{"id":1736,"date":"2013-08-26T15:08:41","date_gmt":"2013-08-26T13:08:41","guid":{"rendered":"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/?p=1736"},"modified":"2014-06-01T21:29:52","modified_gmt":"2014-06-01T19:29:52","slug":"schlagabtausch-im-schwimmbad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/?p=1736","title":{"rendered":"Schlagabtausch im Schwimmbad"},"content":{"rendered":"<p>Pilsen zu besuchen war eine recht spontane Entscheidung; in Wien sa\u00dfen wir \u00fcber unserer Europakarte und suchten Orte, die gut in unsere Heimreiseroute passen. Pilsen lag gut und war mit dem Zug von Wien aus einigerma\u00dfen akzeptabel zu erreichen. Jetzt hatten wir wieder ein \u00e4hnliches Problem: Wohin soll&#8217;s gehen? Es wurde Marianske Lazne (zu deutsch: Marienbad) und zwar aus dem einfachen Grund, dass wir da leicht eine bezahlbare Unterkunft fanden.<br \/>\nDie Pension Edinburgh war jedoch nur als &#8222;Edinburgh&#8220; gelistet, was dazu f\u00fchrte, dass ich das erste Mal in meinem Leben eine Stadt kaufte: PayPal (so leistete ich die Anzahlung f\u00fcr die Reservierung) fragte mich, ob ich den Artikel &#8222;Edinburgh&#8220; wirklich kaufen m\u00f6chte. Ich glaube zwar, dass 3,20\u20ac f\u00fcr die schottische Hauptstadt ein bisschen wenig ist, aber ich will mich nicht beschweren.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAls wir aufgestanden waren und gefr\u00fchst\u00fcckt hatten, checkten wir aus und liefen zum Bahnhof. Der etwa 20-min\u00fctige Spaziergang entlang der kahlen Hauptstra\u00dfe war unspektakul\u00e4r: Bei etwa 16\u00b0C muss man sich auch keine Sorgen machen verschwitzt anzukommen. Der Zug kam p\u00fcnktlich, wir stiegen ein und nach einer knappen Stunde waren wir schon da.<br \/>\nDer kleine Bahnhof war frisch renoviert, auf Hochglanz poliert und hatte automatische T\u00fcren. Man merkte sofort, dass man in einem Kurort ist: Der Altersschnitt war deutlich h\u00f6her als in jedem anderen Ort unserer Reise.<br \/>\nNach Edinburgh liefen wir gut zwanzig Minuten und bestaunten den Ort, der scheinbar h\u00e4ufig von Deutschen heimgesucht wird: alles war mehrsprachig (n\u00e4mlich Tschechisch-Deutsch, selten auch Englisch) ausgeschildert. Pension Edinburgh (direkt neben Pension Milano) war ein h\u00fcbsch restauriertes Haus mit Pub im Keller. Wir klingelten bei &#8222;Pension&#8220; &#8211; nichts passierte. &#8222;Pension Manager&#8220; &#8211; eine Stimme sagte irgendetwas durch die Wechselsprechanlage. Ich versuchte es mal auf deutsch, aber ich wurde nicht verstanden. Englisch funktionierte und kurz darauf ging die T\u00fcr auf und eine Frau stand vor uns. Kein Hallo, sondern &#8222;You have a reservation? Which name?&#8220; &#8211; &#8222;Berschick&#8220; &#8211; &#8222;OK&#8220; sagte sie mit Blick in ihr schlaues Buch: &#8222;but now not possible. Room not ehhh ready. Later. Checkin is at &#8230; Eleven, twelve &#8230; One!&#8220;<br \/>\nUnsere Rucks\u00e4cke durften wir trotzdem in der Unterkunft lassen und gingen wieder in den Ort zur\u00fcck.<br \/>\nVorbei an Schwimmbad und Eisstadion waren wir bald am Waldrand. Ein gro\u00dfes Schild wies auf den Metternichpfad hin: Ein Wanderweg durch den Wald, vorbei an zwei Heilquellen, zur\u00fcck nach Marienbad. Ideal f\u00fcr uns.<br \/>\nAn der ersten Quelle, der B\u00e4renquelle, sahen wir einen Mann in voller Wandermontur, der sich gerade einen Flachmann an der Quelle f\u00fcllte, dann einen gro\u00dfen Schluck nahm und weiterlief. Auch wir sahen uns die Quelle an: Das Wasser war glasklar, brodelte aber verd\u00e4chtig und der gesamte Bachlauf war rostrot &#8211; offenbar sehr eisenhaltig die Br\u00fche. Todesmutig sch\u00f6pfte ich ein Schl\u00fcckchen und spuckte es prompt wieder aus: Es war als w\u00fcrde man an einem rostigen Nagel lutschen. Lisa tauchte nur einen Finger ein, leckte diesen ab, spuckte wieder aus und kam zum selben Fazit wie ich: Wer das freiwillig trinkt, muss an akutem Eisenmangel leiden. Unser Bedarf an Eisen sollte jetzt f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit gedeckt sein. Die Balchinquelle war im Geschmack \u00fcbrigens etwas milder, aber immernoch widerlich. Ich glaube, ich die Faszination Heilquelle erschlie\u00dft sich mir nicht so bald.