{"id":1722,"date":"2013-08-24T23:40:12","date_gmt":"2013-08-24T21:40:12","guid":{"rendered":"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/?p=1722"},"modified":"2014-06-01T21:29:52","modified_gmt":"2014-06-01T19:29:52","slug":"gerta-und-das-bier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/?p=1722","title":{"rendered":"Gerta und das Bier"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_150327.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"IMG_20130824_150327.JPG\" class=\"aligncenter size-full\" alt=\"image\" src=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_150327.jpg\" \/><\/a><br \/>\nEin weiches Bett, unendliche Ruhe. In unserem Mittelklassewagen schliefen wir so gut wie lange nicht mehr. Gegen 9 erwachten wir fast von alleine, auf den Wecker konnten wir verzichten, wir f\u00fchlten uns ausgeschlafen. Im Bad erledigten wir vorerst nur das N\u00f6tigste, denn das Fr\u00fchst\u00fcck wartete auf uns.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIm Speiseraum standen mehrere Tische, die allesamt besetzt waren &#8211; haupts\u00e4chlich von Deutschen. Eine Gruppe langhaariger Mittf\u00fcnfziger diskutierte angeregt \u00fcber Autos und Technik. Eine \u00e4ltere Dame, die anscheinend verantwortlich f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fcck war, machte uns erfreulicherweise auf deutsch den Vorschlag, im Nebenzimmer &#8211; dem Restaurant des Hotels &#8211; einen der leeren Tisch zu nutzen. Wir stellten uns eine reichhaltige Mahlzeit zusammen: Br\u00f6tchen, K\u00e4se, verschiedene Wurstsorten, Gurke, Tomate, weiteres Gem\u00fcse, sowie diverse Sorten Cornflakes und M\u00fcsli. <a href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130825_082822.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"IMG_20130825_082822.jpg\" class=\"aligncenter size-full\" alt=\"image\" src=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130825_082822.jpg\" \/><\/a> <\/p>\n<p>Au\u00dferdem entschieden wir uns daf\u00fcr, einen Tee zu trinken. Die Fr\u00fchst\u00fccksfrau zeigte auf Thermoskannen und erkl\u00e4rte uns, in welcher Wasser und in welcher Kaffee ist. Wir entschieden uns dagegen, Kaffee \u00fcber den Teebeutel zu sch\u00fctten und nahmen eine der Wasserkannen. Als wir dann am Tisch sitzend in unsere Tasse pusteten, um den Tee zu k\u00fchlen, merkten wir, dass das Wasser eiskalt war. Wahrscheinlich war die Thermoskanne kaputt und es trank niemand au\u00dfer uns Tee, sodass es h\u00e4tte bemerkt werden k\u00f6nnen. Also genossen wir unseren Eistee zum Fr\u00fchst\u00fcck.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_145931.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"IMG_20130824_145931.jpg\" class=\"aligncenter size-full\" alt=\"image\" src=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_145931.jpg\" \/><\/a> <\/p>\n<p>Gut gest\u00e4rkt gingen wir anschlie\u00dfend wieder ins Zimmer zur\u00fcck, duschten und r\u00e4umten etwas auf, um den nahenden Zimmerservice nicht allzu sehr zu schocken. Am wichtigsten war es, die W\u00e4scheleine aus dem Vorraum zu entfernen &#8211; wir haben am Vortag noch ein paar Kleinigkeiten gewaschen, um nicht stinkend in der Heimat anzukommen.<br \/>\nIm Internet lasen wir nach, wann die deutschen F\u00fchrungen in der Pilsener Brauerei stattfinden. Um rechtzeitig da zu sein, liefen wir eine Stunde vorher los &#8211; sprich um 12. Ohne Probleme fanden wir die Brauerei und betraten einen Vorplatz, auf dem gro\u00dfe und kleinere Geb\u00e4ude standen. Auf einem der H\u00e4user stand &#8222;Visitor Center&#8220;, wir gingen hinein und nach einigem Suchen fanden wir den Schalter, der Eintrittskarten verkauft. Eine nette junge Frau dr\u00fcckte uns 2 erm\u00e4\u00dfigte Tickets in die Hand und sagte uns, dass die n\u00e4chste deutsche F\u00fchrung um 13 Uhr beginnen w\u00fcrde. Da bis dahin noch eine halbe Stunde Zeit war, nutzten wir die Zeit, um uns ein wenig umzuschauen. Wir schlenderten