{"id":1672,"date":"2013-08-22T10:53:44","date_gmt":"2013-08-22T08:53:44","guid":{"rendered":"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/?p=1672"},"modified":"2014-06-01T21:29:52","modified_gmt":"2014-06-01T19:29:52","slug":"wenn-ein-tag-so-wunderschoen-beginnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/?p=1672","title":{"rendered":"Subotica \u00fcberrascht uns"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1673\" alt=\"_MG_7300\" src=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7300-1024x682.jpg\" width=\"580\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7300-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7300-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a>Erik warf den B\u00f6ller in den Container &#8211; ein erboster Anwohner rannte uns schreiend hinterher und lie\u00df sich auch von Herrn Borowski nicht beruhigen. Wir suchten Schutz hinter einem Gel\u00e4nder, denn der Mann drohte uns zu \u00fcberfahren. Lisa wurde immer \u00e4ngstlicher: &#8222;Paul. Paul! PAUL! PAAULL!!&#8220; &#8211; Dann wachte ich auf. Im Nachtzug hatte ich geschlafen wie ein Stein und nachdem der Schaffner es nicht geschafft hatte mich zu wecken, war Lisa an der Reihe: &#8222;Noch 20 Minuten bis Belgrad&#8220; sagte sie zu mir. Noch halb im Schlaf nickte ich das ab und richtete mich in meinem Bettchen auf.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nSo ein Nachtzug ist schon etwas tolles. Und nochmal besser ist es, wenn man in einem solchen die Zeitzone wechselt und dadurch eine Stunde Schlaf geschenkt bekommt. Die ungarische Familie aus unserem Abteil packte hastig zusammen, verabschiedete sich und eilte zur T\u00fcr, um den Anschlusszug zu erreichen. Im jetzt leeren Abteil packten wir zusammen und warteten die Einfahrt in den Bahnhof ab, wo unser Anschlusszug schon bereit stand.<br \/>\nWir stiegen direkt um suchten uns ein leeres Abteil und gingen ersteinmal Z\u00e4hne putzen. Kurz vor der Abfahrt gesellten sich noch 2 Serben zu uns und es ging los. Wir lasen unsere B\u00fccher, ich schrieb einen Beitrag f\u00fcr die Gefahrenstelle und die Klimaanlage machte leiernde Ger\u00e4usche, als h\u00e4tte man auf Dynamobetrieb umgeschaltet. Irgendwo in der N\u00e4he von Novi Sad stieg ein junger, kr\u00e4ftigerer Mann zu, der nicht nur unangenehm roch, sondern auch noch in einer wahnsinnigen Lautst\u00e4rke sprach*. Das Telefonat, dass er kurz vor seinem Ausstieg f\u00fchrt, hat man sicher im Nachbarwaggon noch geh\u00f6rt.<br \/>\nMit etwa 30 Minuten Versp\u00e4tung kamen wir schlie\u00dflich in Subotica an.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7319.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1676\" alt=\"_MG_7319\" src=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7319-682x1024.jpg\" width=\"580\" height=\"870\" srcset=\"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7319-682x1024.jpg 682w, https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7319-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a>Mit einer mehr verwirrenden, als erhellenden Wegbeschreibung in der Hand und ohne GoogleMaps Karte (die toll funktioniert H\u00c4TTE, wenn man nicht vergessen h\u00e4tte sie offline verf\u00fcgbar zu machen) standen wir vor dem Bahnhof in einem kleinen Park. Ich hatte am Tag zuvor einen Blick auf die Karte geworfen und wusste jetzt so ungef\u00e4hr in welche Richtung wir gehen m\u00fcssen. Zum Gl\u00fcck gab es in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone einen Stadtplan und wir konnten und kurz orientieren. Vorbei an der &#8222;Town Hall&#8220;, zur Synagoge und dort gegen\u00fcber immer geradeaus. Ich nehme es vorweg: \u00dcber den ersten Punkt kamen wir nicht hinaus; die Synagoge fanden wir erst als wir von der Unterkunft in die Stadt liefen. Mit etwas Fragen und Schilder lesen, konnten wir endlich die Villa Stefanija finden &#8211; obwohl wir einen beachtlichen Bogen gelaufen waren.<br \/>\nAn der Adresse aus der Buchungsbest\u00e4tigung stand ein rosafarbenes Haus, ohne Schild oder Hinweis. Wir betraten den Hof und prompt kam ein etwa 30j\u00e4hriger, schlacksiger Mann mit kurzem schwarzen Haar auf uns zu: &#8222;Aaaah. Hello. You are from \u00e4h&#8230; ?&#8220; &#8211; &#8222;Germany&#8220; &#8211; &#8222;Yes, Hostelworld? You booked on Hostelworld?