Minus Eins

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Heute war es also so weit: Unser treuer Mitreisender Erik musste sich von uns trennen und die Heimfahrt antreten. Da er als dualer Student keine Ferien hat, sondern Urlaub nehmen muss, müssen wir jetzt leider ohne ihn weiter.
Heute Morgen sind wir also ein letztes Mal gemeinsam zum Bahnhof gelaufen. Vor dem Zug Richtung Warschau schossen wir einen letzten Selbstauslöser und dann blieb nur noch Winken.
Es war sicher nicht immer einfach, es lief hier und da nicht immer ganz rund, aber ich glaube wir hatten zu dritt sehr viel Spaß. Wir haben viel gesehen und erlebt: Wir haben mit älteren Damen über Zimmer verhandelt, gemeinsam in Zug, Bus und auf der Straße geschwitzt – kurz: Es war toll.

Gute Heimreise und viel Spaß auf Arbeit, Erik!
Lisa und Paul

Grüß Gott, wir sind in Österreich.

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Wir erwachten – welch Überraschung, denn hier waren wir ja eingeschlafen – in den Doppelstockbetten des Youth Hostels in Ljubljana und freuten uns schon auf das angekündigte und bereits bezahlte ausgiebige Morgenmahl. Im Frühstücksraum wartete ein wunderbares Buffet auf uns (die Ironie klingt hier schlimmer, als es gedacht war). Es bestand aus einer Kiste voller Brötchen, einem Teller mit Leberwurst und Einem mit Käse, ein paar Cornflakes und einer kleinen Getränkeabteilung mit Kaffee, Tee und Saft. Als wir dann nach nicht allzu langer Zeit aufgegessen hatten, konnten wir stolz von uns behaupten, das komplette Angebot ausprobiert zu haben (bis auf dem Kaffee).
Wieder auf unserem Zimmer, packten wir die restlichen Sachen zusammen, checkten aus und liefen Richtung Bahnhof. Um 11:28 Uhr startete unser Zug nach Villach (Diesen Stopp legten wir übrigens nur ein, weil Erik von hier aus gut nach Deutschland kommen kann und Paul und ich nicht weit von der italienischen Grenze entfernt sind)._MG_2410.JPG
Bereits vor der Ankunft sorgten wir uns, keine Unterkunft zu finden, als wir dann vor Ort waren, sorgten wir uns weiter. Überall Hotels, aber die waren so unbezahlbar, dass wir unbedingt auf etwas anderes zurückgreifen mussten. In der Stadt hatten wir freies Internet und nutzten die Chance, um nach nahegelegenen Hostels zu googlen. Wie heißt es so schön? Wer sucht, der findet. Es gab eine Jugendherberge, die gar nicht so weit entfernt war. Die Rucksäcke wieder aufgehuckelt, ging es, der Wegbeschreibung folgend, los. Ohne große Probleme fanden wir auch besagtes Gästehaus und wurden sogleich freundlich empfangen. Die österreichische Rezeptionistin fragte neugierig, woher wir kommen und warum wir in Villach sind – wir erzählten ihr von unserer Reise und dass wir (also Erik) gerade auf dem Heimweg sind. Die Begeisterung war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben und ihr Interesse offensichtlich. Nach kurzer Auswertung und Berichterstattung trug sie Erik und mich als Pauls Kinder in die Kartei ein und wies uns ein Viererzimmer zu – Nummer 107 im ersten Stock. Wir teilten die Betten auf und machten eine kurze Pause. Als wir dann vollständig regeneriert waren, machten wir uns auf zum Stadtrundgang. Leider gab es außer ein paar sehr hübschen Kirchen nicht viel zu sehen. Dazu kam unglücklicherweise die Tatsache, dass Sonntag war und kaum ein Laden geöffnet hatte. Trotzdem schlenderten wir mit viel Spaß und Freude durch die Straßen und setzten uns auf komische Plastikgegenstände am Ufer der Drau._MG_2386.JPG
Der Hunger packte uns und wir beschlossen einstimmig unser Abschluss-Essen richtig groß zu veranstalten. Wir suchten uns ein Plätzchen im Biergarten des Brauhofs, dessen Speisekarte uns schon in der Unterkunft empfohlen wurde. Wir bestellten als erstes eine kleine Vorsuppe: Lisa Nudelsuppe, Paul Leberknödelsuppe und Erik eine Fritattensuppe. Es folgte der Hauptgang: Lisa einen bunten Salatteller mit Truthahnbruststreifen, Paul einen Schweinebraten mit Klößen, Sauerkraut und Kartoffeln und Erik bestellte sich ein Schweineschnitzel mit Salatteller. Nebenbei wurden 6  Biergläser und ein Apfelsaft geleert. Wir sagten uns: Wenn, dann richtig! Als unser Magen nach den großen Portionen langsam wieder aufnahmefähig wurde, musste natürlich noch ein Dessert her. Kaiserschmarrn bot sich dafür hervorragend an (wenn man schon einmal in Österreich ist, muss das einfach sein).
Erwähnenswert wäre noch, dass uns an diesem Abend eine ältere Frau belustigte, die allein an dem Tisch gegenüber saß. Sie trank in der Zeit mehr Bier, als wir gemeinsam je geschafft hätten und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Jedes Mal, wenn sie an ihrer Zigarette zog, begann sie unglaublich zu lachen – über alles und jeden. Ihr Lachen war so ansteckend, dass sich sogar die Kellner amüsierten, die beim Vorbeigehen immer eine neue Bestellung an Bier aufnehmen durften – schade, dass wir das Eintreffen ihrer Rechnung nicht mehr mitbekamen. ;-)
Vollkommen fertig und satt verließen wir den Biergarten und wanderten dann auf ziemlich direktem Wege zurück zur Jugendherberge. Dort quatschen wir noch ein bisschen und erfreuten uns an lauten Kinderstimmen auf dem Gang, als wir einschlafen wollten. P1060396.JPG_MG_2402.JPG_MG_2394.JPG

