Dim israddio, ond golygfa wych!*

_MG_9707Im Hostel herrschte Stille, wir waren die einzigen Gäste. So hatten wir nach dem Aufstehen auch die Küche für uns, um zu frühstücken. Wir toasteten Brötchen, schmierten Schmelzkäse darauf, streuten Pfeffer und Salz darüber, um überhaupt etwas zu schmecken und tranken jeweils eine große Tasse Tee.Wir verabschiedeten uns von Daniel, der an seiner Rezeption Kommissar Rex anschaute, und liefen den kurzen Weg zum Bahnhof. Es war an der Zeit, Chester _MG_9689Lebewohl zu sagen, denn der Zug Richtung Cardiff setzte sich in Bewegung. Umstiegslos (dafür aber mit grauenvoll anstandslosen Sitznachbarn, die zwei Tüten Chips in einer Stunde mampften, nur um danach mit leuchtenden Augen zwei große Trifle aus der Tasche zu holen) erreichten wir zweieinhalb Stunden später Abergavenny.
Auch hier sollte der Weg zum Hostel nicht allzu großer Länge geprägt sein – um genau zu sein, lag es direkt gegenüber vom Bahnhof. Doch was war hier los? In diesem kleinen Städtchen, was keiner kennt, lief das Hostel vor Menschenmassen fast über. Junge Leute mit Rucksäcken, Isomatten und Augenringen versperrten uns nicht nur den Weg zur Rezeption, sondern auch ins Innere des Hostels. Mit vielen “Sorry”s und einiger Ellenbogenarbeit schafften wir es, unser Gepäck in einem Raum abzustellen.
Schnell war uns klar: Die Leute wollen nicht einchecken, sie warten nur auf ihren Zug, der in ein paar Stunden vom Gleis gegenüber fährt. In den letzten Tagen muss in der Nähe ein Festival gewesen sein (Google bestätigte uns in der Vermutung: das Green Man Festival fand vom 14. bis zum 17. August einen Ort weiter statt). Auf jeden Fall hatten die Besucher nach vier Tagen feiern einen leeren Magen und die Hostel- und Barbesitzer alle Hände voll zu tun, die Masse zu bändigen._MG_9708
Wir fingen eine Bedienung ab und fragten, ob wir unser Gepäck irgendwo aufbewahren können, bis wieder Ruhe eingekehrt ist. Sie brachte uns in den Gemeinschaftsraum des Hostels, meinte aber, sie schickt uns einen Kollegen, der uns gleich das Zimmer zeigen würde. Wir warteten und warteten. Es wurde langsam merkwürdig (wobei – eigentlich nicht, denn der Stress war wirklich nicht zu übersehen – wer hat da schon Zeit, zwei Gäste einzuchecken), Paul ging der Sache auf den Grund und kam schließlich mit dem Türcode für Zimmer 5 zurück.
Gebucht war ein Vier-Bett-Zimmer, doch wir fanden uns zwischen sieben Schlafplätzen wieder. Ein Downgrade der besonderen Klasse, denn trotz des Tumults im Gebäude, war der Raum komplett leer. Wir fanden uns vorerst damit ab, richteten uns ein und machten einen Abflug in die Stadt.
In einer niedlichen Fußgängerzone schlenderten wir durch einige Läden und kauften uns einen Snack, um uns auf die bevorstehende Wanderung vorzubereiten. Auf einer Wiese am Fluss verspeisten wir also fertigen Salat, Sandwiches und Himbeeren, bevor wir uns auf die Suche nach dem Beginn des Wanderweges machten.
_MG_9734Eine Straße führte uns durch Llanfoist (das nächste Dorf) in die Nähe des auserkorenen Bergs, doch weit und breit kein Footpath in Sicht. Ein Blick auf die Karte führte uns vorbei an einer alten Kirche zum Tunnel. Drinnen war es stockdunkel und nass, doch wir sahen das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels und gingen tapfer weiter, um endlich von Straßen und Autos wegzukommen.
Wir fanden einen Wanderweg und der hatte es von Anfang an in sich. Durch ein Waldstück ging es über Stock und Stein, unter umgefallenen Bäumen hindurch (vor kurzem muss ein Unwetter viel zerstört haben) und improvisierte Stufen hinauf. Schon vollkommen fertig erreichten wir eine Schafweide und ließen uns nieder. Eine ganze Weile saßen wir dort, versuchten die scheuen Tieren anzulocken, tranken Wasser und schauten ins Tal. Von oben kam eine ältere Frau des Weges (wir würden sie auf gute 70 schätzen), munter und fidel sprang sie durch die Natur und lachte und strahlte dabei.
“Das können wir auch!” dachten wir. Und weiter ging der Aufstieg. Vorbei an Schafen, die alle teilnahmslos vor sich hin fraßen, schleppten wir uns keuchend auf den Gipfel. Doch die Anstrengung hat sich wirklich gelohnt: Der Ausblick war wunderwunderwunderschön. Wir hatten blauen Himmel, die Sonne schien, der Wind pustete uns fast wieder runter und wir waren stolz auf unsere Wahnsinnsleistung._MG_9741
Der Abstieg gestaltete sich ähnlich anstrengend, wie der Aufstieg, wenn auch ganz anders. Wir hatten Mühe auf den Steinen herabzubalancieren und dabei nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Dennoch schafften wir es. Ziemlich kaputt machten wir uns auf den Rückweg zum Hostel, mittlerweile war es Abendbrotzeit und wir kauften beim Aldi um die Ecke eine Tomatensoße. Nudeln hatten wir noch im Vorrat und diese kochten wir, nachdem wir frisch geduscht den Gaskocher mit mehreren Anlaufversuchen (der Anzünder war kaputt) zum Laufen bekommen hatten.
Den Abend ließen wir im Gemeinschaftsraum ausklingen, den wir fast für uns hatten – nur eine ältere Dame schaute ihre abendliche Serie (erinnerte uns etwas an GZSZ). Wir gingen ins Bett und bemerkten glücklich, dass wir immernoch alle sieben Betten für uns hatten. Doch kein Downgrade.

* No downgrade, but a great view! (Übersetzt ins Walisische von Google Translator)

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