&#8220; &#8211; &#8222;Yes.&#8220; &#8211; &#8222;Great. come on&#8220;, sagte er mit einladender Geste: &#8222;Here is your room. It actually has 3 beds, the double bed is for you, but you can also use the small one here if you like.&#8220; Bevor wir viel erwidern konnten, zeigte er uns noch die Klimaanlage und nahm dann kurz unsere Ausweise mit um die Check-in-Dokumente auszuf\u00fcllen.<br \/>\nDas Zimmer war gro\u00df, sauber und auch das Bad machte einen guten Eindruck. Da wir eine lange Zugfahrt hinter uns hatten (und auch so aussahen), duschten wir, bevor wir ins Zentrum gingen um etwas zu essen. Au\u00dfer einem P\u00e4ckchen K\u00e4secracker hatten wir noch nichts gegessen und jetzt wollten wir uns etwas g\u00f6nnen. Wir blieben in Serbien nur einen Tag, die Unterkunft gab im Internet an, man k\u00f6nne mit Karte bezahlen &#8211; also beschlossen wir auf Bargeld zu verzichten und suchten ein Restaurant, in dem wir mit Karte zahlen k\u00f6nnen. \u00a0Das klingt jetzt leicht, war es aber in der Realit\u00e4t nicht. Schlie\u00dflich fanden wir etwas, setzten uns an einen Tisch, nahmen die Karte und stellten schockiert fest: Hier gibt es nichts zu essen &#8211; naja: es gibt Eisbecher.<br \/>\nKurz darauf sa\u00dfen wir mit Kiwibecher und Banana-Splitt in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone von Subotica. Nennen wir es einfach: &#8222;Das etwas andere Mittagessen&#8220;. Wir zahlten und gingen zum Souvenirshop. Ein Pr\u00e4sent aus Subotica mitzubringen w\u00e4re ja nicht \u00fcbel, denn T-Shirts, Tassen, Taschen, etc aus bekannten Orten hat jeder &#8211; Subotica kennt \u00fcberhaupt nur eine Minderheit. Wir betraten das Gesch\u00e4ft im Erdgeschoss des Rathauses und bevor ich \u00fcberhaupt richtig sehen konnte was es gab und wie viel es kostet, hatte Lisa schon das Gespr\u00e4ch mit der Verk\u00e4uferin gesucht: &#8222;Can we pay with credit card?&#8220; &#8211; &#8222;No.&#8220; &#8211; &#8222;Na, dann k\u00f6nnen wir auch gehen.&#8220; Zack standen wir wieder vor der T\u00fcr. Und hier realisierte ich, dass das nicht so gut war: Theoretisch h\u00e4tten wir ja schauen k\u00f6nnen, ob uns etwas gef\u00e4llt und wie viel es kostet, um danach zu entscheiden, ob es sich lohnt daf\u00fcr Geld abzuheben (und Abhebegeb\u00fchr zu zahlen). Jetzt war die Chance vertan, denn wieder in den Laden zu gehen (in dem wir mit der Verk\u00e4uferin allein waren), h\u00e4tte seltsam ausgesehen.<br \/>\nEtwas ziellos liefen wir wieder in Richtung Marktplatz. Vor dem McDonalds rief es pl\u00f6tzlich &#8222;Guten Tag!&#8220;. Ein etwa 70-j\u00e4hriger Mann hatte geh\u00f6rt, dass wir Deutsch sprechen, stand von einem Tisch auf, fragte wie es uns geht und berichtete uns davon, dass er in der Schule Deutsch gelernt hatte. Sein Deutsch klang etwas h\u00f6lzern, war aber ziemlich gut. Wir unterhielten uns kurz mit ihm und lehnten dann freundlich seine Einladung, uns an seinen Tisch zu setzen, ab. Er w\u00fcnschte uns viel Spa\u00df in Subotica und wir verabschiedeten uns.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7310.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1675\" alt=\"_MG_7310\" src=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7310-1024x682.jpg\" width=\"580\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7310-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7310-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a>Die Sonne brannte vom Himmel als wir auf unserer Sightseeingrunde an der Kathedrale ankamen. Wie auch der restliche Ort, war hier alles ganz sauber herausgeputzt. Die Gr\u00fcnanlagen waren in bester Ordnung, die Blumenbeete unkrautfrei, die Stra\u00dfen und Fu\u00dfwege gl\u00e4nzten, alle Sehensw\u00fcrdigkeiten waren ordentlich ausgeschildert und wir wurden das Gef\u00fchl nicht los, dass Subotica eine wohlhabende Stadt ist. Meine sp\u00e4teren Recherchen ergaben dann, dass es sich um eine der serbischen Sonderwirtschaftszonen handelt: Sowohl Industrie, als auch Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung haben hier bedeutende Zentren und der G\u00fcterbahnhof ist &#8211; auch auf Grund seiner N\u00e4he zu ungarischen Grenze, die auch die Au\u00dfengrenze der EU darstellt &#8211; ein wichtiges Drehkreuz. Arbeitslosigkeit scheint also eher nicht zu den dr\u00e4ngenden Problemen der Stadt zu geh\u00f6ren.