durch eine geschichtliche Ausstellung, guckten Bilder an und lasen die dazugeh\u00f6rigen Texte. Schlie\u00dflich ging es auf um 1 zu. Ein junger Mann kam &#8211; und k\u00fcmmerte sich um eine englische Gruppe. Eine junge Frau kam &#8211; und k\u00fcmmerte sich um die Tschechen. Wir trauerten jeder f\u00fcr sich, wie immer waren die H\u00fcbschen alle vergeben. Gerechtigkeitshalber betrat eine \u00e4ltere Frau den Raum: &#8222;Die deutsche Gruppe folgt mir bitte&#8220; sagte sie in befehlendem Ton. Sie erkl\u00e4rte uns kurz die Tour, was wir alles zu sehen bekommen werden und wie die Fabrik entstanden ist. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden ma\u00dfregelte sie die am Rand stehenden Leute, sie m\u00f6gen den Gang freihalten, denn es m\u00fcssen immer Menschen rein und raus und das k\u00f6nne sie nicht \u00e4ndern. Unsere Gruppe, bestehend aus etwa 25 Personen aller Altersgruppen, machte sich nun unter der F\u00fchrung von Gerta auf den Weg zu einem kleinen Bus. Als alle drin waren, und die H\u00e4lfte schon stehen musste, fiel den Organisatoren ein, dass man ja die tschechische Gruppe gleich mit in den selben Bus stecken k\u00f6nnte. Kuschelnd standen nun alle im Gef\u00e4hrt, das sicher nur f\u00fcr die H\u00e4lfte ausgelegt war. Nach einer kurzen Fahrt durften alle wieder aussteigen, wir betraten die Abf\u00fcllfabrik.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_145920.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"IMG_20130824_145920.jpg\" class=\"aligncenter size-full\" alt=\"image\" src=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_145920.jpg\" \/><\/a> <\/p>\n<p>Hier werden normalerweise literweise Bier in Dosen, 0,3er und 0,5er Flaschen oder gr\u00f6\u00dfere Plastikflaschen abgef\u00fcllt, doch wir hatten Pech. Gerade wurde die komplette Maschinerie ges\u00e4ubert und auf Hochglanz poliert, sodass wir au\u00dfer den leeren B\u00e4ndern nicht viel sahen. Gerta schickte uns wieder nach drau\u00dfen &#8211; zur\u00fcck zum Bus. Diesmal als einzigste Gruppe (und wir sogar mit Sitzplatz) ging es weiter zum Brau- und Lagerhaus. Eine Gruppe Jugendlicher hatte sich bei unserer F\u00fchrerin bereits so beliebt gemacht, dass sie ihre &#8222;Kindergartengruppe&#8220; nicht mehr aus den Augen lie\u00df.<br \/>\nIn einem kleinen, runden Kino wurde ein Film eingelegt, der uns noch einmal die Geschichte des Pilsner Urquells n\u00e4herbrachte. Das besondere war: das Kino drehte sich. Bessergesagt drehte sich die Plattform, auf der die G\u00e4ste standen. Als der Film vor\u00fcber war, \u00f6ffnete sich eine Wand. Dahinter war der Eingang ins Museum. Wir kosteten Gerste, Malz und Hopfen kosten (das einzigste ertr\u00e4glich schmeckende war Malz) und Gerta erkl\u00e4rte uns das Verfahren zur Bierbrauerei. Nachdem wir einige R\u00e4ume durchquert hatten, kamen wir in den Lagerkeller. Dieser wird an sich nicht mehr genutzt, nur f\u00fcr die Besucher wird dort unten Bier gelagert. Es war kalt und wir waren froh, unsere Jacken mitgenommen zu haben. Im \u00e4u\u00dfersten Kellerraum erwartete uns ein Mann mit Bechern und einem Riesenfass ungefilteren Biers. Alle durften einen frisch gezapften Becher trinken, die Jugendlichen waren au\u00dfer Rand und Band vor Freude und Gerta dementsprechend genervt. Sie fragte die Gruppe, ob wir noch in die sogenannte Eiskammer gehen wollen oder ob es uns so schon zu kalt ist. Einstimmig entschieden wir, uns die Kammer noch anzusehen. Gerta reagierte anders als gedacht: &#8222;Gut, dann lassen sie mich wenigstens noch ein, zwei Sachen dazu sagen&#8220;. Sie erz\u00e4hlte und schwupps &#8230; war die F\u00fchrung vorbei. Sie zeigte uns noch den Ausgang, bekam h\u00f6flichen Applaus und alle verschwanden in verschiedene Richtungen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_153722.