Salsa, Shakespeare und gutes Wetter

_MG_1749.JPG
Brno, oder auch Brünn genannt, ist die zweitgrößte Stadt Tschechiens. Bekannt ist sie wohl für Motorradrennen (zumindest ist es das wovon unsere Elterngeneration beginnt zu sprechen, wenn der Name fällt). Für uns ist sie aus eher praktischen Gründen Reiseziel geworden: Sie liegt entlang einer wichtigen Bahnlinie, auf welcher man -wenn man möchte- von Berlin über Dresden, Prag, Bratislava, Budapest und Belgrad bis nach Sofia fahren kann.
Den ersten Teil der Fahrt nach Brünn (den in diesen heißen, polnischen Regionalzügen mit den eleganten roten Hartschalensitzen) habe ich ja bereits beschrieben. Positiv ist anzumerken: Es wurde besser. In Bohumin, kurz hinter der tschechischen Grenze, wartete ein um Welten besserer Zug. Wir schnappten uns ein Abteil und machten es uns bequem. Nach etwa zweistündiger Fahrt erreichten wir „Brno hlavni nadrazni“.
_MG_1800.JPG Wie im Interrailbegleitheft beschrieben mussten wir nun nur noch die Tramgleise überqueren und waren im Zentrum. Dieses wirkt sehr sauber und besonders im Gegensatz zu Breslau unglaublich westeuropäisch: dm, McDonalds, die zu Rewe gehörende Supermarktkette Billa, H&M, Rossmann, Schlecker(!!), Wüstenrot und sogar die Landesbank Baden-Württemberg. Man könnte genauso gut in einer deutschen Stadt sein – was die Geschäfte angeht gibt es kaum einen Unterschied._MG_1691.JPG
Wir marschierten also tapfer durch das Zentrum und es dauerte eine Weile bis wir eine Touristeninformation entdeckten. In dem kleinen, klimatisierten Glaskästchen bekamen wir eine Karte und ein Zettelchen mit dem Name einiger günstiger Unterkünfte. Eine in relativer Bahnhofsnähe erregte unsere Aufmerksamkeit. Also: Zurück durch die Stadt und auf zur möglichen Unterkunft. Die lag dann zwar doch etwas weiter weg, als die Dame aus der Info eingezeichnet hatte, aber immerhin sollte sie günstig werden.
Ein älterer Mann begrüßte uns an einem kleinen Tresen und musste eine jüngere Frau rufen, die wohl englisch sprechen sollte. So richtig gut war ihr Englisch auch nicht, aber es reichte. Zimmerpreis 260Kč pro Person – also knapp über 10€. Zahlbar nur in Kronen und mit denen waren wir eher schlecht ausgestattet. In einem düsteren Nebenzimmer durften wir unser Gepäck abstellen und liefen zurück in die Stadt zum Geldwechseln. Neben dem Wechselschalter befand sich praktischerweise eine Eisdiele und so konnten wir das Geld direkt ausprobieren.
Bei unserer Wiederankunft in der Herberge erwartete uns nur noch der ältere (etwas müffelnde) Mann, kassierte das Geld (und gab uns zuviel zurück) und führte uns gestikulierend und tschechisch gewürzt mit deutschen Wortfetzen brabbelnd durch die etwas heruntergekommene Unterkunft. Nicht hübsch, aber zweckmäßig.IMG_1783.JPG
Ab ins Zentrum! Erster Stopp: Billa. Wir hatten Durst und deckten uns reichlich mit Getränken ein. Die ebenfalls gekauften Pfirsiche wurden auf einer Bank auf dem Marktplatz verspeist. Wir saßen dort recht lange und beobachteten das bunten Treiben und die Straßenbahnen, die in regelmäßigen Abständen an uns vorbei rollten. Wir sahen ein etwas ungewöhnliches, zäpfchenförmiges Denkmal, das aus rotierenden, schwarzen Steinplatten bestand und den mutigen Bürgern von Brno gewidmet ist. Wenn ich ein schönes Foto finde, schreibe ich die Details dazu gern noch nieder.
Da es in unserer Unterkunft kein WLAN gab, flüchteten wir uns aus Routenplanungsgründen in das örtliche McDonalds. Es wurden schnell ein paar Routen gegoogled und eine Entscheidung getroffen. So leicht kann es gehen.
Mit etwas Bier und Verpflegung für den nächsten Tag ging es auf Sightseeing-Tour. An einer gotischen Kirche ging es vorbei auf den Spielberg. Wir genossen das Panorama quatschten und schossen ein paar Fotos. Zu unserer Überraschung war auf der Burg mächtig was los – es wimmelte nur so vor gut gekleideten Leuten. Nach etwas Research stellte sich heraus: In der Burg fand eine Theatervorstellung statt – Shakespeare. Wir machten ein paar Fotos und genossen die Aussicht. In die Vorstellung konnten wir nicht – während man über die unpassende Kleidung noch hinweg sehen könnte, über die Abwesenheit von Tickets kann man das nicht.
Wir gingen wieder bergab und steuerten auf einen Obelisken (gewidmet den Böhmen und Mähren) und die Peter und Pauls Kathedrale zu. Hier blühte wieder einmal das Leben: Etwas unterhalb der beeindrucken und alles überragenden Kathedrale lief laute Lateinamerikanische Musik und es wurde Salsa getanzt. Ein fantastisches Erlebnis.
Für uns jedoch war es Zeit zu gehen. Der Tag war lang und wir wurde müde. Gute Nacht Brno – auch du bist viel schöner als erwartet!
[pe2-gallery class=“alignleft“ ] P1060206.JPG_MG_1687.JPGIMG_1785.JPGP1060214.JPG_MG_1725.JPG_MG_1791.JPG_MG_1759.JPG[/pe2-gallery]

4 Gedanken zu „Salsa, Shakespeare und gutes Wetter

  1. Hallo ihr Weltenbummler, werde euch weiter verfolgen und eure interessanten Berichte lesen. Habt noch viel Spaß und tolle
    Erlebnisse. G

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.