Die Nacht war laut, viele Pubs in unserer Straße waren anscheinend der Meinung, dass man die Nacht zum Donnerstag besonders feiern sollte. Ein bisschen bereuten wir, nicht dabei zu sein, denn es hörte sich nach viel Spaß an. Stattdessen versuchten wir in den haarigen Betten Schlaf zu finden und das Jucken an unseren Körpern zu ignorieren.Auch den Morgen versuchten wir so schnell wie möglich abzuwickeln. Wir machten uns sauber und verließen das Hostel. In einem Kiosk gegenüber, der in Gegensatz zu fast allen Läden schon geöffnet hatte, kauften wir uns ein kleines Frühstück. Es gab einen Reis-Salat und Erdbeeren (zum unschlagbaren Angebotspreis von 5€), sowie ein Baguettebrötchen, ein Croissant und eine Flasche Wasser. In der Wartehalle am Bahnhof machten wir es uns dann gemütlich und schlugen uns den Magen voll.
Nach einer Weile war es an der Zeit, den richtigen Zug ausfindig zu machen. Das war nicht schwer, denn es stand nur einer am Gleis. So zeitig wie wir (9:30 Uhr) fährt sowieso kein normaler Ire, denn diese scheinen ziemliche Langschläfer zu sein. Die meisten Geschäfte öffnen hier nicht vor 10 Uhr morgens und bis dahin sind auch die Straßen leer.
Wir stiegen also (nachdem wir uns in einer ordentlichen Reihe angestellt hatten – LINK) ein und konnten uns sogar zwei gemütliche Sitze sichern. Vor, hinter, neben und gefühlt auch über und unter uns fand eine Gruppe von etwa 7 Kindern Platz. Die Mädchen und Jungen waren derartig laut und unerzogen, dass sogar dem sonst so ausgeglichenen Paulchen der Puls ging. An einem späteren Halt stieg noch eine weitere Familie mit Kindern zu, was die Sache noch verschlimmerte: es wurde mit Essen geworfen, getreten, geschlagen, geschrien und die Betreuerinnen komplett ignoriert. Die Eltern die zugestiegenen Kinder waren zu allem Übel ähnlich schlimm wie ihre Sprösslinge. Eine Mutter, die aussah und auch sprach wie Minny Maus (und ihre Tochter anzog, als wäre sie Barbie), versuchte ihren Neffen davon zu überzeugen, sich mit zu ihr zu setzen. Der war allerdings schlau genug sich dem zu verwehren.
Unser Umstieg in Dublin erwies sich als Erlösung, denn spätestens in der Straßenbahn waren wir die ganze Sippe los. Wir fuhren von einem Bahnhof zum Anderen, denn nur vom Connolly hat man überhaupt Anschluss nach Northern Ireland.
Die nächsten zwei Stunden Zugfahrt waren wesentlich entspannter. Wir lasen, schauten aus dem Fenster und kauften uns Crisps von der Durchlaufkioskfrau, um den sich anbahnenden Hunger zu stillen.
Die Zeit verging und wir erreichten unser Ziel: Belfast. Um keine 1,5km zum Hostel laufen zu müssen, fuhren wir noch eine Station mit der Regionalbahn, nur um dann nach fünf Minuten Fußweg im Lagan Backpackers einchecken zu können. Der erste Eindruck war gut, alles sauber und das Sechs-Bett-Zimmer halb so groß,
aber zehn Mal so schön, wie das der letzten Nacht. Die Frau an der Rezeption machte einen etwas kühlen und einstudierten Eindruck, doch es reichte, um uns alle nötigen Informationen zu geben.
Wir machten uns auf den Weg in die Stadt und nach einigem hin und her fanden wir einen akzeptablen Wechselkurs in einer Post und holten uns die erste Fuhre Pfund. Wieder flüssig liefen wir in Richtung einiger Sehenswürdigkeiten, eine Karte leitete uns zur City Hall, zum kleinen Bruder von Big Ben und zu einem Fisch (der Fisch wurde unser Freund, wir mögen den Fisch sehr).
Eine paar gelaufenen Kreise später kam der Hunger zurück. Wir suchten uns einen Supermarkt und waren schockiert von den unnachvollziehbar hohen Preisen von Nudeln und Fertigsoße. Trotzdem schlugen wir zu und weils ja keinen Unterschied macht, kamen noch drei Bier dazu.
Zurück im Hostel kochten wir in der Gemeinschaftsküche und aßen in der Dining Area, während wir einem Australier und einer Holländerin zuhörten, wie sie sich über ihren Drogenkonsum austauschten.
Satt gingen wir unter die Dusche und befreiten uns vom übriggebliebenen Juckreiz. Mit unserem Bier setzten wir uns in den Gemeinschaftsraum, beobachteten die angereiste sächsische Fahhradgruppe “un dahlden noche bissl rum”.