Schlossgarten, Nickerchen, Prater, Schnitzel

Die Überschrift fasst den Tag ganz gut zusammen: Nach unserem Checkout, schlossen wir unsere Rucksäcke im Hostel kostenlos ein und gingen ein kleines Frühstück einnehmen.
Voller Energie ging es mit der U-Bahn zum Schloss Schönbrunn, wo wir durch den sehr gepflegten und ausgesprochen weitläufigen Park wanderten. Irgendwie wurde es dann doch anstrengend und unter dem Einfluss der Hitze entschieden wir uns für ein Nickerchen – wiedermal. Neben einer Hecke fanden wir eine schattige Bank und 2 Stunden später waren wir dann wieder wach.
Nächster Halt: Museumsquartier. Wir durchforsteten die lustigen Geschäftchen und füllten unsere Trinkflaschen auf.
Der Prater sollte die nächste Station werden – und dort die Black Mamba. Ein Video von dem was da passiert werden wir bald nachreichen. Ums kurz zu machen: Angst, Adrenalin und Beschleunigungskräfte. Die Wildwasserfahrt danach (bei der ich als EINZIGER der Gruppe klitschnass wurde) war dagegen Kindergarten. Aber trotzdem lustig.
Und jetzt im Moment sind wir beim feierlichen Tagesabschluss – Im Schnitzelhaus gab es gerade ein Riesen-Wiener-Schnitzel (etwa 40*40cm), das seinen Name verdient hat. Vollkommen gerädert sitzen wir jetzt hier und verdauen. Morgen um die Zeit sitzen wir zuhause. Komisch, oder?

Wien, Klappe die Zweite

Wien empfing uns mit offenen Armen. Als endlich unsere Unterkunft gefunden war, ich mich am Bankomat wieder liquide gemacht hatte, wir geduscht waren, unser Gepäck im Schrank verstaut war und wir mit Pauken und Trompeten an der Onlinebestellung eines Sachsentickets gescheitert ware , gingen wir zum Bahnhof zurück. Wir reservierten 2 Sitzplätze für den Nachtzug nach Prag am 21.8. und liefen zum gefühlten 180., tatsächlich aber erst zum 5. Mal die Mariahilfer Straße herunter. Wir schlenderten durch ein paar Geschäfte und irgendwann saßen wir mit einer Ladung Süßkram auf einem Kunstwerk vorm Museumsquartier und beobachteten die Menschen um uns: Skater, die an ihren Tricks scheiterten, Punks, Hippies und Ähnliche saßen friedlich herum, Touristen schlenderten hin und her und eine Gruppe Orangegewandter sang „Hare Krishna“ und trommelte dazu.
Das Museumsquartier ist im Ganzen rechts sehenswert. Es stehen im Innenhof z.B. IKEA Sofas statt normalen Sitzbänken, die Stimmung ist sehr angenehm und „kreativ“, …
Bevor wir uns in die Hostellobby setzten, aßen wir noch Chinanudeln, groß (Erik) und Thai-Huhn, scharf (Paul). Ein Genuss. Und die Beschreibungen stimmten: Meins war scharf ohne Ende, und Erik nach Seinem restlos satt.
Im Hostel kümmerte Erik sich um die Musik (er spielte Gitarre) und ich mich (mit Lisa) um die Bebilderung des Blogs.
Gute Nacht!

