{"id":2814,"date":"2017-07-11T16:06:18","date_gmt":"2017-07-11T14:06:18","guid":{"rendered":"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/?p=2814"},"modified":"2018-07-11T15:31:23","modified_gmt":"2018-07-11T13:31:23","slug":"abendliche-sushikalypse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/?p=2814","title":{"rendered":"Abendliche Sushikalypse"},"content":{"rendered":"<p>Unsere Unterkunft ist ein kleines Apartment in Tabata, einem Bezirk im Norden Tokyos. Sie besteht im wesentlichen aus zwei Zimmern und ist dem eingeschr\u00e4nkten Raumangebot angepasst: Schiebet\u00fcren, Schr\u00e4nke in die Wand integriert, winziges Toilettenr\u00e4umchen, eine(!) Kochplatte, clevere Regale, &#8230; \u2013 es wird kein Platz verschenkt. \u00c4hnlich ist auch der restliche Bezirk aufgebaut: Enge Stra\u00dfen, schmale Hauseing\u00e4nge, Parkpl\u00e4tze in die das Auto gerade so noch drauf passt.<\/p>\n<p>Man kann sicher vieles \u00fcber die Gegend sagen, aber touristisch ist sie nicht unbedingt. Die kleinen L\u00e4den und Restaurants werden fast ausschlie\u00dflich von Tokyotern besucht und sind G\u00e4ste aus &#8222;dem Westen&#8220; nicht unbedingt gew\u00f6hnt. Noch dazu solche wie uns, die nur mit den Vokabeln f\u00fcr &#8222;Guten Tag&#8220; und &#8222;Danke&#8220; ausgestattet v\u00f6llig planlos durch die Gegend streifen* um dann in irgendein Lokal einzukehren. Ein interessantes Erlebnis. F\u00fcr beide Seiten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Tief durchatmen, Schiebet\u00fcr auf, eintreten, &#8222;Konitchiwa&#8220; sagen, leicht verneigen, Schiebet\u00fcr zu. Das Lokal ist sehr schmal, nicht mehr als vier Meter breit und wird der L\u00e4nge nach von einem hellen Holztresen getrennt. Auf unserer Seite stehen kleine Barhocker in einer Reihe, auf der anderen Seite der Sushimeister, ein \u00e4lterer Herr in wei\u00dfem Anzug. Am Ende des Tresens steht seine Frau, die uns einen Platz zuweist. Unn\u00f6tigerweise, muss man sagen, denn au\u00dfer uns ist niemand da.<\/p>\n<p>Eine Speisekarte gibt es nicht, sondern eine Reihe Holzschildchen an der Wand. Ich kenne das bereits aus Samurai Gourmet** und hatte diese Praxis schon dort als potentielles Problem identifiziert: Denn wer kein Japanisch kann, kann auch diese Schildchen nicht lesen. W\u00e4hrend seine Frau, sich verbeugend um uns herumbewegt, jedem ein Glas Wasser und ein feuchtes Tuch bringt, versucht der Meister Klarheit zu schaffen. Auf Japanisch. Das Einzige was wir lernen: Die beiden Schilder ganz rechts au\u00dfen zeigen die beiden Sets, also &#8222;Standardmen\u00fcs&#8220; an. Was diese beinhalten und wie viel sie kosten jedoch bleibt uns ein R\u00e4tsel.<\/p>\n<p>Diverse Okays unsererseits sp\u00e4ter gibt er ein Handzeichen, dem wir entnehmen: &#8222;Ich mache beide Sets, der eine bekommt Dieses, der andere Das und ihr k\u00f6nnt schauen was Euch am besten gef\u00e4llt.&#8220; Diese Deutung ist nat\u00fcrlich totaler Humbug, denn wir werden beide dasselbe bekommen. Set 1, wie ich vermute. Aber dazu sp\u00e4ter.&nbsp;Zun\u00e4chst gelingt uns eine Kommunikation auf Anhieb: Die quasi-englische Frage der Frau (&#8222;Dr\u00fcings&#8220;) kann ich zur gro\u00dfen Freude und Erleichterung aller Beteiligten sofort beantworten: &#8222;B\u012bru&#8220;.&nbsp;<\/p>\n<p>Das Bier (eine 0,5er Flasche der Marke Kirin und zwei kleine Gl\u00e4ser) kommt dann auch sofort und w\u00e4hrend ich noch einschenke, legt uns der Meister jedem ein gro\u00dfes, gr\u00fcnes (Bananen-[?])Blatt auf den Tresen und packt darauf etwas eingelegten Ingwer. Wir bekommen zus\u00e4tzlich je ein Sch\u00e4lchen f\u00fcr die Sojasauce und haben dann die Ehre die Arbeit des Meisters aus n\u00e4chster N\u00e4he zu bewundern. Er formt den Reis, schneidet den Fisch, dr\u00fcckt beides zusammen, et voil\u00e0: Das erste Nigiri mit Lachs ist fertig. Unter den wachsamen Augen des Meisters teilen wir unsere St\u00e4bchen, bedanken uns mit einer kleinen Verbeugung und schnappen uns das erste St\u00fcck.