Die Rezeptionistin unserer Edelunterkunft kann Englisch. Bedauerlicherweise jedoch nur so gut, wie ich Russisch – also eher medium schlecht. Deshalb dauerte es auch einige Minuten, bis sie meine Frage, ob es einen Bus in die Berge zum Wandern gäbe, bzw. wann und wo dieser fährt, verstanden hatte (folgendes Wort führte zum Erfolg: Автобус). Vorher zeigte sie mir ausführlich Prospekte und Karten der Region, was insofern gut war, als das ich dadurch lernte, dass der Ort Terchova wohl der geeignetste für unsere Wanderambitionen ist. Meine eigentliche Frage wurde dann übrigens ganz schnell beantwortet – ja gibt es, am Busbahnhof gleich um die Ecke und die Abfahrtszeiten stehen im Internet: www.cp.sk
So kam es jedenfalls, dass wir heute um kurz nach 10 auf Plattform Zehn des örtlichen Busbahnhofs standen. Wir waren bereits seit 8 wach*, hatten gefrühstückt, uns wanderfertig gemacht und sogar schon für unsere nächste Station eine Unterkunft gebucht.
Kurz vor Abfahrts- bzw. Ankunftszeit unseres Busses, kam ein Mann auf uns zu, fragte ob wir nach Terchova wollen und lotste uns zu einem „Mikrobus“ wie er den 9 Personen fassenden Wagen nannte. Für 1,80€ pro Person kamen wir so schneller in den beliebten Wanderort, als mit dem Linienbus. Warum nicht?
Im Zentrum von Terchova, unweit der Kirche wurden wir schließlich abgesetzt. Unser Kollege und Busvermittler blieb sitzen – wie sich später herausstellte wäre das auch für uns nicht schlecht gewesen, denn scheinbar fuhr der Bus noch bis an die Berge heran.
Der kleine Ort liegt im Tal zwischen dicht bewaldeten Bergen und besteht zu großen Teilen aus Pensionen und Hotels. Nun standen wir da: Überall Berge, aber wo ist ein schöner Wanderweg? Wir fragten ein paar Passanten, die uns alle gern geholfen hätten, aber nicht konnten. Plan B war simpler: „Da siehts schön aus, lass uns gehen.“
Schnell war ein Weg gefunden, über eine Brücke ohne Geländer, in den Wald und dann: Sackgasse. Also zurück zur Straße. Zum Glück kam uns ein junges Pärchen entgegen, bei denen wir noch einmal Plan A (Fragen) versuchten. Erfolgreich.
Der Wegbeschreibung folgend kamen wir schnell an einen kleinen Parkplatz, an dem tatsächlich auch ein Wanderweg begann. Weiß-Blau-Weiß war die Markierung, der es vom nun an zu folgen galt. Und sie führte steil bergauf. Wir stiegen Treppen, kraxelten über Felsen und hielten uns dabei an als Geländer gespannten Ketten fest. Schnell erreichten wir beachtliche Höhen. Irgendwann tauchten wir tiefer in den Wald ein und der Weg wurde etwas flacher. Nach mühsamem Anstieg erreichten wir eine Art ersten Gipfel und kurz darauf beschlossen wir eine kurze Pause zu machen. Wir hatten pumpernickelartiges Brot und Dosenwurst dabei und gönnten uns eine ausführliche Brotzeit. Unser am Tag zuvor erworbenes Wasser mit Zitronengeschmack entpuppte sich zwar als Limonade – aber wir wollen nicht meckern.
Während wir also aßen, beobachteten wir die zahlreichen anderen Wanderer, die wir freundlich mit „dobry“ grüßten. Es waren Familien, Pärchen, gelegentlich Einzelkämpfer und eine Gruppe mit Wanderequipment vollausgestatteter Rentner.
Einen richtigen Gipfel mit erreichte der Weg vorerst nicht. Er schlängelte sich eher in Gipfelnähe dahin und bestand zum Teil aus atemberaubend-halsbrecherischen Passagen, mit Ketten oder im Fels verankerten Metallstäben, die direkt am Abgrund als einzig nennenswerte Möglichkeit sich festzuhalten
dienten. Schließlich erreichten wir einen Wegweiser, der uns bescheinigte 1000m Höhe erreicht zu haben. Wohin unsere weiß-blau-weiße Markierung jetzt führt wussten wir nicht. Wir entschieden uns dafür ihr trotzdem zu folgen: Wir waren ja erst 2,5 Stunden unterwegs – da blieb noch genug Zeit.
Es ging bergab. Zunächst ganz leicht, dann immer stärker. Ab und zu mussten wir jedoch trotzdem wieder hochklettern – meist lohnte sich das aber sehr: Wir genossen fantastische Ausblicke. Nach etwa 30 Minuten änderte sich der Weg – er ging jetzt steil bergab in eine Art Schlucht. Das Laufen wurde immer gefährlicher, denn die „Stufen“ immer höher und Wege immer steiler. Ich strauchelte hin und wieder und Lisa setzte sich sogar einmal unfreiwillig hin. Endlich erreichten wir das Tal. In einem kleinen Bach kühlten wir unsere Füße und erfrischten uns: das Wasser war glasklar und eiskalt. Über ausgehnte Wiesen auf denen eine Herde Schafe graste**, liefen wir zurück nach Terchova um einen Bus nach Zilina zu nehmen. Der fuhr uns direkt vor der Nase davon und wir mussten eine Stunde auf den nächsten warten. Mit unserem Bus fuhren dann auch die Besucher eines (Metal-?)Festivals, die mit sehr kratziger Stimme Lieder „sangen“, was für ein Spaß.
In der Pension zurück duschten wir, zogen uns um und gingen in die Stadt um noch ein Bier zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Vorerst kamen wir nur bis zur Rezeption, wo uns ein älterer Mann abfing und auf uns einredete – nach kurzem Hin und Her einigten wir uns auf Russisch als Kommunikationssprache – in seinem Fall eher Russlowakisch mit 3 Worten Deutsch. Er erzählte von anderen Gästen, davon, dass Bratislava schön ist, er gern Rad fährt und der Tesco-Supermarkt NONSTOP*** geöffnet sei. Von uns wollte er wissen wo wir heut so waren und wo es morgen hingehen soll. Und sicherlich vieles mehr: Wir verstanden ihn nur leider nicht.

Endlich in der Stadt bestellten wir in einem Restaurant auf dem Marktplatz Bier und Salat, beobachteten das Treiben und genossen das Leben. Schließlich schlugen wir noch Profit aus unserem Gespräch mit dem Herrn an der Rezeption: Wir gingen zu Tesco und kauften die Verpflegung für den morgigen Tag.
Dobry Vecer!
*genauer: ICH war seit 8 wach, Lisa musste ich etwa halb 9 aus ihrem Bett treten. Literarisch, nicht wörtlich.
**nicht eingezäunt, dafür hatten einige Glocken um den Hals hängen
***hierzulande heißt das: 24/7
P.s.: GoogleNow und GoogleMaps sind fantastische Reisebegleiter. Ich dachte nur ich sags mal ..

