Belgrad zwischen Beton und Straßenkunst

_MG_1878.JPG Es ist sechs Uhr. Morgens. Доброй утром Веоград.
Gleich am Bahnhof besuchen wir eine Information: Stadtplan und ein ganzen Berg Hostelflyer werden zu unserem Eigentum. Nachdem wir die Flyer durchgearbeitet haben, laufen wir los. Das erste aufgesuchte Hostel ist zu teuer. Das zweite schon voll und das dritte noch teurer als das erste. Hostel Nummer Vier ist nicht auffindbar und Nummer fünf – ach reden wir nicht drüber.
Als wir das vierte Hostel dann doch finden, stellt sich heraus, dass nur noch ein private room frei war. Und der war uns zu teuer. Im studentski Park machten wir eine kleine Rast, aßen und tranken, beratschlagten die Situation. Dann der Entschluss: Zurück zu Hostel Vier den private room buchen und uns was gönnen. Ich eilte also ins „Hedonist Hostel“ und reservierte dort auf den Namen Berschick ein Zimmer. Noch ein paar Minuten verweilten wir im Park, bis wir alle unser Gepäck ins Hostel brachten und dort vorerst an der Rezeption deponierten. Check-In ist erst ab 14Uhr möglich, die Rezeptionistin zeigte uns trotzdem schon jetzt Küche, Aufenthaltsraum und Innenhof. Nach kurzer Pause im Hostel brachen wir auf zur Burg und liefen einige Runden auf und um die mächtigen Verteidigungsanlagen. Dabei blieb auch der Besuch auf dem Gelände des unvermeidlichen Militärmuseums nicht aus und wir liefen wieder minutenlang durch Reihen von Panzern, Flakgeschützen, Mörsern, Torpedos und ähnlichem Kriegsgerät._MG_1893.JPG
Die Temperaturen stiegen weiter an und als wir Geld getauscht und einige Kleinigkeiten gekauft hatten, flüchteten wir uns in den Aufenthaltsraum des Hostels, schauten Olympia und reduzierten oral unsere Nahrungsvorräte.
Als wir endlich unser Zimmer (im Nachbargebäude) bekamen , ging es uns schlagartig besser. Besonderes Highlight: Klimaanlage.
Nach einer kurzen Pause beschlossen wir ein Freibad aufzusuchen. Was wir nach etwa 15-20 minütigem Fußmarsch vorfanden war … besonders. Man betritt einen futuristisch designten Betonbau (naja … in den 80zigern hätte man vielleicht von modern gesprochen) und kauft an einem Tresen sein Ticket (etwa 1,30€ pro Person) und lässt es an einem an eine DDR-Schulbank erinnernden Tisch gleich wieder abreißen. Zwar gibt es lange Reihen von Schließfächern, aber einschließen kann man da nichts – sie haben kein Schloss. Stattdessen gibt es eine Garderobe, an der man seinen privaten Kram abgeben kann. Auch gut.
Das Bad selbst besteht zu 85% aus Beton und ähnelt eher einem Wettkampfbecken – vermutlich ist es das auch: Zuschauerränge aus Beton umrahmen des Becken an zwei Seiten, an der dritten Seite steht eine Halle mit Glasfront, in der sich ein weiteres großes Becken befindet. Das Nichtschwimmerbecken befindet sich unmittelbar neben den Stufen zur Halle. Eigentlich gibt es in diesem Bad alles, was man braucht: große, saubere Becken, genug Platz zum Hinlegen, einen Eisverkäufer, ein Café und die Burg als traumhaftes Panorama. Nur eins hat der Architekt irgendwie vergessen: Nirgends(!) gibt es Schatten. Nur glühend heißen Beton._MG_1892.JPG
Wir schwammen trotzdem ein paar Bahnen (sofern das bei dem Andrang möglich war) und machten hin und wieder draußen eine kurze Pause. Allein waren wir – wie angedeutet – nicht. Das Nichtschwimmerbecken war überfüllt und der Rand des Schwimmerbeckens war rundherum besetzt. Schwimmen war auch nicht so einfach, da ständig irgendwer kreuzte. Ein Erfolg war der Badbesuch trotzdem: Wir fühlten uns danach viel besser. Da es dort keine Duschen gab (oder wir zumindest keine finden konnten) liefen wir zum Chlorabduschen ins Hostel und gleich danach in die Innenstadt.
Die Hauptflaniermeile von Belgrad war unser Ziel – wir tranken ein Bier, aßen bei „Gyropolis“ und beobachteten die vorbeilaufenden Menschen und zahlreichen Straßenkünstler. Noch etwas schlendern, noch ein Bier auf dem Platz der Republik, noch ein letzter Einkauf im 24h Laden und dann ging’s ins Bett. Добрый ночь Београд!

