212 Kroketten

Tokyo ist eine Metropole. Eine Stadt deren Größe (und Einwohnerzahl) man nur schwer fassen kann. Und es hat viel zu bieten: Ruhige Parks und ehrwürdige Tempelanlagen gehören genau so zum Stadtbild wie überfüllte Züge und schreiend bunte Straßenzüge. Es ist letzteres, wovon ich jetzt kurz berichten möchte.

Japan ist immer auch ein stückweit Überforderung. Mich* überfordert weniger der Fakt, dass ich die Sprache nicht verstehe, die (meisten) Schilder nicht lesen kann und die Gebräuche nicht kenne, es ist viel mehr die unfassbare Menge der optischen und akustischen Reize. 

Es beginnt mit Leuchtreklame in jeder Form und Größe: Von alten Neonröhren bis hin zu riesigen LED-Wänden ist alles dabei und blinkt um die Wette. In Shibuya und Shinjuku fällt es natürlich besonders auf, aber eigentlich ist es allgegenwärtig. Eine ständige Konkurrenz um Aufmerksam- und Sichtbarkeit: Faszinierend, aber eben auch ein wenig überfordernd.

Schritt zwei: Musik. Viel Musik. In einigen Straßen in Shibuya, Shinjuku und Akihabara schreit aus jedem Geschäft ein neues Lied, hauptsache laut und schrill. Ganz vorn dabei wenn es um die Musikauswahl geht, ist übrigens JR (Japan Rail). In Zügen und an Bahnhöfen erklingen nicht selten lustige Ankündigungsmelodien, die man sofort erkennt und dann doch nicht: Meist sind es Variationen von bekannten Musikstücken und Liedern, bei denen die ersten 2-3 Takte korrekt sind und der Rest dann plötzlich nicht mehr.

Letzte Eskalationsstufe für mehr Aufmerksamkeit: Rufen. Vor Marktständen, Restaurants, Elektronikgeschäften und vielem mehr stehen Menschen – zum Teil mit Schildern und Megaphonen – und schreien die Sonderangebote (natürlich auf Japanisch) in die Welt. 

Als wir also durch verschiedene Tokyoer Innenstadtbezirke schlenderten, begleitete uns fortwährend dieser optische und akustische Wahnsinn. Wir lernen: Tokyo ist wirr, überfordernd und absolut faszinierend. Es ist eine ganz andere Form von Großstadt, mit Berlin beispielsweise gar nicht vergleichbar. Es ist viel größer, viel dichter, viel voller, viel lauter und vielviel bunter – und es macht Spaß. Fährt man jedoch etwas aus dem Zentrum heraus, und sei es nur in unseren vorübergehenden Wohnbezirk Tabata, wird es sofort ruhiger. Und das braucht man dann auch.

*wahrscheinlich auch „uns“, aber ich habe Lisa nicht gefragt, ob sie das genau so empfindet. Ich bleibe also vorerst beim „ich“.

Wie immer findet ihr einen ausführlichen Bericht in Lisas Tagebuch:

Weitere Eindrücke des Tages:

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