&nbsp;<\/p>\n<p>Mhhh&#8230; lecker! Wir nicken anerkennend, stimmen auf Nachfrage der Verwendung von Wasabi zu und schwupps sind die n\u00e4chsten Lachs-Nigiris fertig. Auf den Lachs folgt eines mit Garnele (nur echt mit Schwanz!), ein festes wei\u00dfes (im Nachhinein und nach etwas Bildrecherche w\u00fcrde ich sagen: Tintenfisch), eines mit einem undefinierbaren r\u00f6tlichen Belag (Lisa spricht liebevoll von &#8222;Innereien&#8220;) und eines mit Ei (der Kenner nennt es Tamago \u2013 zumindest laut Google). Den kr\u00f6nenden Abschluss bilden sechs k\u00f6stliche Maki und das gro\u00dfe Finale: Gunkan Sushi mit gro\u00dfem, orange-roten Kaviar (oder so).<\/p>\n<p>Unterbrochen wird unser festliches Mahl nur gelegentlich von Erkl\u00e4rungen und Kommentaren des Meisters, die wir zwar nicht verstehen, aber stets l\u00e4chelnd und nickend beantworten sowie zwei Besuchen seiner Frau: Sie bringt jedem eine Miso-Suppe (kein L\u00f6ffel, schl\u00fcrfen!) und einen gr\u00fcnen Tee (mit Matcha?). Beim Bezahlen erleben wir noch einmal sch\u00f6nste Sprachverwirrungen, schaffen es aber nach einigen Verneigungen und &#8222;Arigatos&#8220; gut ges\u00e4ttigt aus dem Laden. Alles in allem: Gar nicht \u00fcbel, f\u00fcr zwei Pfeifen wie uns, oder?<\/p>\n<p>* M\u00f6glicherweise ist dieser Satz eine Hommage an die von mir sehr gesch\u00e4tzte Serie &#8222;Samurai Gourmet&#8220;<br \/>\n** Hatte ich bereits erw\u00e4hnt, wie gro\u00dfartig diese Serie*** ist?<br \/>\n*** Hier ein Trailer (japanisch, ohne Untertitel \u2013 konnte nichts besseres Finden. In voller Sch\u00f6nheit gibt es die Serie auf Netflix.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/r8lvlgu8Qa4\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<hr>\n<p>Eine detaillierte Zusammenfassung des Tages hat Lisa wie \u00fcblich in ihrem Notizbuch angefertigt:<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-2814 gallery-columns-2 gallery-size-medium'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215540385.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215540385-300x225.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215540385-300x225.jpg 300w, https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215540385-768x576.jpg 768w, https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215540385-700x525.jpg 700w, https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215540385-800x600.jpg 800w, https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215540385-80x60.jpg 80w, https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215540385.jpg 862w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215548836-1.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215548836-1-300x225.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215548836-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215548836-1-80x60.jpg 80w, https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20170711_215548836-1.jpg 646w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Weitere Eindr\u00fccke des Tages:<\/p>\n<p>[ngg_images source=&#8220;galleries&#8220; container_ids=&#8220;1&#8243; display_type=&#8220;photocrati-nextgen_basic_thumbnails&#8220; override_thumbnail_settings=&#8220;0&#8243; thumbnail_width=&#8220;240&#8243; thumbnail_height=&#8220;160&#8243; thumbnail_crop=&#8220;1&#8243; images_per_page=&#8220;20&#8243; number_of_columns=&#8220;2&#8243; ajax_pagination=&#8220;0&#8243; show_all_in_lightbox=&#8220;0&#8243; use_imagebrowser_effect=&#8220;0&#8243; show_slideshow_link=&#8220;0&#8243; slideshow_link_text=&#8220;[Zeige eine Slideshow]&#8220; order_by=&#8220;sortorder&#8220; order_direction=&#8220;ASC&#8220; returns=&#8220;included&#8220; maximum_entity_count=&#8220;500&#8243;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Unterkunft ist ein kleines Apartment in Tabata, einem Bezirk im Norden Tokyos. 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