer sehen können (dafür aber Dinos!).
In der Town Hall werden drei Mal am Tag kostenlose Führungen angeboten und das ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Cindy, unser Guide führte uns durch die verschiedenen, prunkvoll geschmückten Säle und ließ uns sogar auf dem Stuhl des Lord Mayors Platz nehmen. Nach etwa einer Stunde wurden wir in den Titanic Memorial Park entlassen: Der Bau dieses Schiffes erfüllt die Belfaster (trotz des tragischen Endes) noch immer mit Stolz.
Wir schlenderten weiter durch die Innenstadt: Von der St. Anne Church ging es zum Big Fish (unserem neuen Freund) und von da in ein Cafè. Nach kurzer Pause im Hostel (Bridget Jones!) machten wir uns auf zur Black Taxi Tour und genossen danach unser BBQ (es gab Cheesburger und Pommes) im Hinterhof unserer Unterkunft. Yummy!

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