„It is not enough, I need mooooore“

Die zwei Japaner in unserem Zimmer erfüllen alle Klischees, die uns für dieses Land einfallen. Die beiden reden kaum miteinander, sind verzweifelte Technikfreaks und rennen den ganzen Tag mit ihren Kameras durch die Gegend. Doch etwas überraschte uns: Kaum ein Deutscher kann so laut und ausdauernd schnarchen. Die ganze Nacht dröhnte das mechanische Geräusch durch den Raum, sodass sogar Paul geweckt wurde – und das passiert äußerst selten!

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 Früh am Morgen machten sich die Zwei auf den Weg in die Stadt, ebenso wie der Spanier. Wir hingegen blieben noch bis um 10 liegen und genossen die Ruhe.
Frisch geduscht gingen wir nun auch Richtung Innenstadt. Zuerst suchten wir uns eine Bank, um Euros zu tauschen. Ja richtig, Euros. Zur Erklärung: Wir hatten aus Sicherheitsgründen zwei 50 Euro Scheine unter Pauls Einlagen in die Schuhe gelegt – eine schlechte Idee, wie sich herausstellte, denn nach unserer Wanderung in Zilina hatten wir keine zwei Scheine mehr, sondern acht. Wir gingen also zielstrebig in eine Sparkasse und wurden sogleich enttäuscht. Da kein Teil des Scheins größer war als die Hälfte, konnte der Angestellte nichts für uns tun und schickte uns zur Nationalbank, die da eher etwas machen könnte. Doch um dahin zu kommen, müssten wir U- und Straßenbahn fahren und darauf hatten wir 1. nicht so richtig Lust und 2. kein Geld, um Fahrkarten zu kaufen. Wir starteten noch einen Versuch in der Österreichischen Landesbank und siehe da – mein weiblicher Charme hat den Mann dazu gebracht, uns einen frischen 50 Euro Schein auszudrucken (wahrscheinlich holte er ihn aus einer Art Tresor, aber es klang wie ein Drucker). Erleichtert über den ersten Erfolg wollten wir nun auch noch den zweiten Schein tauschen (beide kaputten Scheine in der gleichen Bank vorzulegen, erschien uns merkwürdig). Gleich gegenüber fanden wir die Bank Austria, die nette Frau am Schalter tippte hier und da etwas in ihren Computer ein und schon waren wir wieder um 50 Euro reicher. Vom Erfolg beflügelt, kauften wir in der Post erst ein paar Briefmarken und bestellten uns später im „Schnitzelhaus“ zwei Schnitzelmenüs mit Pommes, Ketchup, (Kartoffel- und Gurken-) Salat und einem nahezu tellergroßen Wiener Schnitzel. Erschrocken merkten wir, dass das die erste richtige Mahlzeit seit der Pizza bei Ankunft in Sofia war._MG_7428
Gesättigt liefen wir durch die Einkaufsmeile Wiens. Hin und wieder blieben wir stehen, guckten in Schaufenster, schlenderten durch Plunderläden und kauften Postkarten im Souveniershop. Nach einer kurzen Pause auf einer Wiese vor dem großen Museum beschlossen wir, in Richtung Prater zu laufen. Um dahin zu gelangen, gingen wir durch die Altstadt. Die vielen Museen sahen von außen wunderschön aus, große Parkanlagen schmückten unseren Weg. Durch die Tore und über Pflasterwege holperten unzählige Pferdekutschen, die einen angenehmen Duft von Äpfeln hinterließen. Einen kurzen Abstecher machten wir zum Dom von Wien, ein wirklich beeindruckendes Gebäude und dem Wanner-Shop direkt gegenüber – dort wo Waffelträume wahr werden.
Nach fast einer Stunde erreichten wir den berühmten Rummel. Schon am Eingang vernahmen wir die Schreie von den ganz wilden Attraktionen. Vorbei an verschiedenen Gruselkabinetten, Losbuden und Autoscooter steuerten wir auf das höchste Kettenkarussell der Welt zu. Schon vor zwei Jahren ist Paul _MG_7464mit Erik hier gewesen und hat sich hinauf getraut. Ich bin allerdings nicht unbedingt ein Liebhaber der Höhe und 117m hoch im Kreis geschwungen zu werden, verursachte mir schon am Boden Schwindelgefühle. Nachdem wir zwei Runden zugeschaut hatten, konnte ich mich dann doch dazu entschließen, mitzufahren. Wir lösten die Tickets, stellten uns an und schon in der nächsten Fuhre saßen wir in den hin und her wackelnden Sitzen. Der Anfang war am schlimmsten, es fühlt sich komisch an, wenn man ganz plötzlich nach oben gezogen wird. Doch dann war alles toll. Ich konnte zwar nicht nach unten schauen, aber der Blick geradeaus entschädigte alles. Kurz vor Schluss ging es dann noch einmal richtig los. Während es ganz oben nicht so schnell voranging, hingen wir dann fast parallel zu Erde an der Stange. Als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, hätte ich gleich nochmal gekonnt.
Leute beobachtend, liefen wir noch etwas herum und ich versuchte mich am Dosenschießen. Ich war zwar nicht die Schlechteste, hatte aber trotzdem nicht genug umgeworfen, um den niedlichen Panda mit den grünen Ohren zu gewinnen.

