Katschong! Badong! Kladadabusch! So könnte man die Geräusche beschreiben, die wir heute früh durchs Fenster vernahmen. Müllcontainer wurden abgeholt, Cafes und Restaurants räumten ihre Tische und Stühle hinaus und die ersten Touristen schlenderten über den Marktplatz. Zu jeder vollen Stunde ertönte die Trompete vom Kirchturm. Willkommen in Krakau*.
Wir wachten gegen 9 Uhr auf, machten uns fertig und gingen zu unserem im Preis enthaltenen Frühstück. Bereits bei unserer Ankunft hatten wir uns über die doch sehr kleine Küche – es gibt 2 Tischlein und 7 Stühle – gewundert und nun stellte sich heraus, dass der Raum in Anbetracht der Größe des Hostel doch etwas unterdimensioniert war. Wir warteten kurz, bis der Raum sich leerte, suchten Geschirr und Besteck und betrachteten das Buffet. Dieses bestand aus zwei Sorten Cornflakes, Milch, Marmelade, Butter, Brot und einer Schinken-Käse-Platte. Wir hätten dafür keinen Aufschlag bezahlt, aber als Inklusivleistung okay. Einigermaßen gestärkt sammelten wir unser Hab und Gut und machten uns auf Entdeckungstour in die Stadt. Auf der Suche nach dem Eingang umrundeten wir die Kathedrale (die möglicherweise schlicht und ergreifend Marienkirche heißt) und gingen schließlich vorbei am Piroggenfestival zum Bahnhof. Wir reservierten 2 Züge und mussten zum ersten Mal auf dieser Tour für eine Reservierung zahlen. Was für eine Umstellung. Die Pflicht getan, ging es zurück in die Stadt. Wir umrundeten die „Stare Miasto“ (also: Altstadt) in einem Park, der recht genau dem ehemaligen Verlauf der Stadtmauer entspricht, die an einigen Stellen tatsächlich noch steht.

Langsam näherten wir uns dem „Wawel“ – dem Hügel auf dem sich die Festung befindet. Da wir keine Lust hatten eine der zahlreichen Ausstellungen zu besuchen, ließen wir die Ticketschalter links liegen und sahen uns die prachtvollen Bauten nur von außen an – trotzdem ausgesprochen sehenswert. Gleich Papst** gingen wir in eine Kirche – sie war sehr reich geschmückt, für meinen Geschmack aber etwas verbaut – überall standen steinerne Särge, Statuen, Büsten, Altäre und Ähnliches als „Raumtrenner“ herum und schmälerten so nicht nur die Gänge, sondern auch den unseren Eindruck der Kirche. Auf dem Rückweg durch die Stadt suchten wir uns schließlich eine kleine Pizzeria und aßen zwei riesige Pizzen, bevor wir ins Hostel zurückkehrten um eine kurze Pause einzulegen und das weitere Vorgehen zu planen. Kazimierz, ein früher hauptsächlich von Juden bewohntes Viertel, stand auf dem Plan. Während wir im Hostel pausierten, passierte was der Wetterbericht angekündigt hatte – es begann zu gewittern und zu regnen. Uns schreckte das nicht und ehrlicherweise waren wir sogar ganz froh über die Abkühlung – vorher waren etwa 34°C – und auf Dauer ist das anstrengend,
Trotz der kleinen Verschnaufpause im Hostel, war ich auf dem Weg nach Kazimierz in einem Formtief und machte, bewacht von Lisa, auf einer Parkbank einen 10 Minuten Power-Nap. Wieder fit ging es weiter und nach kurzen Unsicherheiten kamen wir tatsächlich an. Für zwei Zloty pro Person besuchten wir eine Synagoge – für uns beide eine Premiere. Beim Betreten des Vorraums nahm ich reflexartig meinen Hut ab – und wurde promt aufgefordert ihn doch bitte aufzusetzen. Im Gegensatz zu christlichen Kirchen, ist hier das Tragen einer Kopfbedeckung für Männer obligatorisch. Wer keine hat, bekommt eine Leihkippa. Andere Religionen, andere Sitten. Der Innenraum war schlicht und doch detailreich und mit viel Gold dekoriert – im Gegensatz zu der katholischen Kirche auf dem Wawel ein wohltuender Anblick.
Nach einigen Schlendern landeten wir in einem Cafe. Lisa brachte hier den Milchschaum ihres Caffe Latte zum gerinnen, ich aß Eis und trank ein Bier. Euch interessiert wie Lisa das angestellt hat? Gern: Sie bestellte den Caffe Latte mit Cranberry-Sirup. Dieser hatte sich im Glas abgesetzt und war als hellrote Schicht unter dem Kaffee zu erkennen. Bis Lisa umrührte. Die Milch flockte aus und der Milchschaum verklumpte, kurz um: Es sah widerlich aus, schmeckte aber sehr angenehm. Es regnete wieder leicht, wir bestellten die Rechnung – und merkten dann, dass wir zu wenig Zlotys und keine Karte dabei hatten. Ich erklärte der Kellnerin das Problem und machte mich allein auf den Weg zum Hostel. Dank GoogleMaps (die Karte von Krakau hatte ich mir offline verfügbar gemacht) ging das sehr gut – ich beeilte mich, holte sogar einen Jogger ein, der mich überholt hatte, entdeckte einen interessanten Schleichweg und war nach nur 30 Minuten wieder im Cafe. Endlich konnten wir bezahlen.
Endlich trugen auch unsere Versuche für Zilina eine (günstige) Unterkunft zu buchen Früchte, eine gewisse Maria Bullova (Entschuldigung aber bei dem Name sehe ich eine ältere, kräftige, resolute Frau vor mir) schrieb uns, dass ihre Pension zwar ausgebucht sei, sie uns aber etwas in Bahnhofsnähe vermitteln könne. Hocherfreut nahmen wir das Angebot an.
Geschafft vom Tag blieben wir fortan im Hostel, ich spielte auf einer Nintendo 64 Mario Kart, wir organisierten unsere Rucksäcke neu und genossen den Blick auf den Marktplatz.
* Krakau bleibt Krakau und Krakow bleibt Krakow
** dort steht eine überlebensgroße Statue von Johannes Paul II.

„Mit dem Hut in der Hand kommt man durch das ganze Land“_hieß es früher salopp; es gibt aber eben auch Ausnahmen, die die Regel bestätigen!