Wir lange keinen Nachtzug mehr…

Vienna Calling. 22:40 Uhr startet unser Zug nach Wien. In Wagen 407 sitzen wir auf den Plätzen 31 und 33, die wir früh bei Crescendo Largo (das ist so ein toller Name) reserviert hatten. Zusammen mit uns im Abteil: ein etwa 50 bis 55 jähriger wortkarger Ungar (erkennbar an der Zeitung die er liest – obwohl er auch einige Brocken Deutsch brummt) und zwei leider nicht wortkarge Amerikaner. Die 2 redeten viel, dafür aber um so mehr Unsinn. In solchen Momenten wünscht man sich kein Englisch zu verstehen.
Kurze Panik ergriff uns dann als der schweizer Schaffner kam. Als er vor unserem Nachbarabteil stand, sagte er „Mit diesem Pass dürfen sie nicht nach Deutschland reisen.“ und nahm einen Interrail-Pass in die Hand. Es wurde diskutiert und er sagte, dass er später zurückkäme. Wir erwarteten jetzt dasselbe und stellten uns seelisch und moralisch darauf ein, dem Herrn zu erklären, dass uns am Schalter gesagt wurde, dass es kein Problem wäre, dass wir ja nichts für die Umleitung können und dass wir ja schließlich eine Reservierung haben.
Doch als der Kontrolleur kam, passierte folgendes: „Guten Abend, ihre Fahrkarten bitte … Dankeschön …. Mhhh … In Ordnung. Danke. [..] gute Nacht!“ – Keine Nachfrage, kein Problem, nichts. Auch als später der österreichische Schaffner kam, verlief alles glatt. Der Schaffnermonolog war auch weitgehend identisch. Außer, dass er „Billetts“ statt Fahrkarten verlangte.
Ich schlief zwar mit einigen Unterbrechungen, aber alles in allem sehr gut. Erik sagt er schlief kaum. Schicksal würde ich meinen ;D
Nach 2-3 Irrwegen, einem BurgerKing Frühstück und einem Kurztelefonat mit der Heimat checkten wir hier im Hostel Ruthensteiner ein. Gleich geht es frisch geduscht in die Stadt!

Nachtrag Bahnfahrt

Einige kleine Ergänzungen zur weiteren Zugfahrt sind vielleicht noch zu machen. Eriks Abteilkameraden blieben gleich, er hatte eine ruhige Nacht und wachte erholt auf. Ich schlief zumindest noch gut ein, konnte das aber nur kurz genießen. In Salzburg stiegen 3 österreichische Backpackerinnen zu: Eva, weiterer altmodischer Name und Dings. (Was ist denn mit meinem Gedächtnis los?!). Die drei mischten die Kabine doch gewaltig auf und ich fand im Folgenden nur schwer wieder eine Schlafposition – zumal Eva ihre etwas kräftigen Beine sehr unvorteilhaft ausstreckte. Aber irgendwie schlief ich wieder ein.
Dann kam zuerst der italienische Fahrkartenkontrolleur und als ich dann wieder schlief kam Bologna. Und die beiden dunkelhäutigen Frauen (wie ich lernte: Tante und Nichte) stiegen aus. Gentleman wie ich bin hob ich deren unnötig schwere Koffer von der Gepäckablage und obwohl 2 Sitze frei wurden, fand ich nur schleppend zurück ins Reich der Träume.
Ich muss nicht erwähnen, das „Firenze S.M.N.“ der nächste Halt war, oder?

Diese Nacht wird dafür traumhaft: Ein Hostel ist gebucht. Bericht folgt schon heute Abend wenn alles funktioniert.

UPDATE: Die 3 Mitfahrerinnen heißen/hießen Judith, Eva und Marlene. Hahaha. Ich hab doch ein Gedächtnis!