Nachbereitung #02

P1040425.JPG Ich möchte euch nur schnell den Soundtrack unserer Reise präsentieren. Erik hat den doch des öfteren abgespielt und er ist halt wirklich gut. Und als Bonus noch ein Bild. Und zwar aus der schönen Stadt Belgrad. Was ja zumindest mit meinen begrenzten sprachwissenschaftlich-etymologischen Fähigkeiten auf den ersten Blick eine Dopplung ist – „bel“ wie bello [ital. schön] und „grad“ wie город [also russ. Stadt] (vgl. stari grad – Altstadt) AAAABER da man hier wohl kaum 2 Sprachen gemischt hat würde ich eher auf weiße Stadt tippen. In dem Fall käme das „bel“ nämlich von белый [russ. weiß] – und das wiederum – also Belgrad als „weiße Stadt“ glaube ich auch schon einmal gehört zu haben… ich schweife ab, oder?

Achso. Das Lied. Hier:

Klischees

Über alle Länder und Regionen gibt es Vorurteile und Klischees. Hier einige über Frankreich (mit Exkursionen nach Italien, Bulgarien und Co.) mit unseren Beobachtungen: wahr oder falsch.
1. Franzosen sind sehr stolz auf ihr Land. Das können wir guten Gewissens bejahen: Französische Flaggen sind beliebt und wirklich fast jedes Auto ist von Renault, Citroën oder Peugeot.
2. Franzosen legen wert auf ihre Sprache und lassen Touristen zappeln, wenn die kein Französisch beherrschen. Das ist wohl eher eine Halbwahrheit: Die allermeisten Franzosen mit denen ich zu tun hatte, waren freundlich und hilfsbereit. Man sieht es aber durchaus gern, wenn man sich am Französischen versucht – da mein Französisch unmittelbar hinter „Bonjour“, „Merci“, „Au revoir“ und „qui a roulé le frommage a la gare?“ aufhört, mussten sich meine Gesprächspartner mit Begrüßung, Dank und Verabschiedung zufrieden geben. Und das reicht den allermeisten scheinbar auch. Wer allerdings direkt Englisch beginnt, wird meinen Beobachtungen nach, nicht ganz so nett behandelt. (Das trifft allerdings auch für Kroatien und Co zu. Da wo ich добры день sagte, kam ich besser an, als da wo ich englisch begann (weshalb ich Letzteres schnell abstellte).
3. In Frankreich Auto zu fahren ist ohne. Stimmt irgendwie auch, obwohl es hier eine Spur harmloser zugeht als in Italien, Rumänien und Serbien – wo jedoch die Institution des Zebrastreifens intensiver geachtet wird – mit Bremsmanövern 10cm davor, aber immerhin. Etwas Mut gehört bei Straßenüberquerungen immer dazu. Über das Parkverhalten in diesen Ländern wollen wir lieber schweigen. (Nagut: Wie parkt man aus einer Parklücke aus wenn man vorn 10cm und hinten sportliche 5mm Spielraum hat?! – Gesehen in Florenz. Also die Situation, nicht das Fahrmanöver. Leider.)
4. Diverse Klein-Klischees wie typisches Aussehen, typische Kleidung, typisches Verhalten: Stimmt -besonders in Frankreich und Italien- beängstigend oft. Beeindruckend.
5. Wie schon oft erwähnt: Je weiter östlich man kommt, desto weniger Wert wird auf optische Perfektion von Bauwerken, etc gelegt. In Frankreich z.B. ist die Straßenbahnoberleitung ganz akkurat befestigt, in Belgrad und noch schlimmer in Bukarest hängen überall abgeschnittene Kabelenden herum und wer unter den Masten steht und nach oben schaut, sieht den Himmel vor lauter Kabel kaum noch. Fahren tut die Straßenbahn aber in beiden Fällen.