Was man so sieht… (5)

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Die fünfte Folge dieser Serie befasst sich unter anderem mit einer Drohkulisse. Und los!

Ticketkontrollen … überall
Es ist ein Mysterium. Ich gebe mit Mühe, aber ich verstehe es einfach nicht. Wenn man hier (besonders im UK) auf einen Bahnsteig möchte, muss man meistens schon vorher an einer Schranke sein Ticket vorzeigen bzw. scannen. Während der Zugfahrt kommt dann trotzdem noch jemand und kontrolliert ein weiteres Mal das Ticket. Na gut. Wohl wegen der schrankenlosen Bahnhöfe. Warum man jedoch beim Verlassen des Bahnhofes wieder durch diese Schranken muss, erschließt sich mir nicht.
Dieses System treibt absurde Blüten. Gestern konnten wir in Bath beobachten, wie einem Mann untersagt wurde den Bahnhof kurz zu verlassen (er wollte sich während seiner Umsteigezeit einen Busfahrplan oder etwas ähnliches ansehen), da er sich sonst ein neues Ticket kaufen muss. Zusammenfassung: Er wollte nur kurz durch die Schranke, etwas anschauen und mit seinem Anschlusszug weiterfahren. Darf er aber nicht, denn er hat ja für eine Fahrt von A nach B bezahlt. Und nicht dafür in C kurz etwas nachzuschauen. Wenn ihr das jetzt nicht verstanden habt, dann ist alles in Ordnung. Ich verstehe es auch nicht.

Ampelschaltungen
Was es hier nirgends gibt: Sind sinnvolle, intelligente Ampelschaltungen. Entweder es fahren Autos, oder es laufen Fußgänger. Manchmal hat auch niemand grün. Und wenn man den Knopf an der Ampel drückt KANN man grün bekommen. Man kann aber auch noch 10 Minuten warten. Oftmals wirkt es einfach undurchdacht. Manchmal sogar dumm. Nur selten habe ich das Gefühl „Das macht Sinn“. Natürlich gibt es auch Ampeln mit Optimierungsbedarf  in Berlin – z.B. eine mit einem offensichtlicher Fehler am Rosenthaler Platz der mich regelmäßig zum Verzweifeln bringt. Aber hier ist es viel schlimmer.

Eine Drohkulisse
… wird hier permanent geschaffen. Überwachungskameras sind überall. In jeder Ecke, die irgendwie frei war, hängt eine. Manchmal habe ich den Eindruck man sollte das für Kameras ausgegebene Geld lieber in vernünftige Schlösser, einen guten Klempner oder motiviertes Personal investieren – aber nein: Lieber tapezieren wir alle Türen und Fenster mit „CCTV“-Aufklebern und hängen auch in den klapprigsten Regionalzug noch eine Kamera. Mein Eindruck: Der Besitz von mindestens drei Kameras an seinem Geschäft, B&B, Hostel, … gehört hier zum guten Ton.
Ich fühle mich dadurch nicht sicherer – im Gegenteil: Ich warte jeden Moment darauf, dass es Sicherheitsmensch mich umtacklet weil ich auffällig mit meinem Rucksack am Bahnsteig herumlungere.
Auch die prominent platzierten Hinweise darauf, dass so ziemlich alles verboten und mit einer empfindlichen Geldstrafe belegt ist, machen es nicht angenehmer. Formuliert ist das dann übrigens meist so: „Wir bitten sie dieses und jenes zu unterlassen. Geldstrafe: 700£“ oder „Dieses und jenes ist strikt verboten. Sollten sie es doch machen: 80£ Geldstrafe!“.
Kurz: Ich finde das absurd. Unfreundlich. Krank. Übertrieben. Bedrohlich. Und ich fühle mich dadurch in meiner Freiheit eingeschränkt und jetzt kommt der Knüller: Ich fühle mich nicht sicherer. Im Gegenteil: Ich habe mehr Angst.
Obwohl ich auch ohne Hinweis auf die Strafen und Kameras meinen Müll nicht herumwerfe, nicht rauche, nichts zerstöre, … (kurz: gegen keine der Regeln verstoße und die hiesigen Gesetze respektiere), machen die Strafandrohungen und Kameras mir Angst.