Das Ende naht: Der erste Tag in London

_MG_0298Was für eine Nacht. Im Doppelstockbett neben mir schnarchte ein Typ derartig grausam, dass ich befürchtete es könnte seine letzte Nacht sein. Mehrfach war er kurz vor dem Ersticken doch am Morgen stand er einfach ganz normal auf. Beeindruckend. Lustiger Fakt am Rande: Lisa „Ich hab einen sehr leichten Schlaf“ Newald hat davon nichts mitbekommen. Sie schlief durch. Seelig sind… *räusper*
Das angekündigte Frühstück im Hostel war sehr besonders. Auf einem Tisch vor der Küche standen Toast, eine große Schale Marmelade, ein Stück Butter, ein Glas Nutella und Teebeutel und Zucker sowie Cornflakes. Soweit so gut, doch: Wie das Toast toasten? Wo sind Teller und Besteck? Wo Tassen und Cornflakesschüssel? Wie komme ich an heißes Wasser?
Es stellte sich heraus: Gibt es alles in der Küche. Irgendwo. Im Schrank. Oder so. Jeder der also zum Frühstück kam, pendelte also ständig zwischen Tisch und Küche. Entsprechend groß war auch das Chaos.

Es folgt eine etwas längliche Aufzählung von Fakten: Irgendwie überstanden wir das Frühstück dann doch, checkten aus, liefen zum Bahnhof und fuhren nach London. In Paddington Station kauften wir ein Underground-Tagesticket (fast 9£!!!), suchten die District Line (grün), fanden die Circle Line (gelb) und waren 15 Minuten später an unserer Unterkunft. Wir übernachten in einem Hotel/Hostel der (mutmaßlich) deutschen Meininger-Kette und hätten da eigentlich erst 14 Uhr einchecken können. Doch die Rezeptionistin änderte unsere Zimmernummer und so wurden wir nicht nur upgegradet (8- statt 12-Bett-Zimmer) sondern konnten auch sofort das Zimmer beziehen. Guter Service.
Im Ganzen ist das Hostel hier weniger ein klassisches Hostel, als vielmehr ein Hotel mit Mehrbettzimmern. Sehr angenehm (wenngleich die Nasszelle etwas klein ist).
Auf ging es zur wilden Touritour. Erster Halt: Westminster. Erste Feststellung: Schlechte Idee. Tausende Menschen drängen sich über die Fußwege und schieben uns langsam in Richtung Themse. Wir beschließen: So hat das keinen Sinn – eine Planänderung muss her. Von der etwas entfernten Golden Jubilee Bridge haben wir eine ganz nette Sicht auf Parliament und Big Ben (bzw. Elisabeth Tower, wie der Turm neuerdings heißt). Auf der Südseite der Themes geraten wir in das Southbank Festival of Love. Hier ist einiges los und so schlendern wir gemächlich am Ufer entlang. Am Globe Theatre* machten wir dann kehrt und liefen über die Millennium Footbridge (man braucht scheinbar immer besondere Ereignisse zum Ausbau der Infrastruktur: Kronjubiläen, das Millennium, …) zur St. Pauls Cathedral, wo uns ein weiteres Mal der Hammer mit Namen admission fee (16£ ermäßigt) direkt ins Gesicht traf und zur Umkehr bewog.
Mit der U-Bahn ging es weiter zum Tower Hill. Auch hier: Unfassbares Gedränge und noch unfassbarere Preise (knapp 20£). Wir suchten uns eine freie Bank mit Blick auf die Tower Bridge und beobachteten die vorbeiströmenden Menschen. Das Schicksal meinte es gut mit uns und wir wurden kurz nachdem wir uns gesetzt hatten Zeuge der Öffnung der Tower Bridge. Schön._MG_0280
Zurück zur U-Bahn, zurück zum Festival of Love. DIE Entdeckung schlechthin machten wir hier als wir gerade gehen wollten: Der Food Market. Bestimmt zwanzig Stände boten hier fantastische Delikatessen aus der ganzen Welt an. Wir probierten uns durch die Reihen und entschieden uns schließlich für Bruschetta mit Tomate und Parmesan sowie eine Schale milde Bio-Geflügel-Pfanne mit Reis. Zum Nachtisch gönnten wir uns zwei lokale Craft Beer (ein Pale Ale und ein Lager) und liefen dann zur nächsten Tube Station.
Aus Spaß fuhren wir zum Bahnhof Kings Cross – Gleis 9 3/4 suchen. Eine riesige Warteschlange erregte unser Interesse: Vor einer Wand mit einer Platform 9 3/4 Plakette konnte man sich mit einem halb in der Wand verschwunden Gepäckwagen fotografieren lassen und nebenan gab es den unglaublichsten Zaubereikitsch (Zauberstäbe, Hüte, Eulenkuscheltiere, Zaubertränke, …) im Harry Potter Shop. Der Clou hier: Ein Sicherheitsmensch gewährte nur gestaffelten Zugang – auch hier musste man also anstehen.
Langsam wurde es Abend und wir fuhren ein weiteres Mal nach Westminster. Die Fußwege waren immer noch voll, aber schon deutlich lichter, sodass man hin und wieder sogar kurz für ein Foto stehen bleiben konnte. Nur wenige Meter entfernt bewunderten wir die Westminster Abbey (von außen) und als wir zurück gen Parliament liefen waren die Fußwege schon viel freier: Die Reisebusse fahren ab, die Hotels mit Vollpension servieren Abendbrot. London wird ruhiger. Hach…
Dasselbe Bild bot sich uns wenig später an der Tower Bridge: Viel mehr Platz und Ruhe. Dazu ein traumhafter Sonnenuntergang über der Themse – London ist schon schön._MG_0319
Als wir erschöpft in unserem Zimmer ankamen, hatten wir es nicht mehr für uns allein. Ein junger Mann mit langen Haaren und Gitarre begrüßte uns freundlich, ging aber recht bald (Wahrscheinlich das Nachtleben erkunden. Oder etwas essen. Wer weiß). Kurz darauf dann das Highlight des Abends: Drei junge Männer (naja: fast Männer), die ich aufgrund von Sprache und Aussehen vage im arabischen Raum verorten würde, kamen auch in unser Zimmer. Sie waren sichtlich geschockt und lachten eine ganze Weile recht verzweifelt, bis mich einer der drei (der einzige dessen englisch man tatsächlich versteht) fragte was das hier eigentlich sei. Ich erklärte ihm kurz was ein Hostel ist und er nahm das recht gefasst auf. Wenig später verfielen sie wieder in ihr Lachen das wohl so viel bedeutete wie „Was machen wir hier eigentlich?“ Mein Tipp für die Zukunft: Erst lesen, dann buchen ;D

*Frau Stier, sollten sie das hier lesen: Ja, ich war ein weiteres Mal an Shakespeares Globe. Völlig freiwillig. Und danke nochmal für die schöne Klassenfahrt damals.

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