Wir verließen das Hostel und liefen in Richtung des Schlossparks, den wir bereits am Nachmittag lieben gelernt hatten. Unterwegs machten wir einen Abstecher in eine abgelegene niedliche Gasse, die zu einer alten Kirche führte. Eher halb-legal betraten wir das verfallene Grundstück, auf dem sich Grab an Grab reihte. Es wäre gruslig gewesen, die zerfallenen und fast offenen Steinsärge anzusehen, aber die Sonne schien so fröhlich vom Himmel, dass dieses Erlebnis selbst für mich kleinen Angsthasen spannend und toll war.Angekommen im riesigen Schlosspark mit einem weiteren kurzen Abstecher in den Dunnes Store (wir bekamen plötzlich Lust auf einen Cider), suchten wir uns ein sonniges Plätzchen. Auf dem auserkorenen Hügel packten wir die restlichen Fressereien aus. Leider wies uns ein Schild darauf hin, dass es verboten war, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken und somit mussten wir vorerst alkoholfrei über die Runden kommen.
Langsam zog ein kühler Wind auf, doch wir ließen uns davon nicht beeindrucken. Während wir Leute beobachteten (vorallem einen Jogger, der an diesem Abend einige Meter mehr lief als sonst, da er ständig unseren Fotos ausweichen musste), kam eine kleine Grasschlacht zu stande. Außerdem bin ich zum ersten mal einen Berg hinunter gerollt (ich bin SO stolz) und es war klasse! Wir fühlten uns wie kleine Kinder, als wir schließlich unsere Sachen packten und noch eine Weile durch die Stadt schlenderten. Wir liefen am Fluss entlang und genossen von einer Bank aus die Aussicht. Am gegenüberliegenden Ufer wurde in einem Restaurant Livemusik gespielt, dazu ging die Sonne unter und viele Touristen flanierten an uns vorbei. Es war ein toller Abend. Bis die Frau ohne Zähne kam. Schwer verständlich fragte sie, ob sie sich zu uns setzten könnte, weil sie den Mann, der auf der nächsten Bank saß, nicht mochte. Ohne unsere Antwort richtig abzuwarten, ließ sie sich neben uns nieder. Die Bank war nicht sonderlich breit, die Frau dafür umso mehr und wir beschlossen, uns so schnell wie möglich zu verabschieden. Ohne uns noch einmal umzudrehen gingen wir unserer Wege – naja, es wurde ja sowieso gerade kälter…
Zurück im Hostel – wieder mit Abstecher zum Dunnes, diesmal aber, um etwas Essbares für den nächsten Morgen zu besorgen – trafen wir auf unseren deutschen Zimmergenossen. Wir verbrachten den ganzen restlichen Abend und einen Teil der Nacht miteinander, schließlich gesellte sich auch noch eine Schweizerin zu uns.
Wir tranken unseren Cider, aßen Gummibärchen und Chips und redeten über Gott und die Welt (hauptsächlich aber über unsere Reisepläne und den Beruf des Erziehers). Spät gingen wir ins Bett, doch anstatt ruhig einschlafen zu können, kam einer unserer irischen Zimmergenossen von einer Party nach Hause. Er war derartig betrunken, dass wir ernsthaft Angst hatten, ihn ohne Eimer ins Bett zu schicken. Als ob das nicht genug wäre, packte er eine Pizza aus, von der er es schaffte ein paar mal abzubeißen, nur um dann mit den Worten „Bitte lacht mich nicht aus“ und einem Rest Pizza im Mund einzuschlafen. Schließlich fanden auch wir in den Schlaf und wurden nur noch einmal kurz wach, als die Kumpanen unseres Iren in ähnlichem Zustand zurück kamen, sich ein bisschen zu sehr auszogen und mit einem Knall ins Bett fielen…

Du willst doch nicht umschwenken und Erzieher werden, Lisa.Ich kann dir gute Tipps geben.