Friede, Freude, bulgarischer Döner

Im halbdunklen Zimmer wachte ich auf. Unsere Zimmergenossin Ruth war schon gegangen, ihr Gepäck verschwunden – wahrscheinlich setzt sie ihre Radtour fort. Doch das vierte Bett im Raum war jetzt belegt. Eine junge Frau lag darauf und schnarchte laut. Während Lisa noch schlief, beendete ich meinen Constanta-Artikel.
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Als Lisa schließlich erwachte, stellte sich heraus, dass nicht alle so tief und friedlich geschlafen haben, wie ich. Während ich das Schnarchen erst beim Aufwachen bemerkte, wurde Lisa in der Nacht davon geweckt und eine ganze Weile wach gehalten. Entsprechend schläfrig und auch ein bisschen wütend auf unsere schnarchende Kollegin saß sie nun im Bett und berichtete davon, dass auch Ruth nachts lange auf ihrem Bett gesessen habe und lautstärkebedingt kein Auge zu tun konnte. Naja – immerhin ich startete frisch und gut ausgeschlafen in den Tag.

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Kurz darauf wachte die Schnarcherin auf, packte ihre Sachen und verschwand so schnell, als hätte sie von Lisas Quasi-Mordgedanken gewusst. Auch wir machten uns jetzt fertig. Neben dem winzigen Toilettenräumchen* befand sich das Duschzimmer. Darin findet man zwei Waschbecken (an einem ist der Duschschlauch angeschlossen) und ein Abfluss in der Mitte des sehr schrägen Bodens. Lisa entschied sich für die Variante „Schnelles Aufwachen“: Sie ging verschlafen in das Zimmer, nahm ihre Zahnbürste, hielt sie unter den Wasserhahn, drehte auf und erwischte dabei blöderweise das falsche Waschbecken – die Dusche sprang an und nur ein schnelles Zurückweichen und Hahn abdrehen verhinderte, dass sie komplett durchnässt wurde.

Als wir endlich beide fertig waren, starteten wir Teil Eins des Tagesplans – Einkaufen. Erster Halt war die Hauptpost, wo ich in bestem Russisch ein paar марки до Германия verlangte. Nachdem das geschafft war, war Zeit für Frühstück/Mittagessen. Auf dem Marktplatz liefen wir zielstrebig zur Дюнер-Bude und für 7 DM bekamen wir zwei wirklich große, aber etwas ungewöhnliche Döner: Statt des Fladenbrotes, dass man in Deutschland meist erhält, bekamen wir einen Teigfladen, ähnlich einem Dürüm, jedoch etwas dicker und gewürzt, in den Fleisch, Salat und Pommes Frites eingerollt wurden. Im Gegensatz zu einem Dürüm erhielten wir keine längliche Rolle, sondern eher eine Pyramide. Besonders war auch die Soße – sie war weiß, ziemlich salzig und erinnerte entfernt an Frischkäse. Mutig wie ich bin, stimmte ich zusätzlich einer scharfen Soße zu, welche ich am Anfang kaum herausschmeckte, welche mir gegen Ende aber doch ziemlich im Mund brannte.

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Gut gesättigt von dieser bulgarischen Dönervariation war Lisa jetzt kaum zu halten: Unbedingt brauchte sie eine neue kurze Hose – und vielleicht noch ein schönes Sommerkleid – ganz wichtig! Also schlenderten wir die nächste Zeit durch die Gassen und Geschäfte, bis immerhin ein Teil des Wunsches erfüllt war: eine kurze Hose**. Nicht unterschlagen möchten wir an dieser Stelle, dass auch ich auf meine Kosten kam: In dem englischen Buchladen „Shakespeare and Friends“, erwarb ich Ian Flemings „James Bond: You only die twice“.

Die nette, aber etwas verplante Hostelmitarbeiterin hatte inzwischen wie besprochen unser Zimmer gewechselt und so fanden wir unsere Rucksäcke jetzt in dem eigentlich gebuchten Zwei-Bett-Zimmer. Wir bezahlten schnell noch die Unterkunft und ließen unsere Rezeptionistin dann wieder mit einem Gast rumblödeln – man merkte deutlich: da ist mehr als Freundschaft, da wird heftig geflirtet.