<br \/>\nKurz vor eins war die Pension wieder in Sichtweite und der Regen hatte begonnen. Zum Gl\u00fcck hatten wir unsere Regenjacken an und so war das halb so wild. Im Garten machte ein Mann mit kurzen, angegrauten Haare gerade Ordnung, als wir ankamen. Er begr\u00fc\u00dfte uns, fragte, ob wir die Leute w\u00e4ren, deren Gep\u00e4ck schon da ist und als unser Klingeln an der Rezeption erfolglos war, \u00f6ffnete er uns. Im Treppenhaus gab er uns unsere Rucks\u00e4cke zur\u00fcck und f\u00fchrte uns in den zweiten Stock, wo Zimmer F\u00fcnf auf uns wartete. Die Toilette war auf halber Treppe und das Badezimmer* befand sich in einem Zimmer schr\u00e4g gegen\u00fcber. Wir beschlossen uns kurz auszuruhen.<br \/>\n2 Stunden sp\u00e4ter wachten wir auf. Der Hunger hatte uns geweckt und wir liefen im Regen mit gepackten Badesachen Richtung Schwimmbad. Auf dem Weg kehrten wir bei einem &#8222;Italiener&#8220; ein: Lisa bestellte Farfalle alla Bolognese und ich Penne all&#8216; arabiata. \u00dcber den Geschmack konnten wir nicht klagen, aber ich hatte ein wenig zu viele Oliven (standen die wirklich in der Beschreibung?!) und wer mich und meine spezielle Vorliebe f\u00fcr Oliven kennt, der wird mich daf\u00fcr belobigen, dass ich etwa die H\u00e4lfte davon gegessen habe.<br \/>\nAuf ins Schwimmbad. Zwei Stunden, zwei Personen mit Studentenerm\u00e4\u00dfigung, 190 Kronen. Und hier gingen die Probleme los: M\u00e4nner und Frauen haben strikt getrennte Umkleiden und um die Schr\u00e4nke zu nutzen braucht man ein 10Kronen St\u00fcck. Wir hatten aber nur eins davon. Also zogen wir uns um und trafen uns auf dem Gang wieder: Lisa gab mir ihre Sachen und ich schloss diese bei mir mit ein.<br \/>\nDas Baden selbst war sehr sch\u00f6n: Wir hatten viel Platz zum Schwimmen und konnten auch hin und wieder im Whirlpool entspannen. Dann wurde es interessant: Als ich gerade mit duschen fertig war und in die Kabinen gehen wollte, wurde ich pl\u00f6tzlich von hinten angesprochen. Der Bademeister gestikulierte wild und brabbelte auf tschechisch. Ich sah ihn fragend an und sagte, dass ich kein Wort verstehe. Er deutete auf meine FlipFlops und wollte scheinbar einen haben. Ich gab ihm meinen rechten FlipFlop, er fuhr mit der Handfl\u00e4che dr\u00fcber, machte die Dusche an und meinte wohl ich solle sie absp\u00fclen. Meinetwegen, dachte ich mir &#8211; hatte ich zwar schon gemacht, als wir ins Bad kamen, aber wenn er meint. Mit sp\u00e4testens jetzt blitzeblanken FlipFlops nahm ich Kurs auf die Kabinen und wurde erneut zur\u00fcckgehalten. Er deutete auf meine nassen Fu\u00dfabdr\u00fccke: &#8222;Schmutzig. Schmutzig! ehhh Tasche!&#8220; &#8211; Resigniert nahm ich meine WIRKLICH sauberen FlipFlops und ging in die Umkleide. Mit Lisa machte ich &#8222;Klamotten\u00fcbergabe&#8220; &#8211; ihre Sachen waren schlie\u00dflich in meinem Spinnt &#8211; und zog mich um.<br \/>\nIn der Zwischenzeit lernte auch Lisa das Personal n\u00e4her kennen. Sie kam mit FlipFlops (und einer anderen Frau, die ebenfalls welche trug) aus der Dusche und wurde von einer Mitarbeiterin des Schwimmbades auf tschechisch zugetextet, obwohl sie zu verstehen gab, dass sie kein Wort verstand. Als ihr dann der Vogel gezeigt wurde, platzte Lisa der Kragen. Sie antwortete auf deutsch und erkl\u00e4rte der Dame unteranderem, dass sie keine Lust h\u00e4tte sich: &#8222;hier einen schei\u00df Fu\u00dfpilz zu holen.&#8220; Die Schwimmbadmitarbeiterin sch\u00fcttelte den Kopf und wir k\u00f6nnen nur annehmen, dass sie reichlich wenig verstanden hat. Was sie mittlerweile aber wohl verstanden hat, ist, dass es ausgesprochen ineffektiv ist Menschen auf tschechisch zu beschimpfen, die dieser Sprache nicht m\u00e4chtig sind**. Wir jedenfalls beschlossen das Bad in Zukunft zu meiden &#8211; wahrscheinlich h\u00e4ngen unsere Steckbriefe jetzt am Eingang aus.<br \/>\nUnsere restlichen Kronen investierten wir, nach einer kurzen Pause in der Pension, in einem Restaurant, wo wir bei Bier, hei\u00dfer Schokolade, Eis und Apfelstrudel den Regen beobachteten. <\/p>\n<p>*Lisa w\u00fcrde es aufgrund seiner Gr\u00f6\u00dfe und Einrichtung sp\u00e4ter als &#8222;Wohnzimmer mit Duschkabine&#8220; bezeichnen<br \/>\n**Und au\u00dferdem ist es auch gef\u00e4hrlich sich mit Lisa anzulegen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pilsen zu besuchen war eine recht spontane Entscheidung; in Wien sa\u00dfen wir \u00fcber unserer Europakarte und suchten Orte, die gut in unsere Heimreiseroute passen. Pilsen lag gut und war mit dem Zug von Wien aus einigerma\u00dfen akzeptabel zu erreichen. Jetzt hatten wir wieder ein \u00e4hnliches Problem: Wohin soll&#8217;s gehen? 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