Vom Glück verfolgt

Wenn ein Tag so wunderschön beginnt, ist alles drin. Heute kam der Zug zu spät, die Weiche war dahin.
Der Zug war ungewöhnlich kalt, dafür gibts einen Preis, als Krönung stanken Sitznachbarn irgendwie nach Scheiß.
Guten Morgen, liebe Sorgen seid ihr auch schon alle da?
Habt ihr auch so gut geschlafen, na dann ist ja alles klar!

Aber von vorn:
Im dunklen Doppelzimmer der Bajski Put 12 erwachten wir noch vor dem Weckerklingeln. Es war kurz vor neun, wir hatten also noch Zeit zum dusseln. Damit fertig, machten wir uns hübsch und packten die Rucksäcke. Während ich noch die letzten Sachen aus Bad und Fernsehbereich sammelte, machte sich Paul auf die Suche nach dem Besitzer der Villa Stefanija, um unser Geld loszuwerden (Es ist uns mittlerweile schon oft passiert, dass im Internet angepriesen war, die Unterkunft besäße ein Kartenlesegerät, in Wahrheit aber dann die Rezeptionisten vor uns mitleidig verneinten). Die Tür ging auf und ein glücklicher Paul kam herein. Der Ältere der beiden Vermieter war scheinbar in Spendierlaune und hatte uns ganze 100 Serbische Dinar geschenkt. Hierbei handelt es sich um etwa 88 Cent, aber wir freuten uns trotzdem. Wir beschlossen das Vermögen clever zu investieren und liefen mitsamt des Gepäcks (mal wieder) zum Souvenierladen in der Stadt. Die Frau begrüßte uns nicht wirklich herzlich, wir wussten aber auch gar nicht mehr genau, ob es sich um die Verkäuferin vom Vortag handelte. Wahrscheinlich hatte sich unsere Existenz schon so weit herumgesprochen, dass uns das ganze Kollegium dort kannte. Wir kauften zwei Postkarten, lächelten und verabschiedeten uns mit einen schwungvollen „Dopr Dan“.
Noch hatten wir Zeit, bis der Zug planmäßig fahren sollte und unsere Mägen machten Radau. Die nahegelegenste Kartenzahlmöglichkeit war McDonalds. Wir schämen uns natürlich in Grund und Boden, aber unser Hunger wurde mithilfe von 4 Cheeseburgern und einem kleinen Joghurt gestillt.
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Der Weg zum Bahnhof ging schnell, doch dann standen wir da. Nirgends eine Tafel, auf der man Ankunft oder Abfahrt eines Zuges hätte erkennen können. Nur ein etwas abgewrackter kleiner Fernseher, auf dem man weder Städte, noch Zeiten, noch überhaupt irgendetwas erkennen konnte. Wir machten es also wie alle anderen und setzten uns auf eine Bank direkt an der Gleisanlage. Unbeschwert und nichts ahnend beobachteten wir Leute und Züge. Wir scherzten herum, dass unser Zug mit Sicherheit eine gewaltige Verspätung haben wird und es besser wäre, schonmal loszulaufen. Nach einer Weile (unser Zug hätte eigentlich schon da sein müssen) kam ein Mann auf uns zu, der sich als Bahnmitarbeiter vorstellte. Er erklärte uns, dass es auf der Strecke ein Problem mit der Weiche gäbe und der Zug so um die zwei bis drei Stunden später kommen würde. Wir hätten uns eben nicht drüber lustig machen sollen. Einerseits belustigt, andererseits verärgert saßen wir nun also noch eine ganze Weile auf dem Bahnsteig in Subotica. Zwischendurch gesellte sich ein (Grenz?-) Polizist zu den Wartenden und kontrollierte von jedem Einzelnen den Ausweis. Er kam zu uns und fragte, woher wir kommen. Deutschland war die Antwort. „Oh Germany – OK“ – und weg war er wieder. Merkwürdig. Diese seltsame Passkontrolle und deren Grund konnten wir uns nicht erklären. Die Zeit verging langsam, Paul fragte an der Info nochmal nach, wann denn mit dem Zug genau zu rechnen sei. Um eins. Und so war es dann auch – nahezu Punkt 13 Uhr schlich der EC über die Gleise und hielt direkt vor unserer Nase. Endlich. Der Großraumwagen war einigermaßen voll, so mussten wir uns in einem Viererabteil dazusetzen. Dort saßen bereits ein Mann (aus Griechenland) und ein Junge so um die 16 (könnte Türkei, aber auch alles andere sein), der deutschen Rap anhörte. In der Sitzgruppe stank es – anders kann man es nicht beschreiben. Und zwar nicht nach Käsefüßen oder Schweiß, es roch eher als wäre jemand in (Hunde-) A-A getreten. Nichtsdestotrotz nahmen wir Platz. image

