Kein Bad in Bath

_MG_9804Abergavenny. Ein fast leeres (7 Betten, nur unsere zwei belegt) Hostelzimmer. Wir wachen auf. Durch das kaputte Fenster dröhnt die Stille Wales. Wann fährt eigentlich unser Zug? Keine Ahnung.

Im Frühstücksraum (Selbstbedienung) sitzt die ältere Dame vom Abend zuvor und schaut – Überraschung – Fernsehen. Wir essen Cornflakes, trinken Tee und _MG_9832suchen einen Zug heraus. Da wir noch genug Zeit haben, können wir uns Zeit lassen, in Ruhe essen und dann langsam zum Bahnhof (also über die Straße) laufen.
In Newport müssen wir umsteigen, können sonst aber ganz einfach nach Bath fahren. Keine zwei Stunden dauert die Fahrt – eine Reisezeit mit der man gut leben kann und die genügend Zeit gibt Bath in Ruhe zu erkunden. Das können wir auch direkt tun, denn der Check-In im Hostel beginnt erst um zwei. Wir lassen also unser Gepäck dort und laufen in Richtung Abbey.
Das Wetter ist unglaublich: Es schwankt zwischen Regen und strahlendem Sonnenschein und stabilisiert sich erst im Laufe des Nachmittags (zum Besseren). Wir nutzen eine kurze Regenphase um die Abbey von Innen zu bewundern. Die riesigen Bleiglasfenster, die hohe, feingliedrige Decke und die prachtvolle Einrichtung (inkl. Familiengestühl – kleiner Verweis auf einen wundervollen Film) faszinieren uns, die Atmosphäre ist trotzdem nicht besonders angenehm: Auf LCD-Bildschirmen laufen Filme über die Geschichte der Kirche, Postkartenständer stehen herum und niemand versucht auch nur sich gedämpft zu unterhalten. Es ist kein Ort der Ruhe, es ist eine knallhart vermarktete Touristenattraktion (Ich bin nur auch noch nicht sicher, was ich vom Konzept der Suggested Donation halten soll. Es wird kein Eintrittspreis verlangt, sondern nur eine Spende in Höhe x vorgeschlagen. Wenn die aber – wie in Carlisle – bei 5£ [+1£ für die Schatzkammer] liegt, oder man direkt am Eingang abgefangen und mit einer ausgeklügelten Suggested Donation-Tafel [Erwachsene 3£, Studenten/Arbeitslose/… 1,50£, …] begrüßt wird, dann wird nicht um eine Spende gebeten, sondern zum Zahlen aufgefordert. Donation hin, Suggested her.)_MG_9767
Vorbei an der römischen Therme geht es in die belebte Innenstadt, wo wir zu einem erstaunlich guten Kurs Geld tauschen und beschließen, dass es an der Zeit ist etwas zu essen. Die Wahl fällt auf eine Pizzeria und wir bekommen dort tatsächlich sehr leckere Pizzen, zu einem etwas weniger leckeren Preis: Aber man gönnt sich ja sonst nichts.
Der benachbarte Park ist dann leider nicht für eine kurze Pause geeignet: Er kostet nämlich Eintritt. Und sieht auch nicht anders aus, als andere Parks bisher: kurzer Rasen, hübsche Blümchen und kunstvoll getrimmte Hecken. Das alles sehen wir aber nur aus der Distanz. Tja… Auf der anderen Seite des Flusses ist es auch sehr schön: Wir finden eine Bank und können von dort die Pulteney Bridge (eine bebaute Brücke – eine kleine Ponte Vecchio gewissermaßen) sehen und die Sonne genießen.
Auf dem Weg zum Einchecken besuchen wir die Post, wo wir eine Nummer(82) zogen und das taten, was man _MG_9835hier am liebsten macht: Warten. Als auch diese Mission erfüllt war bezogen wir unser 12-Bett-Zimmer (angenehm geräumig), ruhten uns kurz aus und gaben dann unsere Wäsche in die Laundry (einziges Trockneropfer sind übrigens Lisas Socken: Die könnte man jetzt auch einem Neugeborenen anziehen).
Auf Lisas speziellen Wunsch sahen wir uns dann den Circus (einen riesigen Kreisverkehr mit Bäumen in der Mitte und runden Häusern drumherum) an, bevor wir wieder in Richtung Zentrum aufbrachen. An einem Obststand erwarben wir ein Schälchen Blaubeeren und gingen zur römischen Therme. Besichtigt haben wir diese nicht. 12£ pro Kopf reduzierter Eintritt sind dann doch leicht (oder slightly, wie der Brite vielleicht sagen würde) über dem Budget. Selbiges gilt für das moderne Thermalbad: 26£ für 2 Stunden. Pro Person. Nur Eintritt. Ohne Massage, Moorpackung, Begrüßungsschampus und Kaviar, wie ich für den Preis erwarten würde._MG_9825
Eisessend liefen wir durch die Stadt, kauften eine zweite Teedose in der Market Hall (diesmal aus Holz und ohne Queen) und saßen irgendwann in Liegestühlen auf Kunstrasen und genossen die Sonne.
Im Hostel machten wir uns dann fertig und gingen zusammen mit einem schweizer Pärchen zu The Raven – dem angeblich besten Pub der Stadt. Unsere Begleiter wollten dann doch lieber Fish&Chips und verabschiedeten sich – ein Fehler möchte ich behaupten, denn im Raven werden wunderbare Pies angeboten (ein Gebäck mit herzhafter Füllung), von denen wir uns einen teilten. Serviert wurde unser Pie mit einer Guiness-Zwiebel-Gravy und (selbstverständlich) mit Chips.

Auch die Real Ales konnten sich sehen lassen und so wurde es wieder einmal ein schönes Ende eines schönen Tages.

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