Partytown Budva

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Podgorica (ehemals Titograd) lässt uns ausschlafen. Naja.. fast zumindest: Unsere Dormmitbewohner stehen sehr zeitig auf und wecken uns dadurch kurzzeitig. Trotzdem schlafen wir wieder ein und reisten dann erst nach 10 Uhr ab.
Unsere Marmelade vergaßen wir ganz sportlich im Kühlschrank, besuchten dann aber einen (wirklich) kleinen Supermarkt. Erik schloss an der Fleischtheke Freundschaft mit einem Montenegriner, der Deutschland über alle Maßen lobte und drei Jahre in Frankfurt lebte. An eben dieser Fleischtheke kaufte Erik dann auch den Schinken, von dem er in den folgenden Stunden als seinen „besten Kauf“ schwärmen würde.
Gut versorgt kauften wir also Busfahrkarten nach Budva und 10 Minuten später saßen wir in einem klimatisierten Bus und 1,5 Stunden Landschaft genießen später standen wir am Busbahnhof von Budva, der Stadt die unser Herbergsvater (sagt man das noch? also in einem „Hostel“?) von Podgorica als „Partytown“ bezeichnet hatte.
_MG_2078.JPG Allein waren wir jedenfalls nicht in Budva, denn kaum hatten wir den Busbahnhof verlassen, überfiel uns eine Horde Frauen (Altersklasse 50+). „Sobe? Sobe? Sobe!? Room? You need room? Sobe?“ Chaos pur. Ich erklärte der ersten Frau, dass wir zu dritt sind und eine Nacht bleiben wollen. Die meinte sie hat nur Platz für 2, aber ihre Freundin hier, die hat Platz für drei Reisende. Wie viel es kostet wollte ich wissen. Wirres Geschnatter folgte. Dann: 50€. Bester Preis der Stadt. Bei einer Übernachtung geht das nicht billiger. Keinesfalls und nirgends. Wir zögerten. Naja, gut. Vielleicht auch nur 15€ pro Person. Also 45. Aber billiger N-I-E-M-A-L-S. Eine weitere Frau kam dazu und wurde knapp über unsere Daten und die genannten Preise informiert. Auch sie wollte 15€ pro Person. Die erste Frau (die über exakt einen Zahn verfügt, aber immerhin etwas Englisch sprach) schaltete sich ein. Auf die zweite Frau zeigend sagte sie: „This lady, I can tell you, is veeeery nice. Very nice lady. And room is close to bus station. And very cheap: 45€ – veeeeery cheap.“ Frau Nummer 3 drängte sich wieder nach vorn: Ein tolle Wohnung habe sie. Gut gelegen. Und irgendwie wurde dadurch nichts klarer. Es wurde laut und wirr, die 3 Damen stritten sich fast um uns. Dann der klare Angriff von Frau Nr.3: 13€ tippte sie auf ihr Handydisplay. Frau Nummer 1 blickte böse drein und wollte und an Nummer 2 vermitteln, die jetzt auch um uns warb. Mittlerweile hatten alle Frauen Lisa schon am Arm gestreichelt und uns völlig verrückt gemacht. Ok. Frau Nummer 3 bekommt den Zuschlag._MG_2099.JPG
Wir liefen mit Serena (so hieß die Gute) zu ihrer Wohnung, die nicht besonders weit weg war. Sie erzählte viel, wir verstanden fast nichts. Aber ihr Sohn kann Englisch … und Deutschland. Oder so. Sie führte uns in ihre Wohnung und zeigte uns das Wohnzimmer. Denn genau das, hatten wir eben gemietet.
Ihr Sohn kam etwas später verschlafen aus einem Nebenraum und erklärte uns alles Wichtige. Und Serena hatte an Erik gewissermaßen einen Narren gefressen: Sie redete gern mit ihm und lachte gern mit und über ihn.
Schließlich zeigte sie uns den Weg zum Strand und wir konnten uns endlich abkühlen. Immerhin 40°C waren im Schatten. Wir wählten einen Plaza direkt an der Stadtmauer der Altstadt und liefen über den heißen Sand ins Meer. Lisa hatte sich eine Schwimmbrille geleistet und so konnten wir auch mal einen Blick auf den Grund (zu den Seeigeln) werfen.
Nach einiger Zeit machten wir uns auf den Rückweg, kauften jeder ein Eis und folgten der Strandpromenade. Der Hafen war voller teurer Jachten und auch das Publikum sah streckenweise recht wohlhabend aus. Wir liefen etwas zu weit und verfransten uns auch zwischenzeitlich etwas, fanden dann aber doch unsere Nobelunterkunft.
Nach dem Duschen räumten wir etwas herum und gingen dann zurück in die Stadt. Die Altstadtgassen erinnern sehr an Italien und der Blick auf das Bergpanorama, das Meer und die vorgelagerte Insel sind einmalig.
Der Hunger zeigte uns dann den Weg in „The old fisherman’s pub“ wo Erik und ich Cevapi (Fleischstäbchen mit Pommes und Salatzeugs) und Lisa -trotz der Warnung des Kellners- einen serbischen Salat bestellte. Besagter Salat war wirklich scharf und Lisa hatte zu kämpfen.
Den Rest des Abend flanierten wir zusammen mit der ganzen Stadt über die Uferpromenade, wo eine Art Rummel zusätzlich zum abendlichen Treiben für Stimmung sorgte. Es war einfach herrlich.