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Wir wechselten schnell unsere Kleidung: Badesachen waren angesagt. Wir cremten uns mit Sonnencreme ein, ließen alles Unnötige in der Unterkunft und gingen schnurstracks zum Strand. Entgegen unseren Erwartungen war der Wind noch stärker und die Wellen noch höher als am Tag zuvor. Bei wehender, roter Warnfahne und unter den strengen Augen des Schwimmmeisters badeten in unserem Strandabschnitt etwa 20 Menschen. Niemand war weiter als 10-12 Meter vom Ufer entfernt und wer es doch wagte weiter hinauszuschwimmen, wurde streng zurückgepfiffen. Zurecht muss man sagen: Die Wellen waren gigantisch und die Strömung stark.Wir gesellten uns zu den Wagemutigen dazu und genossen die Erfrischung. Nach einer ganzen Weile entschieden wir uns so an den Strand zu setzen, dass die Wellen uns umspülen konnten. Es war ein großer Spaß, aber keine gute Idee, denn in meine Badehose sammelte sich ein gutes Kilo Sand, dass ich nur mit großer Mühe einigermaßen wieder los wurde.
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Wir lagen noch lange in der Sonne, ich laß ein bisschen und irgendwann machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof, um die Reservierung nach Sofia zu buchen. Die Frau an der Kasse konnte sogar deutsch – war aber nicht willig eine Reservierung zu machen, ohne unsere Tickets – die hatten wir nicht mitgenommen. Blöd. Sie noch zu holen war auch keine Option: Der Schalter sollte in 20 Minuten schließen. Doppelt blöd. Es blieb nur die Reservierung vor der Abfahrt zu lösen.

Zurück zum Hostel. Die Rezeptionistin lag mit einem Gast kuschelnd auf dem Sofa, wir nahmen uns unseren Zimmerschlüssel also einfach selbst von der Rezeption und gingen nach oben. Wir duschten Salz und Sand ab, spülten unsere Badesachen aus und machten eine kurze Pause, bevor wir wieder in die Stadt gingen.

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Bei „Happy – Bar&Grill“*** aßen wir als Vorspeise sogenanntes „Chicken-Popcorn“. Lisa nahm für den Hauptgang Spaghetti mit Käsesauce, Hühnerbruststreifen und Parmesan, ich entschied mich für „Crispy Chicken Wraps“ mit Pommes Frites und Käse. Der weiße, recht salzige Käse war gewissermaßen als Ketchup- oder Mayoersatz auf die Pommes gerieben – ich glaube es handelte sich um Frischkäse.

Im Zentrum saßen wir eine Weile auf dem Brunnen, bevor wir uns etwas Bier kauften, um auf der Hostelterrasse den Abend ausklingen zu lassen. Während wir dort saßen, kam dann noch kurz ein anderer Deutscher, der mit dem Auto von Deutschland, über Prag, Bratislava, Sibiu (Rumänien) und Bukarest nach Varna gefahren war und kurz von seinen Erfahrungen berichtete. Nachdem wir uns von ihm verabschiedet hatten, packten wir noch unsere Sachen und verschwanden im Bett. Ein entspannter

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Tag im sehr schönen Varna ging zuende.

*Wo man sich, wenn man denn möchte, aufgrund der Positionierung des Waschbeckens, während des Geschäfts die Zähne putzen kann – Wie praktisch!
**Und weil im Rucksack kein passendes Oberteil vorhanden ist, musste auch noch ein neutrales Top her – ist doch klar ;)
***Grill-Restaurants sind hier scheinbar sehr beliebt. An jeder Ecke findet man eines..

Ein Gedanke zu „Friede, Freude, bulgarischer Döner

  1. Wir freuen uns besonders auch über die Fotos .Übrigens hast du schon mal über eine neue Badehose (eine mit weniger Fassungsvermögen)nachgedacht?

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