Hauptsache sitzen und keine vier Stunden auf dem Gang hocken. Der Zug fuhr los, aber wir kamen nicht weit. Nach zwei Minuten hielten wir wieder – Pass-Kontrolle. Eingeplant war eine halbe Stunde, nach mehr als Einer kam dann mal jemand, der unsere Ausweise sehen wollte. Der Dementor war nicht sehr gründlich, im Gegensatz zu der ungarischen Kontrolle, die fünf Minuten später erfolgte. Dieser überprüfte nicht nur genauestens die Ähnlichkeit mit dem Bild, sondern sprach uns auch beim Namen an, um zu testen, ob und wie wir reagieren. Zu guter Letzt kamen hinter ihm noch zwei Polizisten mit Leiter (weil man an die Gepäckablage sonst nicht rankommt) und ein Drogenhund, der kurz an unserer Kameratasche schnüffelte, bevor er weitergezerrt wurde. Die Fahrt wurde fortgesetzt. Bis auf den Fakt, dass der Zug unverhältnismäßig heruntergekühlt wurde und uns alles abfror, war die Fahrt relativ ereignislos. Da wir in den letzten Tagen so viel angeschaut und erlebt haben, gönnten wir uns heute einen Ruhetag – wir beide kamen mit unseren Büchern weit voran. Mit insgesamt 3 Stunden und 15 Minuten Verspätung erreichten wir Budapest. Unseren Umsteigeort. Wir hatten Hunger und – zu unserer Schande – wieder war nichts in der Nähe bis auf ein McDonalds. Hier gaben wir uns jedoch mit einem kleinen Salat und einer Apfeltasche zufrieden. Ehrlicherweise haben wir uns auch nur für McDonalds entschieden, weil es dort bekannterweise eine ordentliche Toilette gab. Regelmäßige Leser werden sich erinnern, dass wir hier schon einmal 7 Stunden abgedrückt haben.
Bevor wir zum Bahnhof zurückkehrten, statten wir dem nahegelegenen Spar einen Besuch ab und verpflegten uns mit belegten Baguettes und Waffeln, die wir dann wiederum im Großraumwagen des Zuges nach Wien Westbahnhof verdrückten. Das Brot schmeckte zwar eher wie ein Fahrradreifen, aber immerhin mit Soße.

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In Wien kamen wir pünktlich an. Laut der Wegbeschreibung des Hostels mussten wir raus auf die Straße, uns nach links drehen und etwa 150 Meter laufen. Selten waren die Beschreibungen, die wir erhalten so kurz und verständlich, wir fanden die Rezeption in Rekordzeit. Bei Eva (einer netten jungen Ho(s)telfrau) meldeten wir uns an, sie bot uns zunächst einmal ein Bier an – natürlich aufs Haus. Da konnten wir nicht nein sagen und während wir an unseren Bierchen nippten, erklärte sie uns die Häuslichkeiten und gab uns einen groben Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dankend liefen wir wieder auf die Straße und um die Ecke.
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Unser Zimmer befand sich nämlich nicht im Haupt-, sondern in einem Nebengebäude. Schnell hatten wir das Haus gefunden und mussten uns nun mit unserer elektronischen Karte in der riesigen Wohnung auf mehreren Etagen zurechtfinden. Im Kellergeschoss fanden wir dann unser Fünf-Mann-Zimmer S1. Als wir den Raum betraten, begrüßten uns zwei junge Japaner und ein vermutlicher Spanier. Wir richteten uns kurz ein und machten uns dann noch einmal auf den Weg, um die Umgebung zu erkunden. Wir liefen bis fast in die Innenstadt, schlenderten durch die Einkaufsmeile und guckten links und rechts in die Schaufenster. Als die Müdigkeit kam, drehten wir um, machten uns im Hostel bettfertig und schliefen ein – ich im Einzel- und Paul über einem Asiate im Doppelstockbett.

2 Gedanken zu „Vom Glück verfolgt

  1. Die gute Luft im Abteil scheint euch ganz schön müde zu machen. Lisa und der Grieche schlafen schon. Paul du hältst noch durch, aber wie es aussieht nicht mehr lange. Verpasst nicht euren Zielbahnhof :o)

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