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Ihr vermisst einen Tag zwischen drin? Keine Sorge. Den wollte Lisa schreiben und daher wird er erst heute Abend/Nacht nachgereicht. Keine Sorge ;) Done! siehe unten!

 

 

Eine sehr lange Zugfahrt …

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Da waren wir also – Belgrad. Und wir hatten keinen Plan, wohin uns die nächsten Tage führen würden. Wir haben Karten gelesen, uns im Internet informiert und an Bahnhöfen Schilder gelesen, doch alles endete meist nur mit groben und unvollständigen Ideen. Wir wollten in Richtung Montenegro, soviel stand fest, aber der einzige sinnvolle Halt – die Hauptstadt mit dem schönen Namen Podgorica – war 10,5 Zugstunden von Belgrad entfernt. Wir zweifelten. Schließlich einigten wir uns doch darauf, die lange Fahrt auf uns zu nehmen. Ein Grund, weshalb wir das taten: die Strecke gilt als eine der Schönsten Europas und man überquert die höchste Eisenbahnbrücke unseres Kontinentes.
So ging es halb früh um 9:10 Uhr an den Belgrader Bahnhof und hinein in den Zug. Da wir keine Reservierung hatten, wurden wir erstmal von unseren Sitzplätzen verscheucht, fanden aber sofort Neue._MG_1984.JPG
Die nächsten Stunden waren an sich ziemlich ereignislos und warm (die Sonne prasselte durch das Fenster ohne Vorhang und wir brutzelten und schmolzen vor uns hin). Wir aßen (weiche Gummibärchen), schliefen, hörten Musik, beobachteten Leute und schauten aus dem Fenster. Letzteres lohnte sich ausgesprochen sehr, die Landschaft von Montenegro ist atemberaubend. Steile, hohe Berge begrenzen Täler, in denen kleine Dörfer und Bäche liegen. Bäume links von uns, der Abgrund rechts. Oder umgekehrt. Es gab ständig etwas Neues zu sehen. Vorausgesetzt man sah überhaupt etwas, denn die Eisenbahnstrecke führt durch 254 Tunnel (laut Wikipedia sind das allein 114,435 km des 454,8 km langen Weges). Wenn man dabei noch auf das Licht im Zug verzichten muss (wir wissen nicht genau, ob es Absicht oder einfach kaputt war), wird einem schon einmal schwarz vor Augen. Außerdem überquerten wir 435 große und kleine Brücken – unter anderem auch das Mala-Rijeka-Viadukt, das mit 198m als die höchste Eisenbahnbrücke Europas gilt. Die Aussicht von hier war super, genauso wie unser Sitznachbar, der uns Gott sei Dank rechtzeitig darauf aufmerksam machte, unsere Kameras zu „preparen“._MG_2045.JPG
Mit vielen grandiosen Eindrücken und einer Stunde Verspätung (unsere Theorie: die Passkontrollen an der Grenze waren nicht in die Fahrtzeit einberechnet) erreichten wir Podgorica. Schon in Belgrad hatten wir ein Hostel gebucht, welches wir mit einigem Nachfragen dann auch fanden. Der Besitzer des Hauses war nicht viel älter als wir und begrüßte uns freundlich mit einem Händedruck. Gleich lernten wir auch unsere 3 Zimmergenossen kennen, die etwas französisch klangen, irgendwie aber auch nicht. Wir duschten, machten uns fertig und wanderten in die Stadt. In einem sympathisch aussehenden Lokal ließen wir uns nieder, bestellten Pizza und Nudeln und etwas zu trinken und ließen den Abend gemütlich ausklingen. Anschließen flanierten wir noch etwas durch die etwas italienisch wirkende Altstadt, fanden den Weg zurück zum Hostel und fielen nach einem langen Zug-Tag müde ins Bettchen.[pe2-gallery class=“alignleft“ ] _MG_1995.JPG_MG_2037.JPG_MG_1968.JPGP1060264.JPGIMG_2048.JPGP1060265.JPG[/pe2-gallery]

