Runter ist dasselbe wie hoch, nur andersrum

_MG_8298Die Nacht verging wie im Flug, gut erholt erwachten wir kurz nach 7 aus dem Tiefschlaf und der Himmel strahlte mit unseren blauen Regenjacken (die wir demnach nicht brauchten) um die Wette.Nach dem Zähne putzen wartete ein reichlich gedeckter Frühstückstisch auf uns. Bacon, Spiegelei, Tomaten und Toast: genauso typisch irisch, wie lecker. Gesättigt packten John und Sue uns ins Auto und fuhren uns nach Carlow. Das war alles andere als selbstverständlich, die etwa einstündige Fahrt hätte man mit einem 15-Minuten-Trip nach Gorey verkürzen können, aber dann hätten wir (aufgrund der schrecklichen Zugverbindungen in Irland) zurück nach Dublin und dort umsteigen müssen. Anstatt 4 Stunden fuhren wir nach herzlicher Verabschiedung von John und Sue also nur 30 Minuten nach Kilkenny.
Das Hostel ließ sich leicht ausfindig machen. In der Parliament Street drückten wir auf den Klingelknopf, der Hostelbesitzer öffnete uns mit einem Grinsen und einem lockeren Spruch auf den Lippen. Wohl fühlten wir uns vom ersten Moment an. Nach dem Check-In bezogen wir das Zimmer mit der Nummer 3. Noch waren wir allein im Acht-Bett-Zimmer und konnten uns breit machen und den groben Plan für die nächsten Tage besprechen. Doch die Sonne, die den kurzen Regenschauer verdrängt hatte, zog uns wieder nach draußen.
_MG_8173Zuerst steuerten wir durch die traumhafte Fußgängerzone die Burg von Kilkenny an. An der Festungsmauer schoben wir ein kurzes Picknick ein und verspeisten genüsslich die Sandwiches, Äpfel, Pfirsiche und Pflaumen, die wir als Proviant von John und Sue mitbekommen haben (DANKE!).

Die Burganlage war wunderschön und wir – so faul, wie die Jugend von heute eben ist – ließen uns im akkurat angelegten und bepflanzten Garten erneut nieder. Das satte Grün der Wiesen und das steinerne Grau der Burg harmonierten fantastisch und wir konnten gar nicht genug vom fotografieren aus allen möglichen Positionen bekommen.
Zu unserem Glück schien die Sonne noch immer als wir uns auf den Weg zur Kirche machten. Von innen so stilvoll wie von außen beeindruckte uns auch dieses Gebäude (bis auf die Orgel, aber darüber können wir gutes Gewissens hinwegsehen).

Auf unserem weiteren Weg entdeckten wir eine Brauerei, die mit der “Smithwick’s Experience” für sich warb. Wie jetzt alle wissen, interessiert sich Paul (und somit gezwungenermaßen auch ich) sehr für Bier und wir nahmen an der erst letzte Woche eröffneten Führung durch das Besucherzentrum teil. Die Entscheidung, 9,50€ zu investieren, war eine der Besten bisher. Die Veranstalter dieses multimedialen Rundgangs haben keine Kosten und Mühen gescheut, den Besuchern viel zu bieten. Beeindruckend waren die großen Gemälde in prunkvollen Rahmen, in denen sich Menschen bewegten und uns die Geschichte der Brauerei erzählten (ja, genauso wie die fette Dame bei Harry Potter – unglaublich). Die Führung wurde wahnsinnig gut geplant: nachdem einem geisterhafte Gestalten die normalerweise eher öden Fakten interessant darboten, öffnete sich die jeweils nächste Tür von allein. Auch “echte” Menschen brachten uns die Fakten zum Brauablauf näher. Zum Schluss gab es für alle noch ein Bier und der Rundgang war perfekt. Auf jeden Fall jedem zu empfehlen, der Kilkenny besucht!
Nach dem halben Liter Bier um drei Uhr nachmittags wollten wir uns noch die Kathedrale anschauen. Hinein gingen wir wegen des Eintrittspreises zwar nicht, dafür aber (gemeinsam mit einem ganzen Schwung Italiener) auf den Turm. Der Ausblick war ja schon grandios, viel spannender allerdings der Auf- und Abstieg.

_MG_8321Im (fast) 90°-Winkel schlängelten sich die Holz- und Steintreppen nach oben. Das hatte den Vorteil für uns, dass definitiv kein Mensch fortgeschrittenen Alters den Weg hinauf schafft und somit alles relativ schnell vonstatten gehen konnte. Von oben sieht Kilkenny, genauso wie auf gleicher Ebene, wurderschön aus: die alten Häuschen reihen sich an noch viel ältere Häuschen.

Kleine Anekdote für Zwischendrin: unsere (nicht existierenden) Frisuren wurden durch den wirklich starken Wind gänzlich zerstört, die männlichen Italiener hatten jedoch so viele Tonnen Haargel in ihrer Mähne, dass diese sich keinen Millimeter bewegte. Beeindruckend.
Für eine kurze Pinkelpause wollten wir nun zurück ins Hostel und trafen prompt auf einen deutschen Zimmergenossen aus Hamburg (aufgewachsen in Chemnitz) und quatschten ein wenig. Schließlich saßen wir noch ein Weilchen im Gemeinschaftsraum, bis wir uns mit unserem restlichen Lunchpaket wieder auf den Weg machten…

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