Die 3 „R“ von Ballygarrett: Regen, Robben, Reden

_MG_8228Um 8 wollten wir aufstehen und um 9 zum Bahnhof laufen. Das war der Plan. Kurz vor 7 wurden wir wach. Das Erste was wir hörten waren die nassen Straßen: Autos die durch Pfützen fahren, spritzendes und tropfendes Wasser und die platschenden Schritte der Fußgänger. Vorherrschende Farbe: Dunkelgrau.

Schnell machten wir uns fertig, nahmen unsere schon am Abend gepackten Rucksäcke und verließen unser Zimmer. Im Treppenhaus hörte man den Regen auf das Dach hämmern, weshalb wir eilig unsere Regenjacken aus dem Rucksack wühlten.

Nach dem Frühstück checkten wir aus und liefen im strömenden Regen zum Bahnhof, wo das erste richtige Abenteuer begann: Unser Zug verschwand von der Anzeigetafel und als wir am Gleis ankamen wurden wir von einem Mitarbeiter der iarnrod eireann (irish rail) zurückgeschickt: „There’s no train now. Go back to the Hall and wait for the bus. It will take you to Bray.“

In der Hall mussten wir nur kurz warten. Zusammen mit bestimmt 100 anderen Fahrgästen ging es dann auf Gleis 1, von dem man durch ein Tor auf einen Parkplatz gelangen konnte. Schnell sprach sich herum „the track is flooded“. Nach etwa 15-20 Minuten Wartezeit (schön ordentlich in einer Reihe) kam ein erster Bus. Zehn Minuten später der dann Zweite (insgesamt sollten es drei werden), in dem wir schließlich Platz fanden.

Der Doppeldeckerbus rumpelte über die Straßen und die Schwankungen brachten ein Gefühl der Übelkeit mit sich. Zum Glück ist Bray nicht weit von Dublin und so hatten wir diesen Höllenritt schnell hinter uns und konnten den bereitstehenden Zug besteigen, der uns nach Wexford bringen sollte.

Mit fast einer Stunde Verspätung erreichten wir die verregnete Stadt Wexford. Die Innenstadt besteht im wesentlichen aus einer langen, schmalen, aber sehr schönen Einkaufsstraße. Geschäfte, Cafés und Pubs reihten sich munter aneinander und sorgten mit ihren bunten Fassaden für eine tolle Atmosphäre. Komplettiert wurde das Bild von zahlreichen Künstlern, die tapfer im Regen ihre Bilder malten (wie sich später herausstellte gab es wohl eine Art Künstlerwettbewerb).

_MG_8213Nach einem kurzen Besuch bei „BurgerMac“ ging es zum Kai, wo Sue und John, bei denen wir übernachten wollten uns abholten. Trotz der etwas vagen Beschreibung des Treffpunkts („At the quay where the ships are“) dauerte es nicht lang bis wir uns gefunden hatten und abfahren konnten.

Die Fahrt führte uns über enge Straßen nach Ballygarrett, einem winzigen Örtchen nahe der Küste. Wir bezogen unser Zimmer, wurden mit Tee und Kuchen begrüßt und auf eine kleine Rundfahrt eingeladen. Der Nachbarort Courtown ist ein reines Touristendorf. Im Sommer, so wird uns berichtet, kam früher halb Dublin hierher in den Urlaub. Mittlerweile kommen auch viele Gäste aus Osteuropa. Der Ansturm der Besucher lässt sich ganz gut mit den zahlreichen Touristensiedlungen illustrieren: Was noch vor ein paar Jahren Feld oder Wiese war, sind jetzt riesige Reihenhaussiedlungen und Motor-Home-Parks.

_MG_8233Jenseits von Vergnügungspark, Erlebnisbad, Kletterwald und Minigolfplatz befindet sich die Hauptattraktion des Ortes: Der Strand. Da das Wetter jedoch noch immer ein wenig zickig war, war es sehr ruhig an der Promenade.

Zum Abschluss unseres Besuchs in Courtown, wollte Sue uns noch etwas ganz besonderes zeigen: Das Seal Rescue Center. Verletzte oder einsam aufgefundene Robben werden hier versorgt und auf das selbstständige Leben im Meer vorbereitet. Das Seal Center ist sehr klein und finanziert sich ausschließlich über Spenden und Eintrittsgelder: Wer also ein paar Euro übrig hat und sie einem guten Zweck spenden möchte – das ist sicher einer.

Auf der Rückfahrt ging es noch einmal durch Ballygarrett: John und Sue zeigten uns „ihren Strand“ und Pegs Bar, den Dorfpub, der von der 85jährigen Peggy betrieben wird. Besuchen konnten wir ihn leider nicht (vielleicht das nächste Mal), wurden aber auch so bestens versorgt: Chickenwings, Hähnchenspieße, Knoblauchbrot, Potatowedges, Salat, Coleslaw, Breadsticks, Frühlingsrollen, diverse Soßen, Tortillachips, Oliven, Trauben, Cider, Bier, Wein und wenn wir nach mehr gefragt hätten, hätten wir sicher noch mehr bekommen können.

Wir verbrachten den Abend plaudernd am Küchentisch. Wir planten unsere Route, ließen uns Tipps geben, was wir noch besuchen sollten und verabschiedeten uns nach knapp 4 Stunden ins Bett. Was für ein schöner Tag.

 

Ein Gedanke zu „Die 3 „R“ von Ballygarrett: Regen, Robben, Reden

  1. Euren Reisebericht finde ich wieder total spannend.Die Landschaft und die Aufgeschlossenheit der Menschen beeindrucken.Wir haben Lust bekommen ,Irland kennen zu lernen.Vor allen die Pubs.

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