Belgrad zwischen Beton und Straßenkunst

_MG_1878.JPG Es ist sechs Uhr. Morgens. Доброй утром Веоград.
Gleich am Bahnhof besuchen wir eine Information: Stadtplan und ein ganzen Berg Hostelflyer werden zu unserem Eigentum. Nachdem wir die Flyer durchgearbeitet haben, laufen wir los. Das erste aufgesuchte Hostel ist zu teuer. Das zweite schon voll und das dritte noch teurer als das erste. Hostel Nummer Vier ist nicht auffindbar und Nummer fünf – ach reden wir nicht drüber.
Als wir das vierte Hostel dann doch finden, stellt sich heraus, dass nur noch ein private room frei war. Und der war uns zu teuer. Im studentski Park machten wir eine kleine Rast, aßen und tranken, beratschlagten die Situation. Dann der Entschluss: Zurück zu Hostel Vier den private room buchen und uns was gönnen. Ich eilte also ins „Hedonist Hostel“ und reservierte dort auf den Namen Berschick ein Zimmer. Noch ein paar Minuten verweilten wir im Park, bis wir alle unser Gepäck ins Hostel brachten und dort vorerst an der Rezeption deponierten. Check-In ist erst ab 14Uhr möglich, die Rezeptionistin zeigte uns trotzdem schon jetzt Küche, Aufenthaltsraum und Innenhof. Nach kurzer Pause im Hostel brachen wir auf zur Burg und liefen einige Runden auf und um die mächtigen Verteidigungsanlagen. Dabei blieb auch der Besuch auf dem Gelände des unvermeidlichen Militärmuseums nicht aus und wir liefen wieder minutenlang durch Reihen von Panzern, Flakgeschützen, Mörsern, Torpedos und ähnlichem Kriegsgerät._MG_1893.JPG
Die Temperaturen stiegen weiter an und als wir Geld getauscht und einige Kleinigkeiten gekauft hatten, flüchteten wir uns in den Aufenthaltsraum des Hostels, schauten Olympia und reduzierten oral unsere Nahrungsvorräte.
Als wir endlich unser Zimmer (im Nachbargebäude) bekamen , ging es uns schlagartig besser. Besonderes Highlight: Klimaanlage.
Nach einer kurzen Pause beschlossen wir ein Freibad aufzusuchen. Was wir nach etwa 15-20 minütigem Fußmarsch vorfanden war … besonders. Man betritt einen futuristisch designten Betonbau (naja … in den 80zigern hätte man vielleicht von modern gesprochen) und kauft an einem Tresen sein Ticket (etwa 1,30€ pro Person) und lässt es an einem an eine DDR-Schulbank erinnernden Tisch gleich wieder abreißen. Zwar gibt es lange Reihen von Schließfächern, aber einschließen kann man da nichts – sie haben kein Schloss. Stattdessen gibt es eine Garderobe, an der man seinen privaten Kram abgeben kann. Auch gut.
Das Bad selbst besteht zu 85% aus Beton und ähnelt eher einem Wettkampfbecken – vermutlich ist es das auch: Zuschauerränge aus Beton umrahmen des Becken an zwei Seiten, an der dritten Seite steht eine Halle mit Glasfront, in der sich ein weiteres großes Becken befindet. Das Nichtschwimmerbecken befindet sich unmittelbar neben den Stufen zur Halle. Eigentlich gibt es in diesem Bad alles, was man braucht: große, saubere Becken, genug Platz zum Hinlegen, einen Eisverkäufer, ein Café und die Burg als traumhaftes Panorama. Nur eins hat der Architekt irgendwie vergessen: Nirgends(!) gibt es Schatten. Nur glühend heißen Beton._MG_1892.JPG
Wir schwammen trotzdem ein paar Bahnen (sofern das bei dem Andrang möglich war) und machten hin und wieder draußen eine kurze Pause. Allein waren wir – wie angedeutet – nicht. Das Nichtschwimmerbecken war überfüllt und der Rand des Schwimmerbeckens war rundherum besetzt. Schwimmen war auch nicht so einfach, da ständig irgendwer kreuzte. Ein Erfolg war der Badbesuch trotzdem: Wir fühlten uns danach viel besser. Da es dort keine Duschen gab (oder wir zumindest keine finden konnten) liefen wir zum Chlorabduschen ins Hostel und gleich danach in die Innenstadt.
Die Hauptflaniermeile von Belgrad war unser Ziel – wir tranken ein Bier, aßen bei „Gyropolis“ und beobachteten die vorbeilaufenden Menschen und zahlreichen Straßenkünstler. Noch etwas schlendern, noch ein Bier auf dem Platz der Republik, noch ein letzter Einkauf im 24h Laden und dann ging’s ins Bett. Добрый ночь Београд!