<br \/>\nWir fa\u00dften den Entschluss doch noch einmal in den Souvenirladen zu gehen und dann zu entscheiden, ob es sich lohnt Geld abzuheben. Die Verk\u00e4uferin sah uns skeptisch an, als wir wiederkamen. Wir liefen zwei Runden im Laden und stellten fest: Es gibt ein paar interessante Dinge, aber es lohnt sich nicht daf\u00fcr Geld abzuheben\/auszugeben.\u00a0Da wir nun alles Nennenswerte gesehen hatten, beschlossen wir kurz einkaufen zu gehen und dann in die Unterkunft zur\u00fcckzukehren. Dort a\u00dfen wir dann Baguette mit Leberwurst, Lisa sortierte Bilder aus und ich sah etwas fern, denn es gab tats\u00e4chlich ein paar englischsprachige Sender.<br \/>\nBevor wir wieder in die Stadt aufbrachen, wollten wir noch schnell zahlen. Der junge, gut englisch sprechende Mann war nicht mehr da &#8211; daf\u00fcr aber ein \u00e4lterer Herr, den wir f\u00fcr seinen Vater hielten. Englisch konnte der nicht, daf\u00fcr 3 Worte Deutsch. Er teilte uns dann mit, dass wir etwa 2800 Dinar zahlen m\u00fcssen und, dass das mit der Kartenzahlung auf der Homepage in die Kategorie &#8222;Bl\u00f6der Fehler&#8220; f\u00e4llt. Oder in seinen Worten: &#8222;Nein. Nicht Karte. Kleine Firma. Bankomat in Stadt &#8211; 10 Minuten&#8220;. Also doch Geld abheben. W\u00e4re ja auch quatsch, wenn &#8222;Kartenzahlung m\u00f6glich&#8220; bedeutet: &#8222;Hier kann man mit Karte zahlen.&#8220;<br \/>\nIn der Stadt versorgten wir uns also mit 3000 serbischen Dinar, investierten 50 davon in Popcorn und setzten uns auf eine Bank. Eine Langosbude stach uns ins Auge und Lisa ging los um etwas zu kaufen. Zu meiner Verwunderung kam sie ohne Langos zur\u00fcck: Die Verk\u00e4uferin hatte sie auf serbisch zugetextet und anschlie\u00dfend das kleine Fensterchen des Standes schwungvoll zugeschoben &#8211; also wurde nichts aus dem Traum vom ungarischen Abendsnack. \u00a0Als Alternative machten wir nach einigem Suchen einen B\u00e4cker aus, wo wir f\u00fcr 150 Dinar, ein K\u00e4sebr\u00f6tchen, ein Crossaint mit Pflaumenmusf\u00fcllung und eine Bl\u00e4tterteigrolle mit Marmelade erstanden. Eigentlich h\u00e4tte es 160 Dinar gekostet, aber die Verk\u00e4uferin schenkte uns die 10 Dinar, die wir nicht hatten und gab sich mit 150 zufrieden. Wem das jetzt bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich von unserer <a title=\"Fahrt nach Varna\" href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/?p=1584\">Fahrt nach Varna<\/a> gelesen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7369.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1674\" alt=\"_MG_7369\" src=\"http:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7369-1024x682.jpg\" width=\"580\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7369-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/allgemeine-gefahrenstelle.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/MG_7369-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a>In der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone beobachteten wir das abendliche Treiben und genossen unsere Eink\u00e4ufe, bevor wir, vorbei an der wundersch\u00f6nen, angestrahlten Townhall und der Synagoge, durch den belebten Stadtpark zur\u00fcck in zur Villa Stefanija liefen. Auf dem Weg wurden wir von einem jungen Serben nach der Uhrzeit gefragt und als wir ihm geantwortet hatten, machte er kr\u00e4ftig Werbung f\u00fcr das Festival am n\u00e4chsten Tag, bei dem man sogar auf den Turm des Rathauses steigen kann. Wissend, dass wir daf\u00fcr keine Zeit haben w\u00fcrden, dankten wir trotzdem f\u00fcr den Tipp. Als er ging klingelte sein Handy und uns dr\u00e4ngte sich der Verdacht auf, dass die Frage nach der Zeit nur der Aufh\u00e4nger f\u00fcr die Werbung f\u00fcr das Stadtfest war.<\/p>\n<p>*f\u00fcr Insider: wie der Eiermann, nur jung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erik warf den B\u00f6ller in den Container &#8211; ein erboster Anwohner rannte uns schreiend hinterher und lie\u00df sich auch von Herrn Borowski nicht beruhigen. Wir suchten Schutz hinter einem Gel\u00e4nder, denn der Mann drohte uns zu \u00fcberfahren. Lisa wurde immer \u00e4ngstlicher: &#8222;Paul. Paul! PAUL! PAAULL!!&#8220; &#8211; Dann wachte ich auf. 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