_MG_7477Ein bisschen erschöpft schlugen wir den Rückweg ein und machten an einem Cafe halt. Erdbeer- und Bananenmilchshakes schlürfend, schrieben wir die vorhin gekauften Postkarten. Der unfreundliche Kellner rechnete mit uns ab und weiter ging es Richtung Hostel. Wieder durch die schöne Altstadt, wieder durch die Einkaufsmeile. An der Rezeption bezahlten wir dann erstmal unser Zimmer, denn am Vortag hatten wir kein Bargeld dabei gehabt. Einen ganzen Happen Geld leichter, gingen wir noch am Billa vorbei, der gleich um die Ecke war. Wir hatten uns vorgenommen, am Abend in der Gemeinschaftsküche des Hostels etwas zu kochen. Vor dem Kühlregal entschieden wir uns dann nach einigem hin und her für Tortellini mit einer Tomaten-Kräuter-Soße. Außerdem kauften wir noch ein Stück Melone, Gummibärchen und vier Bier für den Abend. An der Kasse erwartete uns dann der Drachen. In der Reihe vor uns stand eine junge Frau, die anscheinend weder Deutsch, noch Österreichisch sprach und auch ihre Probleme mit der Währung hatte. Die Verkäuferin schrie die arme Frau regelrecht an: „It is not enough, I need moooore“ – wahrscheinlich fehlten irgendwo 2 Cent. Eingeschüchtert trat die Frau zur Seite und packte ihre Sachen zusammen. Zur gleichen Zeit schrie die Verkäuferin wie verrückt durch den Laden „Kassenschluuuuuss“ und forderte damit alle Anwesenden auf, jetzt unverzüglich den Laden zu verlassen. Währenddessen schnappte sich die Verkäuferin unsere Wasserflaschen und schmiss sie ohne Rücksicht auf Verluste auf die Waren der Vorherigen. Betont freundlich begrüßten wir sie, lächelten sie provozierend an und wünschten ihr anschließend einen wunderschönen Abend. Daraufhin gab sie sich wenigstens ein bisschen Mühe mit uns.
Im Hostel bereiteten wir unser Festmahl zu. Gerade noch rechtzeitig, denn als wir fertig waren, kam ein Ansturm junger Italiener und Franzosen, die ebenfalls der Hunger überkam.
Noch lange saßen wir zusammen auf dem Sofa in der Lounge (welche eher einem Kabuff ähnelte), tranken unser Bier, naschten Gummibärchen und quatschen.
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4 Kommentare

  1. Hallo Ihr Beiden,
    Schnitzel essen in Wien ist ganz was Feines, vor allem wenn man wie Ihr längere Zeit auf diesen Genuss verzichten musstet, was?
    Auch ich kann nur Euren Mut bewundern, dieses gruselige Karussell zu besteigen. Ich war schon mit dem Riesenrad überfordert, meine Freundin und ich saßen wie versteinert auf dem Holzbänkchen in der Mitte der Gondel, rührten uns nicht und hofften jedes Mal, wenn wir eine Runde gedreht hatten, dass die Fahrt endlich zu Ende sein würde. Für diesen „Riesenspaß“ haben wir auch noch einen Haufen Geld bezahlt.
    Hinterher haben wir uns übrigens sehr angenehm an der Strandbar erholt, die auf dem Foto hinter Dir zu sehen ist, Paul.
    Genießt die Zeit und habt weiter viel Spaß!!

  2. Wir staunen – bewundern – die Safe-Idee(!) – amüsieren uns dabei köstlich; geht es noch zu toppen?

  3. Hi Lisa and Paul,
    I really enjoyed the accounts of your journey which are so amusing, ( not ignoring that sometimes the real situations were not humurous at all) , nevertheless your wording made me smile and giggle a lot. And I admire your enthusiasm for writing while being on holiday.
    I am in suspense what might be going on next year :)))!

    CU :)))

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