Reisezeitüberbrückung

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Der Intercity von Ilawa nach Krakow benötigt knapp 7 Stunden. Und in diesen sieben Stunden braucht man Beschäftigung, denn nicht jedes Mal trifft man auf so nette Leute wie auf der Fahrt nach Danzig.

Neben Quatschen und Aus-dem-Fenster schauen, bietet sich Lesen als Zeitvertreib an. Und während unser Zug nun durch Warschau rollt, Lisa einen Wallander liest, der ältere polnische Herr mit dem weißen, von japanischen Schriftzügen übersäten Hemd aus dem Fenster schaut und die junge Frau im lila-geblümten Kleid ihre Strähnen sortiert, schreibe ich nicht nur schwitzend diesen unfassbar langen Satz, sondern auch ein paar Worte über das eben von mir durchgelesene Buch.

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Das ich ein Fan von Walter Moers bin, möchte ich nicht verschweigen: Seine Zamonien-Reihe ist genial und so fantasievoll, dass mir regelrecht die Worte fehlen. Die Wilde Reise durch die Nacht ist ganz anders. Moers baut um Illustrationen von Gustave Doré herum eine Abenteuergeschichte durch Raum und Zeit und macht den 12-jährigen Doré kurzerhand zu seiner Hauptfigur. Es wird eine Reise durch Mythologie, Wissenschaft und Literatur, bei der der junge Gustave unter Anderem die Sorge, die Zeit und den Tod kennenlernt.
Es ist ein sehr gutes Buch, es ist facetten- und detailreich – die Handlung ist weniger komplex und „realer“ als in den Zamonien-Romanen, aber Moers‘ Stil, sein Sinn für absurde Situationen schwankend zwischen Spannung und Humor, ist deutlich zu erkennen.
Die Wilde Reise durch die Nacht ist nicht nur eine Art modernes Märchen für Erwachsene, eine Mischung aus Abenteuergeschichte und Kinderbuch, sondern vor allem eine Hommage an Gustave Doré, den – laut Klappentext – erfolgreichsten Illustrator des 19. Jahrhunderts.

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