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"IMG_20130824_153722.jpg\" class=\"aligncenter size-full\" alt=\"image\" src=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_153722.jpg\" \/><\/a> <\/p>\n<p>Paul und ich waren zwar entt\u00e4uscht, dass wir die Abf\u00fcllanlage nicht in Aktion erleben konnten, stimmten dennoch \u00fcberein, dass die F\u00fchrung ansonsten ganz interessant war. Die Omi Gerta ist sicher eine ganz Liebe und war nur ein bisschen \u00fcberfordert mit den ganzen &#8222;Kleinkindern&#8220;, wie sie die Jungs zu bezeichnen pflegte.<br \/>\nWir steuerten auf den Souveniershop zu und verbrachten tats\u00e4chlich eine ganze Weile darin. Da wir am Ende mehr als 350 Kronen zahlten, bekamen wir ein Bier dazu geschenkt, welches wir auf einer Bank in der Sonne leerten. Wir beobachteten ein junges Brautpaar, die ihren Bund der Ehe in der Brauerei mit einem Glas Bier in der Hand schlossen.<br \/>\nAuf dem Weg zur\u00fcck in die Stadt kamen uns auffallend viele Polizisten entgegen &#8211; und viele Berliner. Sp\u00e4ter kombinierten wir alle Hinweise und schlussfolgerten, dass wohl ein Eishockeyspiel Berlin gegen Plzen stattfinden musste. Trotzdem erschien es uns ein viel zu gro\u00dfer Aufwand, sogar Hubschrauber \u00fcber der Stadt Kreise drehen zu lassen (vielleicht waren es aber auch von Interpol beauftragte Polizisten, die nach 2 Deutschen suchen, die in \u00d6sterreich in 3 verschiedenen Banken extrem zerrissene Geldscheine tauschen wollten). Keiner hielt uns auf, an einem Kiosk ein St\u00fcck Pizza zu kaufen. Wir platzierten uns auf dem Marktplatz an einem Brunnen, beobachteten einen Obdachlosen, der seinen Hund mit Wasser bespritzte und betrachteten die Kirche vor uns. Auf dem Turm waren K\u00f6pfe zu<br \/>\nerkennen, gleich nachdem wir aufgegessen hatten, trainierten wir alles wieder ab und stapften die gut 250 Stufen nach oben.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_161422.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"IMG_20130824_161422.jpg\" class=\"aligncenter size-full\" alt=\"image\" src=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_161422.jpg\" \/><\/a> <\/p>\n<p>Der Blick war herrlich, wir sind nach wie vor \u00fcberrascht, was Plzen doch f\u00fcr eine sch\u00f6ne Stadt ist. Wieder unten, spazierten wir noch ein bisschen durch die kleinen Gassen, entdeckten eine Synagoge, die leider geschlossen war und kauften in einem kleinen Laden Wasser und Gummib\u00e4rchen f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag, sowie ein Getr\u00e4nk namens Kofola, dass wir im Laufe des Urlaubs jetzt schon mehrfach gesehen haben und nie wussten, was es ist (wir wissen es immer noch nicht so richtig &#8211; es schmeckt ein bisschen nach einer Mischung aus Cola und Sprite). Im Hotel bezahlten wir unser Zimmer und machten kurz Pause. Ich las mein Buch mit Wallander zu Ende und Paul schrieb etwas f\u00fcr die Gefahrenstelle, bevor wir ins Restaurant des Hotels gingen. Am Vortag haben wir von dem Mann an der Rezeption eine Rabattkarte von 10% f\u00fcr das Essen bekommen. So kam es, dass wir f\u00fcr 2 Getr\u00e4nke, ein Schweinesteak mit Rahm-Pilz-So\u00dfe und H\u00e4hnchen vom Grill mit Salat und je einer Riesenportion Kroketten umgerechnet 12 Euro zahlten. Zufrieden  beschlossen wir, noch einmal in die Stadt zu gehen, wir fanden ein nettes Lokal und tranken Bier. Gl\u00fccklich beendeten wir unseren vorletzten Urlaubstag und schliefen im weichen Bett in unendlicher Ruhe ein.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_154832.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"IMG_20130824_154832.jpg\" class=\"aligncenter size-full\" alt=\"image\" src=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/wpid-IMG_20130824_154832.jpg\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein weiches Bett, unendliche Ruhe. In unserem Mittelklassewagen schliefen wir so gut wie lange nicht mehr. Gegen 9 erwachten wir fast von alleine, auf den Wecker konnten wir verzichten, wir f\u00fchlten uns ausgeschlafen. 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